Liebe Piratenpartei– wir müssen reden
Legopolitik
Von einer nicht unbeträchtlichen Menge Piraten wird versucht, die große
Politik im Kleinen nachzubauen. Die Piratenpartei als politisches
Miniaturwunderland, sicher, schön und lieblich anzusehen aber sonst?
Besonders schön zu beobachten in den südlichen Landesverbänden.
Dinge wie ein Dreikönigstreffen, Neujahrsempfänge und politische,
verzeihung, piratische Aschermittswoche oder der Wunsch allein wegen
medialer Aufmerksamkeit einen „Jubelparteitag“ vor einer Wahl zu
veranstalten sind für mich Ausdruck dieser politischen Kleingärtnerei.
Auch so manche Pressemitteilung, etwa eines RLP-Direktkandidaten fällt
da rein, wenn da nicht Piratenpartei bei stünde könnte der vor
Beliebigkeit triefende Text von jeder anderen Partei gewesen sein.
Wir müssen jetzt echt nicht das grüne Chaos der 80er wiederholen (obwohl
wir da nicht weit von weg sind), aber wir können und dürfen und sollten
ruhig eine eigene Partei werden und müssen nun wirklich nicht the
schlechtst of CDUSPDFDPGRÜNE nachbauen. Wirklich nicht, das haben wir
nicht nötig. Es muss kein Jodeldiplom sein, aber wenn wir was Eigenes
schaffen würden, dann wäre das echt dufte. Wir sind nicht das politische
Småland.
Formalmasturbationen
Wenn persönliche politische Meinungen auf dem
formalen Wege durchgesetzt oder, öfter zu beobachten, missfallende Dinge
so abgebügelt werden sollen. Schön zu sehen bei den regelmäßigen
„Demounterstützungsaufrufen“, da kann man schon die Uhr danach stellen,
das irgendeiner mit „unklarer Beschlusslage“ und „nicht ausreichender
demokratischer Legitimation“ angedackelt kommt und einem aufmerksamen
Beobachter völlig klar ist, das es hier kaum um tatsächliche Formalia
geht, sondern darum, das der „Beschlussbeamte“ hier klar politisch gegen
bspw. das Thema ist.
Erst in jüngster Vergangenheit bei der Unterstützung der „Wir haben es
satt“-Demo durch die AG Umwelt, die unter eigenem Logo und eigenem Namen
als Unterstützer auftrat und trotzdem angemaunzt wurde, weil AGs nach
außen nix zu sagen hätten, ironischerweise von einem Bioinformatiker
und Genetiker der statt zu sagen „Sorry, das ist Unsinn“ (was OK wäre wenn er Anung hat, siehe Kompetenzneutralität)
wieder mit Formalia (s.o., „Legitimation“) ankam.
Leute, Satzungen sind wie Straßenlaternen. Sie sollen den Weg
beleuchten, aber man soll sich nicht sklavisch an ihnen festhalten.
Pöstchenatentum
„Pressesprecher Stammtisch“. „Co-Koordinatorin AG“. „Ersatzrichterin am
LSG“. Drei willkürliche ausgewählte Titel aus in Mailinglisten
aufgetauchten Signaturen. Was soll das? Kann man dann besser schlafen?
Ist das erhebend, erregend, wenn man sich nen Titel, noch dazu solche
die nicht in Gefahr sind bei der Wikipedia eine Relevanzdebatte hervorzurufen, an die Signatur flanschen
kann? Ist man dann mehr wert, wichtiger, gar besser? Unsinn, natürlich
nicht.
Ich kann ja verstehen, wenn man im „offiziellen“ Schriftverkehr mit dem
ebenso offiziellem Amt auftritt. Aber so was wie oben? Aber es gibt halt
offenbar jede Menge politische Kleingärtner und Parteisoldaten, die bei
so nem Titel feucht im Schritt werden und sich sonst was drauf
einbilden. Ich finde das schade.
Permission culture
„Wer hat das legitimiert?“ – Diese Frage nach dem Passierschein A38
muss sich nahezu jeder gefallen lassen, der es wagt mal tatsächlich
irgendwas vorzeigbares, konkretes oder sichtbares zu verzapfen. So
durfte sich der Autor der Kritik stellen, als er nach einem Naziüberfall
auf einen Piraten auf der sächsischen Webseite eine „Piraten lehnen
Nazigewalt ab“-Beitrag schrieb. Statt zu fragen wie es dem
Piraten geht, war die Pressesprecherin lieber an einem
„Rechercheprotokoll“ interessiert, obwohl im Blogbeitrag klar angegeben
wurde, das zu dem Zeitpunkt tatsächlich nur der überfallene Pirat und
sein Wort als Quelle dienen konnte. Der Landesvorstand erwog gar eine
Ordnungsmaßnahme gegen den anderen Autor…
Auch oben erwähnte AG Umwelt, die, obwohl für jeden nicht-lobotomierten
klar erkennbar, nur im eigenen Namen agierte, durfte sich anhören, das
AGs nicht nach außen hin auftreten sollen dürften. Mit „permission
culture“ habe das aber natürlich nix zu tun, hieß es, wenngleich die
Frage nach „Wie soll denn das Sprechverbot kontrolliert werden“ wenig
überraschend unbeantwortet blieb. Dieser Wunsch Einiger nach einer
„Informationskontrolle“ ist meiner Meinung nach nicht mit „Pirat sein“ vereinbar.
