Datenschutztheater, neue Runde.

Klaus Peukert » 31 Oktober 2012 » in Politisches »

Die Tagesschau berichtet über den "Verkauf von Kundendaten", die Datenschutzwelt ist wieder in heller Aufregung und die "Datenschutz-Experten" der Piratenpartei stehen Kopf. Dass der Kram komplett anonymisiert werden soll (vergleiche die angenehm unaufgeregte Stellungnahme von Marit Hansen, stellvertretender DSB in Schleswig-Holstein, hier) wird ignoriert, dafür aber steil behauptet, dass solche Daten gar nicht erst erhoben werden dürften.

Ich bin ja mal gespannt wie ein Mobilfunktprovider die Rechnung zu einem "Homezone"-Tarif schreiben oder überhaupt den Dienst betreiben will, wenn "In welcher Zelle stecktz das Telefonino?" nicht beantwortet werden darf. Oh, und dass bspw. Vodafone sowas schon lange (für Verkehrsvorhersagen) macht, war komischerweise bisher auch uninteressant.

Dass in Deutschland mit dem unsäglichen Listenprivileg eine vom Gesetzgeber für Marketingzwecke explizite Ausnahme vom Datenschutz gemacht wird, Geoscoring seit Jahrzehnten Menschen anhand der Adresse diskriminiert, staatliche Behörden hochauflösende Satellitenbilder verkaufen, während StreetView verteufelt wird, alles vergessen, übersehen, ignoriert.

Hauptsache mal wieder über eine "Datenkrake" aufgeregt und einen Prototypen eines Dienstes in einem andern Land "aufs Schärfste" kritisiert, lieber einer tagespolitisch Meldungen hinterher gehechelt statt nachhaltig daran zu arbeiten, erlobbyierte Ausnahmeregelungen zu kippen. Das ist nicht die andere, neue Art von Politik, die ich machen möchte (es gibt positive Ausnahmen).

Seit Jahren weiß man, dass die aktuellen Regelungen zum Datenschutz an den Realitäten des 21. Jahrhunderts scheitern, aber es passiert: Nichts außer Hysterie, Bigotterie und technisch unsinnigen, den Nutzer bevormundenen Ideen ("Cookie-Richtline"). Oh, schrieb ich ja sogar hier schonmal. Naja, irgendwann wird das schon.

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