Pseudonympflicht für Webseiten dank deutscher Gesetzeslage?

Klaus Peukert » 08 September 2011 » in Politisches » 8 Kommentare

Es ist auch mehrere Wochen nach Start der öffentlichen Betaphase von Google+ noch immer ein großer Katzenjammer ob der Policy, von Teilnehmern die Angabe des Klar- bzw. Realnamens zu verlangen. Das gipfelte kürzlich in einem eher katzbuckelnden offenen Brief der digitalen Boheme sowie einiger Politiker (und dem XING-Gründer Lars Hinrichs, dazu weiter unten noch), in dem Google untertänigst gebeten wurde, doch gnädigerweise Pseudonyme zuzulassen. Auch unter bubble-streetview.de wird eine solche Forderung aufgestellt.

Regelmäßig wird diese Forderung (neben anderen Argumenten) damit begründet, das die Gesetzeslage in Deutschland, namentlich der §13 des TeleMedienGesetzes (TMG), den Betreiber verpflichte seine Dienstbarkeiten auch pseudonym zur Verfügung zu stellen. Nun mag eine Auslegung dieses § das hergeben (eine andere wäre, das man um die Seite aufzurufen und zu lesen sich nicht gegenüber dem Betreiber nackt machen muss). Diese Argumentation, die sich auch im erwähnten offenen Brief wiederfindet übersieht eines: Alle größeren sozialen Netzwerke in .de haben eine Klarnamenpflicht.

XING: "4.1 Der Nutzer ist verpflichtet, 4.1.1 ausschließlich wahre und nicht irreführende Angaben in seinem Profil und seiner Kommunikation mit anderen Nutzern zu machen und keine Pseudonyme oder Künstlernamen zu verwenden, 4.1.2 nur solche Fotos seiner Person an die XING-Websites zu übermitteln, die den Nutzer klar und deutlich erkennen lassen."

XING will also nicht nur den Klarnamen, sondern in Profilbildern gleich noch das wahre Gesicht. Funfact: Gründer des XING-Netzwerkes (früher openBC) ist Lars Hinrichs, einer der Unterzeichner des Pseudonyme fordernden offenen Briefes... 

studiVZ: "2.3 [...] Der Nutzer hat die dort abgefragten Daten vollständig und korrekt anzugeben, wenn und soweit diese nicht als freiwillige Angaben gekennzeichnet sind. Die Angabe von Künstlernamen, Pseudonymen oder sonstigen Phantasiebezeichnungen ist nicht gestattet."

Gleichlautend sind die Regeln für meinVZ, bei schuelerVZ steht das Verbot von Pseudonymen/Künstlernamen nicht explizit bei, aber auch da werden "falsche oder fremde" Angaben untersagt. Von den studiVZ-AGB aus findet man noch eine spezielle Seite die für die Klarnamenpolicy wirbt und sie mit dem zauberhaften (und von G+ bekannten...) Satz "studiVZ ist das Netzwerk für das echte Leben. Echte Menschen haben echte Namen." begründet. Was hat G+ für eine solche Einstellung einstecken müssen und bei VZ steht das da einfach mal so da. Und keinen störts.

Facebook:  "4. Facebook-Nutzer geben ihre tatsächlichen Namen und Daten an".

Naja, Facebook ist ja eh evil.

wer-kennt-wen: "3.2 [...] Unter dem Begriff "realer Name" ist dabei ausschließlich der im Melderegister des zuständigen Einwohnermeldeamtes verzeichnete Familienname sowie nach Wahl des Nutzers ein oder mehrere seiner Vornamen zu verstehen."

Wohoo, bei WKW wird der Realname sogar als die Ausweiszeichenkette direkt definiert. Wo ist die TMG-Polizei, wenn man sie braucht?

lokalisten.de: "im rahmen der registrierung sind die abgefragten pflichtdaten (insbesondere email-adresse, nachname, vorname und geburtsdatum) wahrheitsgemäß anzugeben"

Auch hier: Klarnamenpflicht.

Nun mag man einwenden (und mancher tut das tatsächlich), das das da ja was "gaaaaanz anderes" sei, XING sei ja für Geschäftskontakte und da "machen Pseudonyme ja keinen Sinn", bei den VZ-Netzwerken ist "ja eh keiner mehr" und die anderen kennt niemand. Das greift nur zu kurz. Entweder das TMG gilt für alle und insbesondere Netzwerke mit einer deutschen Postleitzahl im Impressum oder das TMG erlaubt (ich greif mal vor: tut es) Dienste, die von ihren Nutzern den Klarnamen einfordern (und dann darf G+ auch, so prinzipiell).

So erklärte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar dem Blogger Sickendieck vom Blog FixMBR! eben das: "Aus dem Sinn und Zweck eines Angebots (z.B. Datingportal) kann sich ergeben, dass ein Klarnamenzwang gerechtfertigt ist." (Achtung: der zweite kursiv eingerückte Text ist nicht vom DSB!). D.h. letztlich muss der Anbieter nur sagen "Ich brauch das für mein Geschäftsmodell" und schon ist der TMG-Gott zufrieden. Das ist ja auch durchaus sinnvoll, denn niemand ist oder wird gezwungen sich bei o.g. Netzen anzumelden. Auch hat Diaspora, der dezentrale "Facebook-Killer" noch Kapazitäten frei. 

