Kumquats, Kreise und Kritik

Klaus Peukert » 22 Mai 2011 » in Piraten » 0 Kommentare

Na, das war ja ein heißes Wochenende. Erst feuerte die Piratenpartei "aus allen Rohren" auf die spanische "Revolution" und kurz nachdem man anmerkte, ob der Bremer Wahlkampf nicht naheliegender wäre, fuhr das BKA mal eben die Server der Partei runter, weil in irgendnem Pad irgendwas stand. Ich gehe mal davon aus, das jeder Leser das mitbekommen und die handelsüblichen A-Blogger gelesen hat. Diesbezüglich "heilsam" war mein fast-offline Wochenende.

Die Diskrepanz zwischen Innen- und Außenwahrnehmung, nicht nur der Piratenpartei, auch der Twitter- und Blogosphäre is doch immer wieder erstaunlich und wohl (noch) nicht mit den üblichen "Die wollen uns fertig machen"-Verschwörungstheorien zu erklären. Das die Piraten den medialen Volley nur halbherzig verwandelten war schade und das teilweise wegen eines wohl zunächst mißverständlichen Spiegel-Artikels gleich die Fackeln gegen die "Systempresse" rausgeholt wurden dann eher bedauerlich.

Man kann ja wohl kaum unabhängige Presse fordern und dann mit Scheiße schmeißen wenn man nicht über den grünen Klee gelobt wird. Egal, zu "Servergate" haben andere genug geschrieben. Es gab noch drei weitere bemerkenswerte Dinge:

1. Die "Saftige Kumquat": Nachdem LiquidFeedback in der Piratenpartei hinsichtlich des Layouts die durchaus berechtigte Kritik abbekommt, das da durchaus noch Luft nach oben ist haben sich ne Handvoll Leute hingesetzt und gesagt "Wir machen das jetzt besser". Das ist schon ein Schritt weiter als der gemeine Mailinglistenpolitiker, insofern: Viel Erfolg. Das Team mit dem bezaubernden Namen möchte, parallel zur Aktion "Codename Blue" der LF-Entwickler eine neue und bessere Oberfläche designen um die Akzeptanz des Tools zu verbessern.

2. Der "Stuttgarter Kreis": Noch ganz neu (und vermutlich stark von einem innerparteilichen Wahlkampfmanöver mitgeprägt) bilden mindestens zwei Piraten den selbstgenannten Stuttgarter Kreis, der, ebenfalls ein Schritt mehr als der übliche ML-Pirat macht, mal ihre politischen Vorstellungen in Thesen aufgeschrieben hat. Mir gefällt die grundsätzliche Richtung in die das gehen kann, das mal jemand einfach aus der Deckung kommt und offensiv für seine Positionen wirbt und das die Thesen ganz vernünftig scheinen. Die Jungs suchen übrigens einen Lektor...

3. "Landtagswahl" in Bremen und Bremerhaven. Nach aktuellen Zahlen ist man genauso sicher in der Parteienfinanzierung wie man die 2,0% nicht erreichen wird, offen bleiben die "kommunaleren" Ebenen auf Bezirksebene (oder wie das halt da heißt), da reichts vielleicht für das eine oder andere Mandat dann doch noch. Till Westermayer von der grünen Konkurrenz hat das aktuelle Ergebnis kurz bewertet und ich fürchte auf mittlere Sicht hat er Recht, wenn er konstatiert, das man wohl tatsächlich eine Milieupartei sein und bleiben wird.

Zurück an die angeschlossenen Funkhäuser.

Analyse des LiquidFeedback-"Hacks" und ein kleiner Ausblick

Klaus Peukert » 19 Mai 2011 » in Politisches » 1 Kommentar

Die Jungs vom LiquidFeedback-Team haben jetzt ihre offizielle Diagnose rausgebracht, nachzulesen hier. Das deckt sich soweit mit dem hier im Blog schon Geschriebenen, was den Angriffsvektor und den potentiellen Schaden angeht (interne Trackbacks machen mein Blog kaputt, schaut bitte selber nach). Im Rahmen einer "OperationCleanup" will man nun zum Einen alls User informieren und zum anderen alle inaktiven/schweigenden Accounts dichtmachen und die User neu einladen. Damit war zu rechnen und das ist auch sinnvoll, einfach weitermachen und Ergebnisse rausrechnen (*hust*Liquidizer*hust*) wäre auch ungewöhnlich schlampig.

Das würde grundsätzlich ganz gut zu Claudius Hollers Vorschlag passen, auf den ganzen Foo, den man wegen einer lauten Minderheit, die das Tool aus kleinkindhafter Bockigkeit eh nicht nutzt und mies macht, scheibchenweise an die Bundesinstanz angeflanscht hat, zu verzichten und eine freiwillige und offene Instanz aufzubauen, die schlicht die ursprünglichen Prinzipien von LiquidFeedback anbietet. So ähnlich wie das Piratenwiki, das steht auch "einfach so" da und keiner meckert über Datenschutz, wenn über das neue Webseitenlayout abgestimmt wird.

