Ein neues Notebook, Linux und ich

Klaus Peukert » 06 Dezember 2011 » in Privates » 10 Kommentare

Ich kaufe mir einen Laptop. Weil ich einen brauche. Mein Desktop stirbt mittelfristig und ich brauch was für unterwegs und was ich in München und Leipzig nutzen kann. Für Mail, News, Browser, Twitter, VPN (in die Firma und zu den Piraten). Ein bißchen Office und privater Zuckerguss (Skype, wasweissich) und das wars eigentlich schon. Angesichts unschlagbarer Angebote von Rechnern "ohne Betriebssystem" und der Verfügbarkeit von Linux liegt nahe, das man sich die/eine Windowslizenz wohl echt sparen kann. Das, was ich brauche dürfte unter Linux ja locker gehen, da ich Thunderbird, Firefox, OpenVPN und LibreOffice nutze erst kein Ding. Und den goldenen Käfig MacBook, der dreimal so teuer ist, das kommt ja mal wohl gar nicht in die Tüte.

Jetzt kenne ich Linux schon was länger. Ich habe angefangen mit einem SuSE 4.3, habe verschiedene Debians wegen dem EDV-Äquivalent zu Marmite, diesem unsäglichen dselect, fluchend von der Platte geschmissen, hab RedHat (und Derivate) gehabt, mit fvwm2/95, windowmaker, KDE und GNOME rumgefummelt. "Irgendwas war immer". Mal hat in der Firma die Firewalldistribution bei der Installation ob dreier gleicher NICs das Handtuch geworfen, mal störte der riesige Salat an automagisch installierter Software und die Alternative dazu war stundenlang Pakete abzuwählen (oder mit der Minimalinstallation an irgendwas essentiell fehlendem zu scheitern), mal musste man den positix für sasl manuell patchen und neu kompilieren.

Ich habe mit Ubuntu rumgefummelt und war begeistert, wie easy da alles geht, Grafik, Sound, ja sogar Netzwerkdrucker und bin dann verzweifelt weil das UMTS-Modul nachm ersten Funkloch die Grätsche machte und für VPN erstwas nachinstalliert werden musste, habe mit FreeBSD gespielt (und würde eigentlich gern damit fahren, da es das coolere Maskottchen hat), ich habe Slackware und ArchLinux installiert, Mandrake und Mandriva gesehen, Gentoo gebootstrapped und einmal ein LFS-manual durchgespielt. Sogar ein TripleBoot mit Win95 und zwei verschiedenen Linuxen gab es (und das war echt knfflig damals :) ). Seit Jahren also gibt es (meinerseits) an jedem Linux etwas auszusetzen und etwas zu fummeln.

Dazu kommt noch, das ich nach der (zugegeben etwas provokanten) Frage "Was für ein Linux nimmt man denn so" alle möglichen Antworten bekomme. "Fedora", sagt der eine. "Debian (aber nicht stable)" der andere. Ubuntu sei inzwischen Müll wegen Unity, dafür gibts jetzt Linux Mint. In ner "normalen" und ner "Debian"-Installation, das irgendwas backported, die andere Hälfte aber nicht. Kubuntu gibts noch, irgendwas mit XFCE aufm Deskop soll auch cool sein und wenn man ganz hart ist, dann nimmt man Gentoo oder ist der Uberhacker, weil man alles selber backt. FreeBSD sei zwar nice, aber nix fürn Desktop. Das ist, um es diplomatisch zu sagen, erstaunlich unhilfreich.

Mir ist klar, das das Teil des Konzepts ist, das man sich alles so hinkonfigurieren kann wie man will und noch an der abstrusesten Ecke ne Einstellung findet. Ich muss mich trotzdem zw. KDE, GNOME, Unity oder was anderem für eine "Grundplattform" entscheiden, alles andere (KDE mit Evolution oder wasweissich) braucht wieder Bastelarbeit und verursacht Schmerzen. Ich will aber, zumindest für den Anfang weder basteln noch Schmerzen erleiden, noch mit irgendwelchen nervigen Kleinigkeiten leben müssen. Auf Arbeit hab ich ein CentOS mit Gnome und komm klar, aber da brauch ich eh nicht mehr als nen Browser und nen screen.