Es gibt viele gute Gründe sich dafür einzusetzen, das man sich unbeobachtet, ungestalkt und "frei" im Netz bewegen darf. Auch ich bin der Meinung, das inbesondere ein staatlicher Klarnamenzwang gar nicht geht. Allerdings sollen meiner Meinung nach Unternehmen, auch große, ihre Dienstleistungen anbieten können wie sie wollen, solange kein Google-/Facebook-/*VZ-Mitarbeiter mich bei Androhung standrechtlicher Entleibung zur Teilnahme und Angabe meines Klarnamens zwingt: Sollen sie machen und ggf. den Weg von Buzz und Wave gehen, weils keiner nutzen will.

Gegenüber Google+ und seiner Klarnamenpolicy aber mit dem TMG und der Gesetzeslage in Deutschland zu argumentieren ist mehr als scheinheilig, wenn die "großen deutschen" Netzwerke wie XING, die VZ-Netze und die kleineren, wie etwa lokalisten.de und WKW alle ausnahmslos den echten, realen, im Ausweis verewigten Namen verlangen (dürfen).

P.S. Mit jappy.de gibt es ein mindestens ein (deutsches) Netzwerk, das sagt "Niemand muss einen echten Namen angeben". Immerhin. Allerdings auch dort: "wenn du einen solchen angibst, muss dieser auch dein echter Name sein".

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8 Kommentare zu "Pseudonympflicht für Webseiten dank deutscher Gesetzeslage?"

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
  1. Sleeksorrow
    08/09/2011 um 21:34 Permalink
    Du bloggst immer wieder das selbe, mit den selben offensichtlichen Fehlern, also werde ich auch immer das selbe kommentieren. Lösch einfach, wenns Dich langweilt, immerhin hör ich auch auf, Dich zu lesen, wenns mich langweilt, fair enough.

    Bis es aber soweit ist:

    > niemand ist oder wird gezwungen sich bei o.g. Netzen anzumelden.

    Wie üblich blendest Du den sozialen Zwang völlig aus. Ich habe Neuigkeiten für Dich: Menschen sind keine Maschinen. (Nein! - Doch! - Oooohhhhhhhh!)

    Leute können sich nur auf wenige soziale Netzwerke konzentrieren. Auch die, die auf G+ und Twitter posten, bevorzugen eins von beiden. Wenn G+ erfolgreich wird 8was ich hoffe), dann sind alle, die ich lesen möchte dort. Daher die unglaubliche Erkenntnis für Dich: Es gibt Zwang, auch wenn keiner Dir Vorschriften macht. Will ich diese Leute dann lesen, MUSS ich dort sein. Die Alternative ist sozialer Ausschluß.

    > Sollen sie machen und ggf. den Weg von Buzz und Wave gehen, weils keiner nutzen will.

    Aha. Das heißt also: Wenn die Mehrheit damit Probleme hat, und das Konzept untergeht, dann gibts kein Problem mehr. Okay. Wenn die Mehrheit damit aber klar kommt, und das Konzept daher von den meisten angenommen wird, dann hat ja nur eine Minderheit ein Problem. Auf die kann man ja nen großen Haufen machen. Und da Du nicht müde wirst, nach uns Pseudonymikern zu treten, scheint das System an sich ja sehr vielversprechend zu sein, sonst würd Dich das Ganze gar nicht erst interessieren.

    Ist das also Deine Auffassung von liberal? Für mich klingt das nach FDP-Wirtschaftsliberalismus. Wer schwach ist, soll gefälligst strategisch drauf gehen. "Wie, die röcheln noch? Tritt nochmal nach. Diese Armut kotzt mich an."

    Und ja: Ich finde, all diese Dienste müssen Pseudonyme erlauben. Ich kämpfe aber nur, wenn ich auf ein Problem aufmerksam werde, und da ich in keinen der anderen o.g. Communities vertreten bin, bin ich erst bei G+ auf das Problem aufmerksam geworden. Was sollte das Argument eigentlich? Google soll also legitim sagen dürfen: "Die anderen machen auch ungestraft voll die Scheiße, daher darf ich auch Scheiße machen"? Erklär das mal so Deinem Chef, wenn Du was in den Sand gesetzt hast, und schreibe, wie er reagiert hat. Gibt ne Menge fun.

    Antwort

  2. Björn 'foxbow' Weber
    09/09/2011 um 09:24 Permalink
    >> niemand ist oder wird gezwungen sich bei o.g. Netzen anzumelden.

    > Wie üblich blendest Du den sozialen Zwang völlig aus. Ich habe Neuigkeiten für Dich: Menschen sind keine Maschinen. (Nein! - Doch! - Oooohhhhhhhh!)