Ein Großteil der Kommentare auf seine Gedanken beschränkt sich aber auf innerparteiliche Ängste und läßt sich mit "Ne, laß mal, könnte ja schön werden" zusammenfassen. Schade mal wieder. Ich habe gestern unabhängig von Claudius den Sachsen einen ziemlich ähnlichen Vorschlag gemacht, bei dem ich auch meine Unterstützung angeboten habe. Die Begeisterung hält sich bisher in Grenzen, um es mal diplomatisch auszudrücken, "Sächische Piraten starten landesweites Beteiligungstool" klingt wohl nicht sexy genug. Wobei die Webseite der Sachsen mal paar frische Inhalte vertragen könnte...

Lediglich crackpille geht etwas ausführlicher drauf ein. Dazu nur eines. Die Gegenrede zu Claudius ist unnötig, da er "Klarnamenzwang" lediglich als Option sieht, dabei wohl aber eher eine "Dringende Bitte, die echte Identität zu nutzen" meint, so das die "Netzidentitäten" (crackpille, tarzun usw.) da mit drunterfallen. Ein modus operandi a'la Piratenwiki, also "Hier ist es, Accounts gibts da hinten, bedient Euch" ergänzt um "Aber jeder nur einen Account", umrühren und fertig is das Tool. Ich glaube, die beiden sind sich einiger als es scheint. Tut Euch mal zusammen.

Der eigentliche Spaß kommt aber erst später, egal ob mit "offenem Reset" oder Herz-Lungen-Wiederbelebung der bestehenden Instanz (die is ja sooo schlecht nicht, aufm Papier). Denn wenn das Tool keiner *ernstnimmt*, dann hat das eh alles keinen Sinn. So wie der alte Vorstand der Piraten tlw. aktiv gegen den Beschluß zur Inbetriebnahme gearbeitet und die Ergebnisse des Tools dann dank seiner "shitstorm-driven" Arbeitsweise mehr oder weniger ignorierte und kleinredete, so gegenteilig muss bei einem eventuellen Neustart die Ernsthaftigkeit der Nutzung sein. Also, lieber neuer Vorstand: Verkackt das nicht noch weiter.

Is schon komisch. Wenn auf Mailinglisten der Wind rauh wird, ein Sturm durch Twitter zieht, der Vorstand mit Sinnlos-Anträgen bombardiert wird, davor läßt man sich hertreiben, aber ein qualifiziertes Feedbacktool, was, bei allen Ecken und Kanten, bessere Ergebnisse liefert als das Gekreische von nem halben Dutzend ML-Könige, das ignoriert man, weil ironischerweise genau die Meute die einen per ML und Twitter hetzt, dafür sorgt, das man Schiß hat, die Ergebnisse in die eigene Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. Menschen sind seltsam.

Achja, bevor jemand die LF-Jungs anmeckert, wie doof sie denn wären, so ne Lücke einzubauen: Wenn selbst FeFe die Jungs lobend erwähnt, dann kann im Fehlermanagement so viel nicht falsch gelaufen sein. Und das Bugs dieser Größenordnung passieren ist wenig überraschend. Deswegen ist (bzw. sollte) LiquidFeedback ja komplett offen und nachvollziehbar, so das man eben merkt wenn inaktive Accounts plötzlich loslegen, der Kumpel plötzlich nicht mehr delegiert sondern selber und echt komisch abstimmt usw. Man kann ja nur hoffen, das FeFe keinen Wind davon bekommt, das beim anderen "Tool", dem Liquidizer eine ähnlich scheunentorgroße Lücke zunächst mit "Naja, die Manipulationen kann man ja rausrechnen" weggeredet wurde...

Zum Schluß möchte ich mal alle die ganz dick und fett loben, die sich seit Monaten für LiquidFeedback und LiquidDemocracy engagieren, die Jungs und Mädels machen eine fantastische Arbeit, die haben ihren Arsch hochbekommen und was auf die Beine gestellt. Die haben nicht auf MLs theoretisiert, die haben gemacht, sie haben ihr Gesicht direkt in den Sturm aus unberechtigter Scheisse gehalten, weitergemacht und richtig gut abgeliefert. Etwas, was sich im Piratenumfeld wohl die allerwenigsten auf die Fahnen schreiben dürfen. Umso bitterer, das die Piratenpartei im Bund das Projekt so ziemlich verkackt hat. Schade.

Liebe LF-Leute: Danke.

Kommentar zur Spackeria

Klaus Peukert » 18 Mai 2011 » in Politisches » 6 Kommentare

Der Kristian hat ja letzte Woche mal wieder 15min Internet-Ruhm eingefahren, und einen "flameträchtigen Rundumschlag" zu der ganzen Spackeria-Diskussion abgeliefert. Drunter stehen ne ganze Menge, größtenteils echt lesenswerter Kommentare, wer also nur hier liest und Kris' Blog nicht im Fokus hat (ja, ich meine Dich!), der geht mal fix rüber und liest. Bookmark setzen! Ich warte so lange.

