Piraten, Reform des Urheberrechts und eine neue Enteignungswelle?
Klaus Peukert » 06 Februar 2011 » in Piraten, Politisches » 5 Kommentare
Nebenan hat Mela mal ordentlich vom Leder gezogen, was die aktuelle Positon der Piratenpartei in puncto Urheberreccht betrifft. In den Kommentaren gabs (etwa von NineBerry und korbinian) schon gute Gegenargumente und ich mach mich mal fix an dieser Steller hier unbeliebt. Warum?
Nun, die Argumentation in dieser "Verteidigungsschrift" für den status quo des Verlagswesens erscheint mir antiquiert und erinnert mich an den Aufschrei der Stummfilmmusiker als Tonfilm en vogue wurde. "Tonfilm ist wirtschaftlicher und geistiger Mord" hieß es, etwa auf diesem "Flyer" von irgendwann um 1930. Ich bin wie immer sicher sehr naiv, aber so richtig unbekannt klingt das jetzt nicht, oder? Fortschritt bringt Veränderung mit und das gefällt nicht jedem gleich gut.
Der Droschkenkutscher wird gegen das schienerne Stahlroß gewettert haben, (Buch-)Drucker müssen sich mit der digitalen Technis auseinandersetzen, Berittene Postboten werden unnötig weil wir alle Mails verschicken, Ozeanquerungen sind dank Interkontinentalflügen inzwischen mehr touristische Highlights statt "business as usual" und so weiter. Es hat immer diejenigen "erwischt", die es nicht vermochten "mit der Zeit zu gehen". Nicht umsonst gibt es Dokuserien wie "Der letzte seines Standes".
Mela selbst bringt ihre beiden Bücher ins Gefecht. Mit beiden konnte sie in den letzten 6 Jahren nicht den großen Reibach machen und wird dies, vermutlich, auch in den nächsten vier Jahren nicht tun. Bliebe es bei diesem finanziellen Nullsummenspiel der Schreiberei: Wo wäre denn dann der konkrete Nachteil für Mela bei der Piratenregelung? Sie hat jetzt mit den Büchern kein signifikantes Einkommen und nach 10+ Jahren mit Piratenregelung auch bloß nicht. Also: Wo wurde es schlechter?
Ich bin jetzt nun nicht der Urheberrechtsexperte, aber der jetzige erste Versuch einer ersten Version einer Neuregelung ist für mich (OK, als nicht-"Kulturschaffender" kommt mir das auch arg leicht von den Lippen) sympathischer als eine Kulturflatrate und/oder Modelle, die letztlich auf eine (nicht funktionierende) Überwachung der Nutzer hinauslaufen. Ist das der Weisheit letzter Schluß? Ich weiß nicht, vermutlich noch nicht. Aber was Nineberry in den Kommentaren bei Mela sagt leuchtet mir ein, und wir werden uns an dieser politischen Weggabelung wohl eher für Nineberrys Abzweigung entscheiden müssen.
Wir sollten erkennen, das die neuen (digitalen) Technologien sich nicht mit Instrumenten aus den beiden vergangenen Jahrhunderten bearbeiten lassen. Das funktioniert nicht. Isotopp hatte das in "Falscher Planet, Falsches Jahrtausend" auf "Kopieren hinnehmen" reduziert. Und er hat Recht. Wir können in 2011 ff. Kopieren nicht wirksam verhindern, FeFe würde sagen "ES. GEHT. NICHT". Also müssen wir anerkennen, das sich die Welt weitergedreht hat und wir müssen lernen, damit umzugehen.
Schaffen wir das nicht, werden wir zu "Piraten mit Kugelschreibern" und gehen den Weg derer, die "beim Stummfilm die Geräusche machen".
Und wo die
heute sind, wissen wir ja.

06/02/2011 um 23:17 Permalink
Die musikalische Begleitung beim Film wird nicht mehr benötigt, wenn dieser eine Tonspur hat. Der Kutscher wird nicht mehr benötigt, wenn die Eisenbahn mit Dampf fährt. usw...
Im Falle von Büchern, Musik usw. werden die Autoren / Interpreten ja aber nicht überflüssig. Sie leisten ja immer noch die gleiche Arbeit. Und müssen das auch weiterhin tun.
Was sich aber ändert ist das Umfeld dieser Arbeit, die Art und Weise, wie sie ihr Leben mit dieser Arbeit finanzieren können.
Diesen Aspekt finde ich sehr wichtig.
Auch die Verlage werden nicht komplett überflüssig. Funktionen wie Lektorat, Management, Vertrieb müssen weiterhin erledigt werden.
Da aber Teile davon nun stärker automatisiert werden können, vor allem im Bereich Vertrieb, wird die Verlagsbranche insgesamt natürlich schrumpfen.
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06/02/2011 um 23:39 Permalink
und
"Ja, eigentlich mag ich das was du da machst ja schon ziemlich gerne und genau weil ich es mag finde ich es wäre ungerecht wenn du alleine damit Geld verdienen würdest."
besteht ein kleiner inhaltlicher Unterschied.
Unter einem Schulaufsatz stünde nun: Tarzun hat leider das Thema verfehlt. Es steht zu befürchten, dass er die Lerninhalte nicht erfasst hat.
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06/02/2011 um 23:53 Permalink
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07/02/2011 um 00:02 Permalink
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08/02/2011 um 00:59 Permalink
Und wie ich nebenan bei Mela schon schrieb: diese Regelung schadet nur den deutschen Autoren und könnte langfristig genau der Sache schaden, welche sich die Piraten so gern auf die Fahne schreiben: der künstlerischen Vielfalt im Land.
Ich persönlich würde, sofern diese Regelung kommen würde, eigene Unterhaltungsliteratur nur noch geschützt im Ausland veröffentlichen.
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