"Datenschutz" im Jahr 2011

Klaus Peukert » 11 April 2011 » in Politisches » 2 Kommentare

Auch wenn es vielleicht nicht ganz so schlimm wird, wie es aussieht und Google StreetView (in Deutschland) nicht langsam sterben läßt: Wir Deutschen

  • haben jeder eine über die Hintertür "Steuer-ID" eine Personenkennziffer bekommen, auf die man nach Erfahrungen im 3. Reich und DDR eigentlich verzichten wollte und der das BVerfG (AFAIK sogar mit dem Urteil zur informationellen Selbstbestimmung) eine Abfuhr erteilt hat.
  • lassen unsere Fluggastdaten an die USA übermitteln, ohne das es außer ner Handvoll Blogger jemanden interessiert
  • geben den USA Zugriff auf unsere SWIFT-Bankdaten und lassen diese unkontrolliert abschnorcheln
  • müssen als Arbeitnehmer vor Tante ELENA die Hosen runterlassen ohne uns dagegen wehren zu können
  • müssen als Hilfebedürftiger nicht nur vor ELENA sondern auch vor Christel von der Arbeitsagentur uns richtig nackt machen
  • lassen und unter Androhung 5stelliger Bußgelder wieder volkszählen und den Staat mal eben alle Datenbanken zusammenschmeißen
  • lassen den Staat auf unsere Bankkonten schauen
  • leben damit, das die kommunalen Meldeämter unsere Adressen verkloppen, damit der GEZ-Fuzzi weiß, wo er als nächstes klingeln muss
  • und so weiter und so fort.

Es gäbe einen Arsch voll Arbeit für Datenschützer zu tun. Aber was machen die "Hauptamtlichen Datenschutzhysteriker und Einwilligungsinformatiker" (danke an Kris für die Idee eines neuen vCard-Titels) im Jahre 2011 in Deutschland? Wogegen davon engagieren und wovor davon schützen sie uns ganz konkret? Sie ereifern sich darüber, das beim Surfen "IP-Adressen nach USA übermittelt" werden, "kämpfen" gegen Google und Facebook als wären Schmidt und Zuckerberg Inkarnationen von Voldemoort persönlich und haben nichts Besseres zu tun als die Privatsphäre von Hausfassaden(!!!!!111elf) zu schützen.

ELENA? Klar. SWIFT? Naja, nicht schön, aber was will man machen. Steuer-ID aka PKZ2.0: Mei, wir haben halt keine Handhabe. Aber wehe ein privates Webforum wagt es Werbung zu schalten und "IP-Adressen zu übermitteln". Da feiert der Adminarsch aber Kirmes, da wird draufgekloppt als gäbe es kein Morgen. Schließlich muss die Privatsphäre der Forenuser gegenüber Google geschützt werden, sind die ja zu doof Cookies zu sperren oder nen AdBlocker zu benutzen. Das BDSG erwartet schließlich ein schriftliches Triple-OptIn per PostIdent, wenn man mal nen Blog kommentieren will. Alles andere ist ein Datenschutz-GAU.

Tut mir leid liebe sogenannte "Datenschützer", aber

  • solange ihr nicht mehr auf der Pfanne habt, als "Datenschutz ist so, Internet ändern"
  • solange meine Gehalts- und Anwesenheitsdaten ans staatliche ELENA gehen
  • solange die USA wissen wem ich Geld überweise und was ich im Flieger nach Hamburg esse
  • solange ich Sachbearbeitern bei der Arbeitsagentur erklären muss, warum da ne 4 Monate alte Überweisung von eBay aufm Konto ist
  • solange ihr Euch auf einfache, aber für den Schutz meiner persönlich(s)ten Daten insbesondere gegenüber dem Staat völlig uninteressante Nebenkriegsschauplätze zurückzieht
  • solange es für Euch wichtiger ist Eure Existenz mit solchen Nebelkerzen zu rechtfertigen:

So lange werde ich Euch nicht ernst nehmen.

Macht Euch nützlich statt lächerlich!

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2 Kommentare zu ""Datenschutz" im Jahr 2011"

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  1. Tchooe
    16/04/2011 um 21:01 Permalink
    Die Google-Jünger mögen mich in der Luft zerreißen, aber ich vertraue einer staatlichen Institution lieber meine privaten Daten an als einem weltweit operierenden, auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Konzern. Selbst dann, wenn die Daten weitaus privater sind, als das, was Google zu sehen bekommt.
    Schade, aber was du hier bringst, ist extrem einseitig und unkritisch. Google = gut, Datenschutz = böse, Staat = böse. Ist evt. eine differenziertere Betrachtung möglich?

    Antwort

  2. Sven Türpe
    17/04/2011 um 21:25 Permalink
    Über wen hast Du mehr Kontrolle: über ein Unternehmen, das rational ein konstantes, klar definiertes Ziel verfolgt, oder über einen Staat, der politischen Moden und Stimmungsschwankungen unterworfen ist? Wer kann Dir mehr schaden: ein Unternehmen, das durch die Rechtsordnung(en) wie auch durch die Märkte kontrolliert wird, oder ein Staat, der sich im Idealfall zwar selbst kontrolliert, aber auch ohne Checks & Balances über eine beachtliche Zeit funktionieren kann? Wem entkommst Du leichter: einem Unternehmen, mit dem Du eine Geschäftsbeziehung eingehst, oder eine Staat, in dem Du praktisch Zwangsmitglied bist? Und wer geht das geringere Risiko ein, wenn er Deine Daten systematisch missbraucht, das Unternehmen oder der Staat?

    Antwort

2 Trackbacks zu ""Datenschutz" im Jahr 2011"

  1. Die wunderbare Welt von Isotopp 11/04/2011 um 17:18
    Laut mehreren Quellen wird Google Streetview in keinen weiteren Städten mehr verfügbar gemacht als den 20 Städten, in denen es schon vorhanden ist. Das Bildmaterial für die vorhandenen 20 Städte wird nicht aktualisiert werden und also langsam vor sic
  2. Erich sieht 17/04/2011 um 21:13
    Meine Rede seit Jahren: »ELENA? Klar. SWIFT? Naja, nicht schön, aber was will man machen. Steuer-ID aka PKZ2.0: Mei, wir haben halt keine Handhabe. Aber wehe ein privates Webforum wagt es Werbung zu schalten und “IP-Adressen zu übermitteln”...

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