Fertig? Gut. Mittendrin in den Kommentaren schrieb Andreas Bogk:
Moment! Es gibt durchaus innerhalb der Spackeria Argumentationen, daß Privatsphäre grundsätzlich überflüssig und abzulehnen sei. Das ist eben genau nicht "Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen".
und das ist jetzt weder richtig falsch, aber auch nicht richtig richtig. Eigentlich gibts da ja nur einen, den Christian 'plomlompom' Heller, und der macht das schon länger und nicht erst seit er Spacko ist.

Es wäre vielleicht generell mal hilfreich, wenn man sich mal von der Vorstellung löst, "die" Spackeria sei eine homogene Gruppe, die sich Post-Privacy ins Kopfkissen gestickt hat und jedem seine sexuellen Vorlieben auf die Stirn tätowieren will. Der Entstehungspunkt dieses amorphen Haufens von Blogautoren war ja nicht, das man sich sagte "Wäre es nicht toll, wenn wir alle nackt und in Tipis leben würden?", sondern zunächst viel profaner das gemeinsame Facepalmen gegenüber Datenschutz-Guerillas wie dem niedersächischen DSB und seinem "Ich pack jetzt mal ein Forum an die Eier, weil das per AdSense IP-Adressen nach USA übermittelt", auch wenn Einzelne (wie schon vor Entstehen der Spackeria) über Post-Privacy als Utopie philosophieren.

Im Kern geht es bei den (vielen/meisten) Spacken gar nicht um Post-Privacy als erstrebenswertes Klinkerklunkerland voller glitzernder Einhörner, sondern viel handfester darum, wie man denn damit umgeht, das der aktuelle Datenschutz halt versagt hat, ja fast versagen musste. Das ist ja jetzt auch nichtmal was Neues, so mancher hat das in 2009(!) schon konstatiert. Neu ist vielmehr, das durch das Zusammenfinden (und die provokanten und stark verkürzten Thesen in diversen Interviews) erstmals eine etwas hellere Funzel auf das Versagen des klassischen Datenschutzes gerichtet ist, und man endlich beginnt wenigstens darüber zu reden, das doch irgendwas falsch läuft, wenn ELENA/SWIFT und andere staatliche Sachen durchkommen, man aber kaum ein Blog betreiben kann, ohne das BDSG über den Schädel gezogen zu bekommen.

Der Hauptpunkt (zumindest meiner "Mitgliedschaft") ist also weniger der Punkt "Post-Privacy", das ist (wie bei der Piratenpartei, das sind ja auch keine seeräubernden Horden) ja nur die Ironisierung der Beschimpfung, sondern der Umgang mit dem Versagen des Datenschutzes und dem ganzen Pipapo an neuen Herausforderungen. Ich hoffe, ich habe das hier (und in den dortigen Kommentaren) mal vernünftig und verständlich aufgeschrieben.

Zugegebenermaßen könnte ich mit dieser Ansicht wohl auch ganz gut bei den Aluhüten (BTW, Kudos für diese Meta-Selbstironie der Namenswahl, ich bin gespannt wie Anne Will der Kopf platzt, wenn sie das Streitgespräch zwischen Spacken und Alu-Hüten moderiert...) aufgehoben sein, teile aber halt nur deren "Na, irgendwie wird man das rechtlich/technisch schon regeln können"-Optimismus nicht so ganz.

Und wenn ich zensurgeiler Machtpolitiker mit etwas Restgrips wäre, dann wäre meine Keule nicht Urherberrecht, nicht Glücksspiel und auch nicht Kinderpornos, sondern schlicht und einfach der Datenschutz als Hebel für technische Zensur- und Überwachungsmaßnahmen. Da kann ja nun nichtmal der CCC oder die Piraten als "Datenschutzpartei" was gegen haben...

Glücklicherweise hört man aber ja nicht auf mich.

Wie funktionierte der LiquidFeedback-"Hack"?

Klaus Peukert » 18 Mai 2011 » in Piraten » 0 Kommentare

Auf meinem Weg zum Henri-Nannen-Preis gibts wieder brühwarme Infos zum angeblichen "Hack" des Piraten-LiquidFeedbacks. Wie wir wissen wurde das nicht gehackt, sondern in der verwendeten Software wurde eine Sicherheitslücke gefunden und behoben. Die Analyse und der Nachklapp seitens Admins/Entwickler fehlt noch (oder sie ist im Moment in einem Kanal vogonisiert, der mich nicht erreicht). Der Entdecker des Bugs hat ihn jetzt etwas genauer beschrieben:

Die Lücke ist gefixt, und somit:

Falls es irgendwen interessiert, der Hack basierte auf 2 Dingen:

  1. Es gibt unten rechts ja den "Trace"-Knopf, der einem alle ausgeführten Datenbankqueries anzeigte
  2. Man kann sich via Mail ein neues Passwort zuschicken lassen, dafür wird ein zufälliges Token erzeugt und in der Datenbank gespeichert, so dass der Benutzer beweisen muss, dass er tatsächlich der Inhaber der Mailaddresse ist, weil er sonst das Token nicht kennen kann.

... es sei denn er clickt auf den "Trace"-Knopf und guckt sich an, was in die Datenbank geschrieben wurde.