Zu Hause will ich aber auch mal skypen (ohne mir erst für das webcamodul nen neuen kernel backen zu müssen), dieses Mumble für Piratenkram über nen Bluetooth-Headset wäre ganz nett, im Zug sollte der UMTS-Stick funktionieren, ohne das ich erst auf der bash nen init-script manuell starten muss, die Handvoll Podcasts sollte ab und zu aufs iPhone, den TC-Container aufm USB-Stick will ich möglichst einfach einbinden,ich möchte ohne vorher wissen zu müssen ob das WLAN nun WPA, WPA2-PSK oder sonstwas hat über Funk ins Netz und ab und zu ne DVD oder einen (*hust*) geliehenen Film solls auch ab und zu sehen geben.

Und ich hab keinen Bock, mich erstmal durch ein halbes Dutzend virtualbox-Images zu wühlen bis ich was finde, was halbwegs passt. Da war bei meinen bisherigen Erfahrungen immer irgendwo nen Haken, und wenn man sich wie Bolle freut, weil die Webcam vn Skype automagisch erkannt wird oder die Kiste beim ersten Booten nach der Installation tatsächlich Sound hat und das einem besonders toll vorkommt, dann is doch irgendwas faul. Man kann sicher über vieles an Windows schimpfen, aber mit nem per ninite.com initial anwendungsbefülllten Win7 kommt man irgendwie erstaunlich schmerzfrei erstaunlich weit (mit dem Bonus, das ich nicht per globaler Paketauswahl 80% nie benutzte Software aufm Rechner hab).

Garniert ist diese schlechte Linuxerfahrung (allerdings OS-unabhängig) mit einer unglaublichen Schwarmdummheit im Netz. Googlet man nach einer Fehlermeldung oder einem Problem findet man auf Seite eins einen Link zum kostenpflichtigen expertsexchange, in drei verschiedenen Foren dieselbe Anfrage, die entweder gar nicht, mit "A geht nicht? Also bei mir geht das mit B hervorragend" beantwortet wird, was nahtlos in irgendeine Advocacy-Diskussion übergeht oder wo nach drei Wochen der Frager "Hat sich erledigt, habs hinbekommen" ergänzt, OHNE DIE VERFICKTE SCHEIßLÖSUNG EINFACH MAL KURZ HINZUSCHREIBEN.

Das ist doch alles Mist. Ja, es ist vielleicht arrogant gegenüber den Unmengen an Freiwilligen, Enthusiasten und Nerds, die Linux (weiter)entwickeln und Distributionen pflegen. Aber Leute, tut mir leid. Ich möchte ein Werk- und kein Spielzeug. Ich habe im Gegensatz zu früher weder Zeit noch Lust noch Spieltrieb Ewigkeiten damit zu verbringen alle Hebelchen in die richtige Stellung zu bringen und auf dem Weg dahin o.g. Schmerzen zu erleiden.

Erklärt mir doch mal, warum ich mir nicht doch einfach ein MacBook holen soll.

