Kommentar zur Spackeria

Klaus Peukert » 18 Mai 2011 » in Politisches » 6 Kommentare

Der Kristian hat ja letzte Woche mal wieder 15min Internet-Ruhm eingefahren, und einen "flameträchtigen Rundumschlag" zu der ganzen Spackeria-Diskussion abgeliefert. Drunter stehen ne ganze Menge, größtenteils echt lesenswerter Kommentare, wer also nur hier liest und Kris' Blog nicht im Fokus hat (ja, ich meine Dich!), der geht mal fix rüber und liest. Bookmark setzen! Ich warte so lange.

Fertig? Gut. Mittendrin in den Kommentaren schrieb Andreas Bogk:
Moment! Es gibt durchaus innerhalb der Spackeria Argumentationen, daß Privatsphäre grundsätzlich überflüssig und abzulehnen sei. Das ist eben genau nicht "Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen".
und das ist jetzt weder richtig falsch, aber auch nicht richtig richtig. Eigentlich gibts da ja nur einen, den Christian 'plomlompom' Heller, und der macht das schon länger und nicht erst seit er Spacko ist.

Es wäre vielleicht generell mal hilfreich, wenn man sich mal von der Vorstellung löst, "die" Spackeria sei eine homogene Gruppe, die sich Post-Privacy ins Kopfkissen gestickt hat und jedem seine sexuellen Vorlieben auf die Stirn tätowieren will. Der Entstehungspunkt dieses amorphen Haufens von Blogautoren war ja nicht, das man sich sagte "Wäre es nicht toll, wenn wir alle nackt und in Tipis leben würden?", sondern zunächst viel profaner das gemeinsame Facepalmen gegenüber Datenschutz-Guerillas wie dem niedersächischen DSB und seinem "Ich pack jetzt mal ein Forum an die Eier, weil das per AdSense IP-Adressen nach USA übermittelt", auch wenn Einzelne (wie schon vor Entstehen der Spackeria) über Post-Privacy als Utopie philosophieren.

Im Kern geht es bei den (vielen/meisten) Spacken gar nicht um Post-Privacy als erstrebenswertes Klinkerklunkerland voller glitzernder Einhörner, sondern viel handfester darum, wie man denn damit umgeht, das der aktuelle Datenschutz halt versagt hat, ja fast versagen musste. Das ist ja jetzt auch nichtmal was Neues, so mancher hat das in 2009(!) schon konstatiert. Neu ist vielmehr, das durch das Zusammenfinden (und die provokanten und stark verkürzten Thesen in diversen Interviews) erstmals eine etwas hellere Funzel auf das Versagen des klassischen Datenschutzes gerichtet ist, und man endlich beginnt wenigstens darüber zu reden, das doch irgendwas falsch läuft, wenn ELENA/SWIFT und andere staatliche Sachen durchkommen, man aber kaum ein Blog betreiben kann, ohne das BDSG über den Schädel gezogen zu bekommen.

Der Hauptpunkt (zumindest meiner "Mitgliedschaft") ist also weniger der Punkt "Post-Privacy", das ist (wie bei der Piratenpartei, das sind ja auch keine seeräubernden Horden) ja nur die Ironisierung der Beschimpfung, sondern der Umgang mit dem Versagen des Datenschutzes und dem ganzen Pipapo an neuen Herausforderungen. Ich hoffe, ich habe das hier (und in den dortigen Kommentaren) mal vernünftig und verständlich aufgeschrieben.

Zugegebenermaßen könnte ich mit dieser Ansicht wohl auch ganz gut bei den Aluhüten (BTW, Kudos für diese Meta-Selbstironie der Namenswahl, ich bin gespannt wie Anne Will der Kopf platzt, wenn sie das Streitgespräch zwischen Spacken und Alu-Hüten moderiert...) aufgehoben sein, teile aber halt nur deren "Na, irgendwie wird man das rechtlich/technisch schon regeln können"-Optimismus nicht so ganz.

Und wenn ich zensurgeiler Machtpolitiker mit etwas Restgrips wäre, dann wäre meine Keule nicht Urherberrecht, nicht Glücksspiel und auch nicht Kinderpornos, sondern schlicht und einfach der Datenschutz als Hebel für technische Zensur- und Überwachungsmaßnahmen. Da kann ja nun nichtmal der CCC oder die Piraten als "Datenschutzpartei" was gegen haben...

Glücklicherweise hört man aber ja nicht auf mich.
cronjob