Der Jan Schejbal (das is der Kollege, der der AusweisApp des neuen Personalausweises eine Lücke ähnlicher Größenordnung nachwies) kommentierte das wie folgt:

Falls sich jetzt jemand an den Kopf fassen und/oder sich über die Entwickler aufregen will, Typo3, also ein großes, bekanntes, von vielen wichtigen Seiten genutztes und von vielen Entwicklern mitentwickeltes CMS hatte an einer Stelle ein Token geprüft, und wenn es falsch war eine Fehlermeldung der Art "Token XY stimmt nicht mit berechnetem Wert Z überein" ausgegeben (d.h. "Dein Token XY war falsch, richtig wäre Z"). Sowas passiert halt.

Stand jetzt bin ich geneigt mich dem Fazit "Sowas passiert halt" anzuschließen, auch wenn die üblichen Verdächtigen aus den piratigen AntiLF-Terrorbrigaden nun greinen "Dann sind aber alle bisherigen Ergebnisse Müll" (ja, genau dieselben, die nicht müde werden zu betonen, das die Ergebnisse ja eh keinerlei Relevanz hätten, ich verstehs ja auch nicht). Bug erkannt, gefixt, Mund abputzen, weitermachen. Selbst OpenBSD hats AFAIK nicht ewig ohne "security hole in the default installation" ausgehalten.

Disclaimer: Ich habe immer noch keine Innensicht und verlasse mich immer noch auf frei verfügbare Quellen.

Piraten-LiquidFeedback "gehackt"?

Klaus Peukert » 17 Mai 2011 » in Piraten » 0 Kommentare

Kurze Antwort: Nein (Stand: Jetzt).

Lange Antwort: Eine (deftige) Sicherheitslücke wurde gestern bzw. im Laufe der vergangenen Nacht entdeckt und kurz darauf behoben. In den vom Berliner Landesverband betriebenen LF-Instanzen und in der Instanz des Bundesverbandes wurde der Bugfix eingespielt. Soweit ich das von "außen" bisher beurteilen kann, kann von einem "Hack" nicht gesprochen werden, korrekt wäre wohl "sicherheits-relevanter Bug zeitnah gefixt".

Die Lücke basierte darauf, das bei bekannten Nutzernamen die Token für einen Passwortreset ohne Zugriff auf das Mailkonto des Accountbesitzers erraten werden konnten. Auf diese Weise konnte potentiell jeder Account, zu dem der Nutzername bekannt (oder geschickt zu erraten war) durch Änderung des Passwortes übernommen werden. Wichtig: Ein potentieller Angreifer konnte nur das Passwort ändern, nicht aber auslesen.

Im Laufe des Vormittags gab es wohl eine Krisensitzung, bei der die "Scherben zusammengefegt" wurden oder noch werden. Im Laufe des Tages wird es wohl noch genauere Informationen zu dem Ganzen geben. Ich vermute aber, das über diesen proof-of-concept hinaus, keine weiteren "Hacks" stattfanden, aber das ist erstmal nur ein educated guess.

Ich gehe davon aus, das die versprochenen offiziellen und detaillierten Information zeitnah folgen und bin selber neugierig darauf. Bis dahin laßt den Jungs kurz Luft zum Atmen, um die Lücke und eventuelle Folgen analyiseren und aufschreiben zu können. Es ist niemanden geholfen, wenn man jetzt mit der Hysteriekeule durchs Internet rennt und "LQFB gehackt!!!!!11elf" kreischt.

Nachtrag 1: Bei einem Angriff oder Angriffsversuch hätte man wohl als Betroffener die Passwort-Resetmail erhalten (der Angriff war ja eine Abkürzung an dieser Mail vorbei, versandt wurde sie ja trotzdem). Sofern man sich in seinen Account mit bekanntem Passwort anmelden kann und keine "Sie wollen Ihr Passwort zurücksetzen, klicken Sie hier"-Mail erhalten hat, kann man wohl davon ausgehen, das der eigene Account nicht angegriffen wurde. Admin-seitig ist eine legitime Passwortänderung wohl nicht von einem Angriff unterscheidbar, so das vermutlich den Administratoren die Prüfung aller Accounts empfohlen wird.

Nachtrag 2: Die aktuellste Version ist mittlerweile beta33 (beta32 hat den Bug gefixt). Die Version beta33 aktualisiert allerdings nur noch die Versionsbezeichnung, was in beta32 noch fehlte.

Disclaimer: Obiges basiert auf den verlinkten Quellen (und ner Handvoll nicht verlinkter Tweets). Ich habe keine Innensicht in die Administration oder Entwicklung von LiquidFeedback, bin allerdings für die Mitgliederverwaltung des Systems auf Seiten der Piraten-Mitgliederverwaltung beauftragt.

Piraten, Presse und Popcorn - Reloaded

Klaus Peukert » 17 Mai 2011 » in Piraten » 6 Kommentare

Ich schrieb ja jüngst über eine kurzweilige Begebenheit im Umfeld der Piratenpartei und des Bundespresse-Teams. Dazu gibt es jetzt einen Nachtrag. Zum einen war das lustigerweise offen einsehbare Archiv der Liste wohl nicht absichtlich offen (again: IT-Partei anyone?), zum anderen ist es jetzt dichtgemacht worden und nicht mehr erreichbar.