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10 Kommentare zu "Ein neues Notebook, Linux und ich"

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  1. Bunto
    06/12/2011 um 21:14 Permalink
    Hallo!
    Ja, warum kein Macbook? Genau diese Frage habe ich mir 2007 auch gestellt, nach dem ich ziemlich genau deinen Weg gegangen bin. Windows nervte mich, Linux fand ich zwar toll (besonders das einfach Installieren von Paketen unter Ubuntu) aber ich wollte nicht am System fummeln sondern musste für mein Studium arbeiten. Nachdem eine komplette Semesterarbeit verschwand (Word Dokument war leer !) habe ich mir einen iMac gekauft. Damals noch das weiße Modell in 17 Zoll und war sofort total begeistert. Es war genau die Mischung zwischen Windows und Linux, die ich gesucht hatte. Heute arbeite ich an einem Macbook Air und kann sagen, ich arbeite an meinen Projekten und nicht mehr am System. Für mich war die Entscheidung richtig. Jeder muss natürlich selbst entscheiden. Empfehlen würde ich vor dem Kauf das Arbeiten an einem Mac. Ich glaube, dann merkst du schnell, obs passt oder du weitersuchen musst.

    Viele Grüße

    B. Mat
    @buntomat

    Antwort

  2. benni
    06/12/2011 um 21:16 Permalink
    Für das Geld, dass der goldene Käfig mehr kostet, findest Du sicher einen Dienstleister, der Dir dein Wunschlinux hinfrickelt.

    Antwort

  3. Aleks
    06/12/2011 um 21:33 Permalink
    Hmm. Genau das ist eben nicht der Fall.

    Das liegt nicht mal an dem direkten Preisunterschied der Hardware.
    Nen vernünftiges Macbookpro bekommst Du für 1300 Euro.

    Das Problem liegt eher an einem hoch volatilen Markt, was eben Nicht-Applehardware (und Zubehör wie z.B. UMTS-Stick) und die Entwicklung von GUIs angeht.

    Man kann sich einen mit allen gewünschten Features (ich sag mal: Webcam, UMTS-Stick, BT) Linux-Laptop einigermaßen günstig zusammenstellen lassen, aber der ist dann einfach mal nicht aktuell, weder auf Hardware, noch auf Softwareseite. Und keiner will ein flammenneues Laptop unter X im FBmode laufen lassen, nur weil Nvidia mal wieder etwas mehr gefummelt hat - man will dann auch die vorhandene Leistung komplett nutzen.

    Selbst die großen (Marken-)Hersteller verbauen ohne Ankündigung in den gleichen Baureihen unterschiedliche Hardware, und schon geht der per lspci/lsusb beim Höker probierte und ausgesuchte Treiber für die eingebaute Kamera im eigenen Exemplar mal eben nicht mehr.
    Extrem problematisch in dieser Kathegorie scheinen derzeit eingebaute UMTS-Modems zu sein.

    Für einen Preisunterschied von maximal 800 Euro (keine Ahnung, was vernünftige intel-Laptops aktuell kosten) macht Dir das keine einigemaßen ernstzunehmende Firma auf aktuellem Stand.

    Ich weiß das auch, weil ich mal für so eine Butze gearbeitet habe :-)

    Antwort

  4. Aleks
    06/12/2011 um 21:17 Permalink
    Also mal im Ernst, nimm nen Macbook.

    Das kneift etwas anders, aber insgesamt deutlich weniger, was den Desktop, UI, Netzwerke, buntiges usw. angeht.

    Und für alles, wo es drauf ankommt, nimmt man eh ne Shell, und dann je nach Geschmack debian, centos oder gentoo - äh ich meine macports, fink oder homebrew.
    Nimm homebrew. :-)

    Es ist egal, welche Tod Du stirbst. Das mit den Foren wird nicht besser, naja - vielleicht ein bißchen.

    Aber mit einem Mac funktioniert wenigstens der eigene Arbeitsplatz einfach so, ohne Gefummel. Das GUI ist beständiger, man muß nicht ständig neue Scheisse ausprobieren.
    Fummeln kann ich dann in Ruhe an den Kisten, die ernsthafte Jobs machen müssen, noch genug, ohne ständig meine Arbeitsumgebung nachführen zu müssen.

