Facebook - So gibst Du ihnen Deine Daten

Klaus Peukert » 26 September 2011 » in Politisches » 4 Kommentare

Das "neue Facebook" ist mal wieder Anlaß für eine netzpolitische Nebelgranate die grade durch die Blogosphäre wabert. Ein engagierter Wiener Datenschützer hat a) Facebook verklagt und b) unter dem charmanten Namen "Europa vs. Facebook" eine Anleitung erstellt, wie man sich "seine" Daten von Facebook (wieder)holt. Der Ägypten-Blogger und iPad-Käufer Richard Gutjahr griff das heute auf und titelt ebenfalls "Facebook: So holst Du Dir Deine Daten". 

Das Ganze funktioniert etwa wie folgt: Man ruft ein gut verstecktes Formular auf, gibt seine Daten ein, verweist auf irgendeine EU-Direktive, lädt eine Ausweiskopie(!) hoch, korrigiert(!) vorher noch ggf. falsche Daten (Geburtsdatum) und bekommt irgendwann eine CD mit einem PDF in dem alle Daten drin stehen. Das kreist nun gerade durch Twitter/Blogs und ich versteh es nicht.

Das ein PDF jetzt nicht die Form von "Daten" ist, mit der man irgendwie was "anfangen" könnte, etwa auf die eigene Webseite (eigene Kontrolle) stellen, in ein anderes Netzwerk importieren (Diaspora?) oder einfach nur für sich auswerten/weiterverarbeiten, geschenkt. Das es auf ner CD kommt, geschenkt (auch wenn Wutblogger Fefe darauf rumritt).

Man will sich seine Daten "holen". Und um das zu können, muss man Facebook erstmal ne Handvoll Daten geben und obendrein sich noch per Ausweiskopie verifizieren. Bin ich der einzige, dem das irgendwie komisch vorkommt? Und wenn ich das gemacht habe, dann habe ich ein PDF, mit dem ich nichts anfangen kann. Achja, und die Daten selbst bleiben natürlich trotzdem bei Facebook, ich bekomm ja nur ne Kopie. Das ist doch auf mehreren Ebenen kaputt.

Am Ende dieser unheimlich lehrreichen Aktion ist also Folgendes passiert: Facebook kennt jetzt (mehr) meine(r) richtigen Daten (Geburtsdatum hab ich ja korrigiert), ich habe meinen Account per Ausweiskopie ohne Zwang verifiziert und als Belohnung dafür bekomme ich eine Handvoll in PDF gegossene Glasperlen. 

Datenschutztheater.

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4 Kommentare zu "Facebook - So gibst Du ihnen Deine Daten"

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Manfred
    28/09/2011 um 17:46 Permalink
    Rein technisch gesehen, ja. Facebook lernt so noch mehr über dich aber auf der anderen Seite bräuchte nur ein winziger Prozentanteil der User ihre Daten zu fordern und FB wäre lahmgelegt, weil die Belegschaft nur noch am CDs brennen wäre. Das ist doch eine schöne Vision oder? ;)

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  2. Sleeksorrow
    01/10/2011 um 11:10 Permalink
    Die Vision scheitert daran, daß Facebook einfach sagt "Sorry, wir kommen nicht mehr hinterher, deswegen brauchen wir die 40 Tage Frist nicht mehr beachten".

    Das sagten sie dem Schrems sogar schon so: http://gutjahr.biz/blog/2011/09/face-off/

    Antwort

  3. Anthem
    01/10/2011 um 13:18 Permalink
    Du kannst auf die Einsendung deines Ausweis sicher auch verzichten, indem du deine Identität notariell bestätigen lässt. Ich sehe hier das Problem nicht.

    -Markus

    Antwort

  4. tarzun
    01/10/2011 um 13:22 Permalink
    Das Problem ist, das man den Account verifiziert und nachweislich mit einer physischen Entität verbindet. Etwas, was aus Datenschutz(er)sicht ganz grauslich ist, wertet das doch den Account zum "Datenverkauf" um Größenordnungen auf.

    Ebenso heißt es immer "Geburtsdatum falsch angeben",Pseudonyme verwenden usw. Und jetzt soll man "wegen Datenschutz" eine Echtheitsbestätigung des Accounts vornehmen? Also das genaue Gegenteil, was sonst immer gepredigt wird?

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