Für Verschwörungstheoretiker interessanterweise exakt am ersten Tag der Amtszeit des frischgewählten Vorstands und keine zwei Stunden nachdem ich darauf hinwies, das trotz großspuriger Distanzierungen der Piraten gegenüber der Öffentlichkeit der kinderbildersammelnde Robin Hood der Netzpolitik, Jörg Tauss, mit Billigung der Pressemeute und Wissen des Vorstandes hintenrum einfach weitermacht, als wäre nie etwas gewesen und als hätte man ihm nie den Rückzug nahegelegt.

Jetzt ist das Archiv nun zu und depubliziert. Ich finde das schade, den so wurde eine meiner Meinung nach großartige Chance vertan, die immer von anderen (Staat, Parteien, Organisationen et al) geforderte Transparenz offensiv auch selbst vorzuleben. Ja, man wird hier mit mit vermeintlichem Datenschutz argumentieren, damit, das Pressearbeit und Absprachen bei der Erstellung von Pressemitteilungen nicht transparent sein müssen und so weiter.

Dabei ist Datenschutz hier kein valides Argument, denn persönliche Daten (etwa Kontaktdaten von Journalisten o.ä.) muss man nicht auf der Liste posten, sondern kann sie denen, die es konkret betrifft, persönlich schicken, außerdem existiert mit dem "Funkfeuer" ja ein Tool, in dem die Kontakte eh "geschützt" verwaltet werden. Bleibt "Die Absprachen, Entwürfe et al" müssen nicht öffentlich einseh-/nachlesbar sein.

Müssen sie zwar in der Tat nicht und die Denkweise "Das machen wir wegen der Konkurrenz lieber im Verborgenen" kann ich grds. nachvollziehen. Ich teile sie aber nicht. Damit könnte man argumentieren, wenn die Liste immer schon intern und geschlossen gewesen wäre. War sie nun aber mal nicht und ich werde nicht der einzige gewesen sein, der das Archiv heruntergeladen hat. Statt hektisch zu depublizieren hätte man hier eine Chance gehabt, die Piraten von dem politischen Einheitsbrei abzuheben.

"Bürger dieses Landes, schaut auf diese Partei!" - "Bei uns ist auch die Pressearbeit gläsern". Was hätte man daraus machen können. Für einen wirklich kleinen Preis hätte man mit einer offensiven und mutigen Vorgehensweise massiv punkten können.

"Lesen sie doch bei uns mit, egal ob Parteifreund, Bürger oder politische Konkurrenz, schaut uns über die Schulter. Wir haben keine Angst vor Euch".

Stattdessen entschied man sich fürs Depublizieren.

Angst statt Freiheit. Wein statt Wasser.

Schade.

Liebe kritik-kritische Bigotteria

Klaus Peukert » 16 Mai 2011 » in Piraten, Rants » 10 Kommentare

Am Wochenende haben die Piraten einen neuen Führer gewählt und wenig überraschend ist das Echo geteilt. Doch dazu später. Nachdem Sebastian Nerz in seinen ersten größeren Interviews gleich mal zentrale Beschlüsse der Partei (namentlich LiquidFeedback und ReSET) deutlich relativierte und seine eigene Meinung und Interpretation zur Parteimeinung ausrief, hagelte es erste Kritik, nicht immer auf die feine englische Art. Eine der Reaktionen aus der "Basis" bzw. von manchem Speichellecker (ich mein, welcher normale Mensch unterschreibt eine Mail mit "i.A." wenn er fix auf ner ML was ausrichtet?) waren allerdings bemerkenswert. Es hieß, verkürzt, "Wenns Euch nicht passt, dann verpisst Euch doch". Und das ist genauso interessant, wie es nicht überraschend kommt.

Liebe Piraten, die ihr ruft "Wer demokratische Entscheidungen nicht akzeptieren kann, hat bei Piraten nix verloren": Wo wart ihr, als Bodo Thiesen die demokratische Entscheidung zur Einführung von LiquidFeedback torpedierte und zur Sabotage aufrief? Wo wart ihr, als Jens Seipenbusch ReSET als Beschluß explizit gegen ein BGE umdeklarierte? Wo war Eure Stimme als die "Crew Bali" die Entscheidung zur Unterstützung einer Demo mit einem Aufruf zur Unterstützung eines Nazimarschs zu karikieren versuchte? Wo wart ihr da? Ich sag Euch wo ihr wart: Ihr wart auf der Seite derer, die LiquidFeedback torpedierten, ihr wart dort wo man verzweifelt versuchte buchstabenenverdrehend den Teufel BGE wegzuinterpretieren, ihr wart dabei und fandet es lustig und humorvoll, das eine Handvoll Piraten inkl. Landtagskandidaten den Vorstand mit "Dann müssen wir auch Nazidemos unterstützen" fast gesprengt hätten.

