Das Internet lügt. Immer.

Klaus Peukert » 24 April 2013 » in Rants » 4 Kommentare

Nochmal. Telekom. Drossel. Ihr wißt Bescheid. Seit ner Weile geht folgendes rum


Telekom-Drossel mit 384 kbit/s from yetzt on Vimeo.

101 Sekunden. Reichliche anderthalb Minuten. Schaun wir mal. Laut derselben Quelle haben wir gedrosselt ne Bandbreite von 364 kBit/s. Wenn wir jetzt 101 Sekunden laden, dann sind das also insgesamt 36764 kBit sind 4596 kByte sind ~4,49 MB. Die Telekom-Startseite ist also laut diesem Beispiel knapp 4,5 MB groß. Gut da geht noch bisserl Latenz und lokale Renderingzeiut ab, aber das wird ja wohl keine ganze Minute dauern. Oder?

Yetzt gibts dasselbe Video nochmal auf Youtube:


Da dauert das plötzlich "nur" noch 51 Sekunden. Sind also 18564 kByte sind 2321 kByte sind ~2,27 MB. Hä? Ein und dieselbe Seite einmal 4,5MB und einmal 2,3 MB? Schauen wir nach: Opera, Chrome und Firefox sagen, dass man mit dem Aufruf der Telekomstartseite roundabout 1,5MB runtergeladen hat. Das wären rückwärts gerechnet runde 30 Sekunden, also ne lässige Minute schneller als das dramatische Beispiel von oben (die Aussage mit dem Meldegesetz stimmt aber trotzdem noch, wenn auch nur knapp).

Wir haben also ne realistische gedrosselte Downloadzeit von ner reichlichen halben Minute statt den rumgehenden 101 Sekunden. Das ist immer noch...lange. Aber wenn man ehrlich ist muss man nicht auf das letzte Werbebnner warten um auf "Handytarife" oder so zu klicken und in manchen Gegenden wären die Leute froh, wenn man wenigstens 384kBit (immerhin 6x ISDN) gelegt bekäme.

Und die Moral von der Geschicht? Das Internet lügt immer, also rechne nach bevor Du der durchs Dorf getriebenen Sau noch nen Tritt gibst.

Nachtrag: Die Überschrift bezieht sich auf den mir bekannten Spruch "Der Kunde lügt. Immer" aus Helpdesk-Kreisen bzw. ist eine Anspielung auf die Empörung der Heilkräuterpetition, wo man sich auf "Seiten im Internen, die die Wahrheit schreiben" verließ. Das Video selbst ist selbstverständlich keine Lüge und auch der Ersteller lügt nicht. Sorry, wenn das so rüberkommt. Ich möchte die "Aufregung" nur ein wenig...einordnen.

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4 Kommentare zu "Das Internet lügt. Immer."

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  1. Sebastian
    24/04/2013 um 21:19 Permalink
    Datenmenge / Bandbreite = Ladezeit

    So einfach ist's aber leider nicht. Wie schnell eine Website geladen wird hängt von vielen Faktoren ab. Neben der von dir angesprochenen Latenz ist z.B. entscheidend wie viele Dateien der Browser gleichzeitig herunterladen kann oder wie viele Hostnamen er auflösen muss. Manche abhängigen Dateien können erst heruntergeladen wenn bestimmte Javascripts oder CSS-Dateien heruntergeladen und geparst sind - insgesamt ein komplexes Thema. Deine Rechnung geht so nicht.

    Antwort

  2. Robert
    24/04/2013 um 21:35 Permalink
    Naja, wenn man nur EINE Datei mit 1,5 MB runter lädt, dann kann man sicher einfach nachrechnen und dann stimmen die 30 Sekunden auch.

    Da die 1,5 MB bei der Telekom-Webseite aber auf 150 Request aufgeteilt sind, kommt man mir Deiner einfachen Rechnung nicht weit.

    Antwort

  3. stk
    24/04/2013 um 22:25 Permalink
    Ehm, ausserdem die HTTP- und browserspezifischen Besonderheiten – TCP-Three-Way-Handshake, dann kommt das HTTP-Dokument, dann werden jeweils wieder nach TCP-Handshake CSS, Bilder, irgendwelche Scriptbibliotheken nachgeladen… immer mit dem Risiko, dass mal eine Lib nicht oder nur langsam laedt und dadurch womoeglich das Laden des Rests blockiert.

    Naja.

    Einigen wir uns darauf, dass 1) die meisten „grossen“ Seiten vollkommen ohne Not jede Menge voluminoesen Scheiss laden und 2) 384 kbit/s _wirklich_ nicht erstrebenswert sind.

    Antwort

  4. Lars
    25/04/2013 um 10:44 Permalink
    Gestern schon per Twitter, hier dann auch noch mal:

    Klaus hat Recht.

    Ich habe gestern Abend mit NetLimiter den Firefox auf 384kbps gedrosselt, den Cache geleert und die Telekomstartseite aufgerufen.

    Sie war nach 30 Sekunden vollständig geladen.

    Dass das immer noch Kacke ist, bestreitet niemand. Aber wir sollten uns zumindest Mühe geben, weiterhin zu den Guten zu gehören und nicht mit denselben Falschinformationen arbeiten wie "die" [tm].

    Antwort

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