    Aleks (Linux seit 2.0.x (oder so, jedenfalls kann ich noch isapnpwoodoo); persönlicher Arbeitsplatz auf Mac seit 2005/Panther)

    Antwort

  5. Michael
    06/12/2011 um 23:18 Permalink
    Ich kenne Deinen Schmerz. Ich habe auch mit SuSE angefangen, fand die YaST scheiße, habe jahrelang auf Slackware eigene Kernel gebaut (und habe immer noch einen Server mit einer so alten Installation laufen, dass ich es besser nicht laut sage) und bin heute mit Kubuntu ziemlich glücklich.

    Der entscheidende Vorteil eines Linux-Systems ist in meinen Augen, dass alles ewig läuft, wenn man es einmal eingerichtet hat. Die Installation meines Servers ist seit gut drei Jahren, die meines Laptops seit über zwei Jahren im Wesentlichen unverändert. Klar hat es teilweise geschmerzt, das alles einzurichten – http://xkcd.com/963/ gibt auch mein Leben gut wieder – aber man tweakt im Laufe der so langen Benutzungszeit so viele Kniffe in das System, dass es quasi mit einem verwächst. So bin ich auf meinem Laptop seit Jahren unverändert produktiv.

    Von Apple-Usern habe ich den Eindruck – ohne eigene Erfahrungen zu haben, aber die eines meiner besten Freunde – dass man ohne die häufigen (und teuren) Updates schnell abgehängt wird, im Rahmen der Updates aber gern mal Hardware-Support (sofern man mit einem etwas heterogeneren Gerätezoo arbeitet) oder gewohnte Funktionalität im Eimer sind. Natürlich passiert einem das auch mit (K)Ubuntu, aber dann macht man eben keine Upgrades des kompletten Systems. Sicherheitspatches werden 18 Monate lang, bei LTS-Versionen 5 Jahre lang nachgeliefert.

    Dazu kommt noch die Tatsache, dass der Support bei Apple auf allen Eskalationsstufen unter „Wir tauschen das Gerät“ unterirdisch ist. Klar gibt es diese ätzenden Foren-Posts, aber man findet auch die Lösungen mit etwas Erfahrung und Geduld. Bei neuer Hardware stößt man zugegebenermaßen auch mal an absolute Grenzen – fehlende Kerneltreiber o.Ä.. Dazu kann ich wenig sagen, da ich noch nie Linux auf einem wirklich neuen Laptop (meine sind alle gebraucht gekauft) aufgesetzt habe.

    Mein Fazit/Tipp ist dennoch: Mut zum Einarbeitungs- und Einrichtungsschmerz, denn es wird einem mit Langlebigkeit und nachhaltiger Produktivität gedankt.

    Antwort

  6. pan
    07/12/2011 um 19:51 Permalink
    was Michael sagt.

    Antwort

  7. Jochen
    07/12/2011 um 11:20 Permalink
    Ich hatte es auch einige Jahre mit Linux probiert, aber wenn man irgendwann arbeitet und nur noch wenig Freizeit hat, dann muss etwas her, mit dem man arbeiten kann.
    Ich habe dann vor ca. 3 Jahren ein 13"-Macbook gekauft, und bin immer noch hochzufrieden. Dieses Jahr habe ich sogar meinen Windows-Desktop durch einen Mac Mini ersetzt.

    Antwort

  8. ZweiPi
    07/12/2011 um 12:33 Permalink
    Ja, die Frickelei und Einarbeitung ist mir auch zu hoch, Mac zu teuer und dann kommt Windows. #mehrZeitfürandereSachenhabenwill

    Antwort

  9. Chris
    07/12/2011 um 12:53 Permalink
    Linuxmint = Ubuntu mit schickem Gnome3, der sich ähnlich wie Gnome2 bedienen lässt. Außerdem alle Codecs etc. dabei.

    linuxmint.com

    Antwort

  10. Maltris
    08/12/2011 um 10:50 Permalink
    Das Problem mit den Foren kennt man. Könnte ich auch immer wieder an die Decke gehen.

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