Liebe Piraten, die ihr nicht müde geworden seid LiquidFeedback mit Formalia und vermeintlichen Datenschutzproblemen zu bombardieren, die dafür sorgten, das Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung von Anwälten geschrieben werden mussten, wo war Euer Aufschrei als mit dem Liquidizer ein Tool aufpoppte, was diese Maßstäbe in Ansätzen nicht erfüllen konnte? Warum gab es nur Schulterzucken als sich rausstellte, das dieses Tool nahezu trivial manipuliert werden konnte? Warum hackt ihr auf denen ein, die diese Lücke aufdeckten, warum heißt es "Aber warum hat man das erst am BPT und nicht eher veröffentlicht", aber wo blieb die Kritik, als Jan Schejbal die Schwächen der Zensus-Webseite aufdeckte, ohne das vorher per full-disclosure den Betreiber informiert wurde?

Liebe Piraten, die ihr ruft "Er wird uns einen": Wo war Eure Gegenrede als es wieder und wieder hieß "Themen statt Köpfe", wenn man auch nur versuchte ein Thema an einem Kopf festzumachen? Liebe Piraten, die ihr nach Basisdemokratie ruft: Wo blieb Euer Protest, als der neue Vorstand auf klassisch etablierte Weise, als "Führungsteam" der Piraten vorgestellt wurde, so als sei Top-Down-Politik jetzt plötzlich state-of-the-party? Warum bejubelt ihr einen Vorstand fast als "Heilsbringer", wo ihr doch unpolitische Verwaltungsvorstände wollt? Warum braucht die ach so basisdemokratische Partei plötzlich ein "Führungsteam"? Warum feiert man den "Aufstieg" eines Piraten in einer Partei, die ohne Hierarchien auskomen will? Wo sind wir hier? In einem DAX-Unternehmen oder bei der CDU, die mit "Parteiführung" ja nun wirklich kein Problem haben? Was geht bei Euch eigentlich grad ab?

Wo wart ihr als Christopher Lauer falsch zitiert wurde und Medien ihm (auch nach ReSET) ein "Piraten sind für ein BGE" in den Mund legten? Da wart ihr laut, da habt ihr protestiert, da entsprach es nicht "geltender Beschlußlage", da wurde dem Mann sogar Gewalt angedroht, obwohl ein BGE selbstverständlich von dem ReSET-Programmpunkt gedeckt ist. Aber nicht die Medien waren schuld, nein, der blöde Lauer lenkt das Schiff ohne die Ruderer zu fragen. Natürlich ist es dann was völlig anderes, wenn Nerz als "gegen Datenschutz" zitiert wird, da sind sofort die Medien schuld. Fragt Euch doch mal, was gewesen wäre, wenn Lauer als frischgebackener Vorsitzender in der ZEIT gesagt hätte, das Piraten jetzt weiter an LiquidFeedback und BGE-Konzepten arbeiten? Hättet ihr da gesagt "Pro-Tipp: Was Lauer sagt, entspricht aktueller Beschlußlage"? Hättet ihr? Ich glaube nicht, Tim.

Wie soll man Euch Eure Empörung abnehmen, wenn sie "tagesformabhängig" verteilt wird und vermeintlich schlimme Nicht-Akzeptanz demokratischer Entscheidungen doch nur dann kritisiert wird, wenn es die eigenen Entscheidungen sind, die es erwischt, nicht aber wenn der innerparteiliche "Gegner" attackiert wird, ja schlimmer, ihr Euch dann in die Reihen der dumpfen Basher und Scheißewerfe doch auch bloß einreiht, lediglich die Wurfrichtung der Exkremente ist eine andere.

Ihr seid keine "Piraten", ihr seid Vereinsmeier mit Parteibuch.

Ihr tut mir leid.

Umfrage und Ausblick zu Liquid Democracy in der Piratenpartei

Klaus Peukert » 13 Mai 2011 » in Piraten, Politisches » 4 Kommentare

Der Sebastian Jabbusch hat unter allen 12.000 Piraten eine Umfrage zu LiquidFeedback als Tool, LiquidDemocracy als Konzept, zur Akzeptanz, Nutzung, Verbreitung und Kritik durchgeführt. Die Ergebnisse findet man in seinen "Offenem Notizbuch einer Masterarbeit", einem sehr interessanten Blog über die Entstehung (s)einer, Überraschung, Masterarbeit zum Thema, Überraschung, Liquid Democracy. Die Lektüre des Blog sei jedem Interessierten nahegelegt.

Die Umfrageergebnisse, bzw. den ersten Teil davon findet man in diesem PDF. Den Link zum Blogartikel reiche ich nach, wenn blogger.com mal wieder aufgewacht ist, offenbar hat bei Google jemand Kaffee in die Servertastatur gekippt. Ich finds sehr interessant mal tatsächliche Zahlen, abseits der Jammerei der Mailinglistenschreihälse, zu lesen, die auch schnell deutlich machen, das die gefühlte und von immer demselben dreckigen Dutzend propagierte Ablehnung von LF/LD dann doch eher auf wackeligen Füßen steht.

