Google, Streetview und ein später Rant

Klaus Peukert » 22 November 2010 » in Piraten, Politisches, Rants » 0 Kommentare

Auf einer Piraten-Mailingliste wurde gefragt ob man denn nicht gezielt die Leute ansprechen sollte, die ihre Hochhausfassaden haben verpixeln lassen. Ich fragte mich dort, warum man so etwas will: Und mal deutlich zu machen, das verdammte Hausfassaden und geparkte Autos auf 2+ Jahre alten Bildern keine persönlichen Daten sind? Weil die Privatsphäre dadurch geschützt wird, wenn die Strassenfassade unkenntlich ist, während nebenan bei GoogleMaps der fette Pool in aller Pracht zu sehen ist. Um ihnen zu erklären, das dasselbe Haus bei telefonbuch.de, in Geoscoring-DBs, kommunal betriebenen virtuellen Stadtrundgängen und behördlichen Luftbild-Datenbanken bereits seit Jahren öffentlich ist?

Man möge mir meinen bitteren Sarkasmus ob dieses aktuellen "wrong on so many levels" bitte nachsehen. Aber Leute, die uns gerade erklären, das eine Bombenattrappe den Weltfrieden bedroht, so das der Münchner Hbf nicht mehr von den Seiteneingängen (aber über die U- und S-Bahntunnel) betreten werden darf, Leute, die ein halbes Jahr sämtliche Kommunikation auf Halde speichern wollen, die Biometriedaten in Ausweise pressen, damit der GPG-nutzende Araber ohne solche Ausweise dann doch bloß einreisen und Mist bauen kann.

Leute, die auf Bahnhöfen Polizisten mit MPis auffahren, als ob die bei nem Anschlag was nützen würden (wollen die einmal quer über die Bahnsteige "streichen"?) und somit mehr Verunsicherung (um nicht "Angst und Schrecken" zu schreiben) verbreiten als alles andere. Leute, die "Migrantenfamilien" dissen und sich dann wundern, das es ausgerechnet GEZ-zahlende Akademiker waren, die mal eben zwei Hochhäuser zerlegt haben.

Leute, die allen Ernstes dazu auffordern, den seltsam sprechenden Nachbarn zu denunzieren, als hätten wir nicht zwei Diktaturen hinter uns. Diese Leute wollen unsere "Privatsphäre" schützen in dem wir in einem von Hunderten Internetangeboten Bilder blurren, die jeder Hobbyforograf, ggf. sogar unabsichtlich, per geo-getaggten Urlaubsfoto wieder scharf macht? Ja, Aufklärung tut tatsächlich not. Aber nicht auf der Schiene "Privatsphäre/Datenschutz", zu erklären, das dies nur Nebelkerzen sind ist das kleinste Problem. Ich wette 2 von drei Verpixlern haben eine Payback- oder Deutschlandkarte im Portemonnaie. Und denen könnte man tatsächlich mal sagen, welchem Unsinn sie offenbar aufgesessen sind. Inwieweit das in einer Bevölkerung, die den Sonneborn mal das Schlafzimmer für "HomeView" ablichten läßt allerdings überhaupt sinvoll sein wird...

StreetView hat kein "Datenschutzproblem", weil es eben nicht das Bild der Lieschen-Müller-Allee 123 in Hintertupfingen mit der Adresse von tarzun verknüpft, sondern einfach die Fassade der Lieschen-Müller-Allee 123 zeigt, aber nicht dazuschreibt wer dort wohnt, wieviel er verdient und wann diese guttausehende Blonde von nebenan denn mal alleine zu Hause ist. Es zeigt einfach Hausfassaden mit dem Stand von vor 1,5-2 Jahren. Ja, wenn man weiß, das ich in der Lieschen-Müller-Allee wohne kann man da nachschauen. Und? Das kann man aber auch so und wenn die Strasse in einem "Problembezirk" liegt wird der Kredits- oder Personalsachbearbeiter nicht Streetview brauchen um einem "Assi" ob der Herkunft wie mir keinen Kredit/Job zu geben.

Streetview verletzt den Datenschutz.

Das ich nicht lache.

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