    Das Argument jetzt beim Thema Pseudonyme kontra Echtnamen anzubringen ist ein wenig seltsam. Denn wenn ich dem sozialen Druck von aussen nachgebe, dann drängen mich doch Leute, die mich unter meinem Echtnamen und nicht unter meinem IRC-Nick kennen, oder? Ich nehme nicht an, dass Sie von Kollegen und Verwandten mit "Hallo Sliek-sorroh" angesprochen werden. Dementsprechend ist es doch kontraproduktiv dann dort ein Pseudonym anzugeben. Nicht zuletzt weil die Verbindungen zu den anderen Mitgliedern eh eine genaue Bestimmung der Person zulassen.

    Antwort

  3. Sleeksorrow
    09/09/2011 um 15:12 Permalink
    Hi Björn,

    > Denn wenn ich dem sozialen Druck von aussen nachgebe, dann drängen mich doch Leute, die mich unter meinem Echtnamen und nicht unter meinem IRC-Nick kennen, oder?

    Nein. Zu 99,8% sind das alles Leute, die mich nur und ausschließlich unter "Sleeksorrow" kennen.

    > Ich nehme nicht an, dass Sie von Kollegen und Verwandten mit "Hallo Sliek-sorroh" angesprochen werden.

    Nein. Aber in G+ habe ich weder Kontakte zu Kollegen, noch zu Verwandten. Absichtlich. Ist so gewollt. Und soll nicht geändert werden. Von denen, die mich dort kennen, sagen alle "Hallo Sliek-sorroh".

    > Nicht zuletzt weil die Verbindungen zu den anderen Mitgliedern eh eine genaue Bestimmung der Person zulassen.

    Eben nicht. Die 0.2%, die meinen Echtnamen kennen, sind absolut verschwiegen und vertrauenswürdig sind.

    Ja, es mag Dich überraschen, aber es gibt Menschen, die ein Medium und ihr Leben anders leben, als Du.

    Antwort

  4. Sleeksorrow
    09/09/2011 um 15:19 Permalink
    @Björn: Vielleicht noch ein Nachtrag (Sorry, Klaus)

    Es scheint mir nach 2-3x durchlesen Deines Kommentars auch so, als ob Du G+ nicht kennst. Vielleicht kennst Du Facebook, wo man sich synchron befreunden muß. Bei G+ muß man das nicht. Ich kann Leute wie auf Twitter folgen, wenn sie Dinge sagen, die ich lesen möchte. Die müssen dabei nicht mal wissen, daß ich existiere, von kennen ganz zu schweigen.

    Wenn ich also jemand bekannten oder jemand völlig unbekannten dort lesen möchte, und dann irgendwann von Zeit zu Zeit auf seine Beiträge antworten möchte, und mit ihm diskutieren möchte, muß ich mich anmelden. Das ist ein sozialer Zwang, den der andere gar nicht steuert und nicht steuern kann. Mich "zwingt" also niemand bewußt, weder ein Bekannter, noch ein Unbekannter, sondern es ist ein Zwang, der nur mich betrifft, wenn ich bestimmte Informationen von bestimmten Menschen haben möchte, die sie dort publizieren, wenn sie diese Dinge nur dort publizieren.

    Antwort

  5. tarzun
    10/09/2011 um 12:20 Permalink
    Nur zur Sicherheit und da Du auf einem Punkt rumreitest, der nicht Fokus meines Beitrages ist: Ich *verstehe* vollkommen den Wunsch nach "Pseudonymen überall". Ich teile ihn in mancher Absolutheit nicht, aber das muss ich ja auch nicht, wäre ja auch schlimm wenn alle eine Einheitsmeinung hätten :-)

    Worum es mir hier geht ist der Punkt, das es *jedesmal* heißt: "In Deutschland gibt bereits die Gesetzeslage vor, das die Angabe von Pseudonymen bei der Registrierung erlaubt sein muss". Und *DAS* ist schlicht falsch, bzw. ganz offensichtlich in dieser Absolutheit nicht richtig.

    Antwort

  6. Sleeksorrow
    14/09/2011 um 15:41 Permalink
    Granted. Fair enough.

    Antwort

  7. kopflast
    09/09/2011 um 11:20 Permalink
    Danke für die Mühe einmal einen ordentlichen Vergleich an zu stellen. Lesenwert und informativ.

    Antwort

  8. loci
    12/09/2011 um 18:45 Permalink
    Es gibt auch eine grosse deutsche Community, die ihren Mitgliedern explizit erlaubt rein unter Pseudonym aufzutreten und den Realnamen optional laesst: http://www.kwick.de

    Schade, dass immer nur auf die Communities eingegangen wird, die Medienkonzernen anhaengig sind...

    Antwort

3 Trackbacks zu "Pseudonympflicht für Webseiten dank deutscher Gesetzeslage?"

  1. Die wunderbare Welt von Isotopp 08/09/2011 um 17:01
    Klaus Peukert hat dann mal die AGB einer Reihe von Social Network Sites gelesen und verglichen. Das Ergebnis ist unter Pseudonympflicht für Webseiten dank deutscher Gesetzeslage? nachzulesen. Alleine schon die Tatsache dabei nicht laufend einzuschlafen v
  2. netzwertig.com 13/09/2011 um 07:01
  3. netzwertig.com 13/09/2011 um 07:11

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