Achja, ich denke es ist müßig zu erwähnen, das samt und sonders diese üblichen Verdächtigen, die sich seit Monaten noch das krudeste Argument ausm Hintern popeln um LiquidDemocracy und LiquidFeedback schlechtzureden, unmittelbar nach den Zahlen mit eigen(s)ten Interpretationen um die Ecke kommen, das man ja alles völlig anders interpretieren müsse. Naja, business as usual bei Piraten.

Nichtsdestotrotz zeigt die Umfrage Verbesserungspotential auf (Userinterface, besser sinnvolle API, transparentere Delegationen), das vom am Wochenende beim kommenden Parteitag neu gewählten Vorstand aufgegriffen werden muss. Neben den technischen Verbesserungen ist eine große Aufgabe des neuen Vorstandes LF/LD zukünftig ernster zu nehmen und tatsächlich zu nutzen, der Basis diese Beteiligungsmöglichkeit geben und sie auch zu nutzen.

Die Wahl dort wird wohl auch zu einer Richtungsentscheidung für oder gegen LiquidDemocracy in der Piratenpartei, denn ob unter Sebastian Nerz, Noch-Vorsitzender des LV BaWü und fleischgewordener Traum aller politischen Schwiegermütter, der als weichgespülter Konsenskandidat bei seinem Heimspiel wohl recht ordentliche Chancen zur Wahl hat die LiquidDemocracy-Idee so aktiv wie notwendig vorangetrieben, ich bezweifle es.

Aber vielleicht ist mein Pessimismus völlig unbegründet und die Piraten sind vernünftig genug, keinen piratgewordenen Kuschelweichbären an die Spitze zu setzen, sondern einen mit Ecken und Kanten, einen der dem politischen Gegner auch mal ne Blutgrätsche verpassen kann, nämlich den Christopher Lauer, der von Claudius Holler, ehemaligem Spitzenkandidaten in Hamburg hier eine schöne "Wählt ihn"-Lobhudelei bekommen hat.


Falafel, Fleisch und Freiheit

Klaus Peukert » 11 Mai 2011 » in Politisches » 3 Kommentare

Interessantes spielte sich am Wochenende auf der Sachsen-ML der Piraten ab, es gab eine Schnitzel vs. Tofu-Diskussion. Warum? Nun, die Leipziger Uni-Mensa hatte in einer (von 18) Mensen/Cafeterien einen "vegetarischen Tag" durchgeführt, statt dem üblichen Entrecotè mit Speckbohnen gab es also nur "Tofusteak mit Mittelmeergemüse, Falafel mit Joghurt-Limetten-Dip, Kichererbsenpfanne und Gemüsecurry". So weit, so uninteressant. Jetzt gab es aber paar Knallerbsen von Studenten, die dagegen aufbegehrten. Generelle Infos zum Vorgang findet man unter

Das Ganze schwappte in die Sachsen-ML und wurde schnell in Richtung "Wir Piraten sind doch aber für persönliche Freiheit, liberal und gegen Bemutterung und sollten so einen Veggie-Tag daher schlecht finden" umgebogen. Eine sachliche Zusammenfassung dieser Position findet man hier im Blog von Andread Romeyke, dem Chef der sächischen Piraten.

Ich kann diese Aufregung und diese Argumentation nicht nachvollziehen. Ich verstehe das nicht. Niemand beschwert sich, das es in der Mensa keinen Mojito, Caipirinha oder wenigstens alkoholfreie Cocktails gibt und das man da keine Reisen buchen oder Fahrräder mieten kann. Niemand fühlt sich davon in seiner Freiheit eingeschränkt. Aber weil einmal im Monat in einer von 18 Mensen ausschließlich vegetarisch gekocht wird, dann ist der Katzenjammer groß? Warum?

Warum wird hier von Freiheit, ihrem Verlust oder ihrer Einschränkung geredet, weil es einmal im Monat Falafel statt Fleisch gibt? Ich mein, die Studenten werden ja nicht aus den Hörsälen in die Mensen getrieben um dort unter Androhung standrechtlicher Entleibung Brokkoli-Thunfisch-Gazpacho fressen zu müssen. Niemand erleidet einen persönlichen Nachteil oder einen im Studium, wenn er an dem Tag zwei Straßen weiter beim Feinkosthändler speist.

Und wenn wir bei Freiheit sind: Der Mensenbetreiber hat auch seine (unternehmerische) Freiheit. Und so wie es Restaurants gibt, wo es alles mögliche, aber kein Schnitzel gibt, weil der Koch das nicht als "Essen" ansieht, so wie es alkoholfreie Gaststätten und so wie es Trinkhallen gibt, so wie es an Dönerbuden und Burgerbratereien gibt, Hausmannskost und haute cuisine, so hat auch das Unternehmen (jaja, die AöR im Falle der Leipziger Mensen) die Freiheit, ihren Speiseplan frei zu bestimmen.

Blöd, wenn zwei Freiheiten nun aufeinanderprallen, wa? Wer hat denn nun Recht? Das Unternehmen (die AöR, es ist gut, OK?) das sich für ein monatliches Symbol/Signal entschieden hat oder der Student der ohne sein Jägerschnitzel mit Tomatensoße nicht über den Tag kommt? Es gab noch einen weiteren Einwand, insb. im Blick auf die Piratenszene. "Beim Tanzverbot hat man sich aufgeregt, aber hier nicht" hieß es u.a. Dieser Bigotterievorwurf übersieht etwas:

Das Tanzverbot ist staatlich angeordnet, wird kontrolliert und wer dagegen verstößt, wird bestraft und darf blechen. Wer am Veggietag nicht in die Mensa geht und auf der Treppe davor den mitgebrachten Döner ißt, dem passiert: Genau nichts. Und das ist genau der Unterschied zwischen der tatsächlich abzulehnenden Bevormundung durch den Staat (der man sich ohne das Risiko einer Strafe nicht entziehen kann) und der Ausübung der unternehmerischen Freiheit, einmal im Monat eben kein Schnitzel in die Pfanne zu schmeißen.

Es gibt keine Mensapolizei, die kontrolliert, das man keine mitgebrachte Leberwurstbemme im Hörsaal ist, keine Strafen, keine Sanktionen. Nichts. Nichts außer das man sich sein Fleisch halt mal von über die Straße holen muss, wenn einem "Falafel mit Joghurt-Limetten-Dip" nicht behagt. Und das soll jetzt Freiheiten einschränken? Das sollen Piraten (liberal, freiheitlich, ya know) nun schlecht finden? Ich glaube nicht, Tim.

So ein Veggietag ist ein harmloses, schlimmstenfalls wirkungsloses, Symbol dafür, das wir auch beim Essen mal dran denken sollten wo dieses Stück gebratene Kuh jetzt herkommt und ob es wirklich jeden Tag das Billigminutenschnitzel vom Discounter um die Ecke sein muss. Soviel Toleranz und Verständnis für eine freiwillige Lebensweise Anderer und das keinen schmerzende Symbol für eine nachhaltige Ernährung und Lebensmittelherstellung darf man ruhig, insbesondere von Piraten, erwarten.

Disclaimer: Ich bin Allesfresser, mag mein Steak blutig und hab grad zwei Tofu-Burger verdrückt. Nächstes mal doch wieder Steak.

Warum ich mich doch engagieren soll, es aber nicht tue

Klaus Peukert » 11 Mai 2011 » in Piraten » 5 Kommentare

Auf mein "Warum ich grad ein fauler Pirat bin" bekam ich folgenden Rat:

Wie wäre es damit, dass du dir 1-2 Themen suchst die dir wichtig sind und versuchst an diesen zu arbeiten (vielleicht auch in entsprechenden AGs). Die "emotionale Belohnung" kommt, dann wenn die nach zig-fachem vertagen und ablehnen in der hundersten Überarbeitung mal irgendwann zur Parteimeinung erklärt wird.
Ich antwortete:

Das zeigt (unbewußt) das ganze Problem der Piratenpartei (Sachsen) auf. Die eigene Vorstellung zur Parteimeinung durchboxen ist jedenfalls nichts, wofür ich meine Freizeit opfern will. Sogar nichts, wofür ich mich überhaupt politisch engagieren will. Das Problem, was man nicht erkennen wollen wird: Wen interessiert denn die Parteimeinung? Mein Ziel ist es nicht, für von mir geschriebene Texte irgendeinen orange glitzernden einen "Offiziell"-Stempel im Wiki zu bekommen. Das mag zwar bauchpinselnd sein, aber: ES ÄNDERT IN DIESEM LAND GENAU NICHTS.

Davon geht die VDS nicht weg, davon wird kein JMStV gekippt, davon gibt es keinen besseren, zeitgemäßen Datenschutz, davon verbessern wir nicht gesellschaftliche Teilhabe, machen unsere Demokratie nicht besser, erhöhen nicht die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger. Dir mag diese mentale "Parteimeinungs"-Masturbation reichen. Mir nicht. Das ist nämlich genau das Klein-Klein, an dem meine Motivation krankt. Warum sollte ich bei Piraten, die im Moment in einer Liga mit Tierschützern, ödp, Rechten, Kommunisten und Esoterikern spielen, die "Parteimeinung" erkämpfen?

Was dann? Hast Du denn einen Plan A, was passiert, wenn Du Deine Tierrechte, CCS-Ablehnung und den ganzen anderen Kram aus der AG Umwelt komplett zur Parteimeinung geboxt hast? Lehnt man sich dann zurück, wischt sich das politische Sperma von den Schenkeln, raucht eine, kuschelt kurz und rollt sich dann auf die Seite um einzuschlafen?

Was käme dann am Ende raus außer der persönlichen emotionalen Genugtuung, auf der Parteiwebseite mit kleiner Reichweite die eigenen Sätze nachlesen zu können? Das kann ich auch in meinem Blog (und erreich damit ggf. mehr als mit der Parteiwebseite).

Es hieß mal "Klarmachen zum Ändern". Und Du reduzierst das auf "Kämpfe dafür, das Deine Meinung zur Parteimeinung erklärt wird".

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