Leider sehen das (zu) viele offenbar anders.
Genauso wenig mag ich das umgekehrte Agendasetting einiger, die aus
einer vermeintlichen „permission“ heraus die eigenen politischen Punkte
kompromisslos durchzupauken versuchen. Beispiel die AG Bildung, wo die
Machtposition von „Koordination“ und „Moderation“ (aus)genutzt wurde, um
im vorgeblich formalen Rahmen die unangenehmen Homeschooler
rauszudrücken und man sich nun in der eigenen, reinen Pädagogie-Lehre
suhlen kann. Zählbare Ergebnisse: Keine.
Auf der anderen Seite sorgt diese Genehmigungskultur dafür, das selbst
Knallchargen wie der Rechtsaußengröler ‚jotun’ bspw. in BaWü erst von
der ML geschmissen werden, nachdem der Landesvorstand das hochnotpeinlich beschloss, und man nicht zu erwähnen vergaß, das selbstverständlich auch
der Antrag ordnungsgemäß und in dreifacher Ausfertigung fristgemäß
eingereicht wurde, könnte ja jemand mit Formalkritik kommen...
Da muss man sogar die Bayern loben, die den Mann nach wiederholten
Auffälligkeiten und nem entsprechenden Hinweis kurz und knackig von der
ML kickten. Way to go, wer uns ins Bier pinkelt fliegt eben aus der
Kneipe.
Konsequenzneutralität
Ha, Konsequenzen. Bei jotun in Bayern hat man sie gezogen. Aber sonst?
Hat jeder zweite Verantwortliche Schiss vorm Piratenmob. Da kann ein
Moderator(!) im Forum, also nicht irgendein Hansel, sondern schon so ne
Art Parteivertreter konsequenzlos über den Holocaust sinnieren, während
nebenan der Moderatorenkollege vermeintliche Beleidigungen ediert. Den
Moderator kicken wäre ja Zensur.
Das Forum neu zu strukturieren? Als Betreiber? Iwo. Da beugt man sich
dem Diktat der Forenregulars statt da einfach mal feucht durchzuwischen.
OK, immerhin ist die bisher offizielle Forenmüllhalde nun nur noch in
ner dunklen Ecke zu sehen und wird hoffentlich bald als abschreckendes
Beispiel dienen. Wie lang hat das gedauert? 2 Jahre? Reife Leistung.
LiquidFeedback wurde mit überwältigender Mehrheit vom BPT gewollt. Und
statt die OpenSourceSoftware einfach zu installieren und parallel zu den
anderen Medien anzubieten, lässt man sich einen Bohei sondergleichen
aufzwingen und eröffnet den Spielplatz nicht mit ner saftigen grünen
Wiese sondern mit verbrannter Erde.
Und so zieht sich das wie ein roter Faden durch alle Gliederungen.
Wählen lassen, den Posten abfassen, klar her damit. Schicke Signatur.
Aber dann auch Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, Risiken
abwägen, Konsequenzen tragen? Fast so selten wie die blaue Mauritius.
Besitzstandswahrerei
Im Rahmen der „LiquidFeedback“-Kriege, die aktuell mit einem
strategischen Rückzug der LF-Entwickler stillstehen wurde deutlich, das
eine kleine, aber laute Minderheit mit der Rolle als irrelevante
Kleinpartei offenbar durchaus zufrieden sind und sich einfach nur darauf
ausruhen wollen, das sie eine dreistellige Mitgliedsnummer haben oder
„Koordinator“ irgendeiner toten AG oder „Moderator“ im noch toteren
Forum (dazu unten mehr) oder einfach damit zu frieden sind, wenn sie auf
Mailinglisten zu immer den gleichen Themen immer die Argumente
wiederholen.
Diese laute Minderheit verliert mit LF eben ihre Meinungs- und
Deutungshoheit über die virtuellen Stammtische und diese Leute wissen
das. Da wird eben der „Datenschutz“ unspezifisch als Äquivalent zu Maude
Flanders „Denkt denn niemand an die Kinder“ rausgeholt, obwohl ein
unglaublicher Aufwand getrieben wurde, während Wiki, Forum,
Mailinglisten, Padserver, Mumbleräume und Telkodingens einfach so da
stehen, ohne Clearingstelle oder sauteure anwaltliche Datenschutzerklärungen und Nutzungsbedingungen.
Aber dort kann man im Gegensetz zu LF halt immer noch den „King“ raushängen lassen,
schließlich lässt sich da hervorragend mit der „schweigenden Mehrheit“
argumentieren und die Diskussionen einfach mit mehr Zeit an sich reißen . Mich nerven diese selbsternannten Ahabs, die ihrem persönlichen
Moby Dick reiten und nicht merken, das der schon lange tot und komisch
riechend am Strand rumgammelt.
Sozialautisten
Meist Anfang 20, männlich, zwei Rechner, drei Linuxdistributionen,
lebensfremd und die Birne noch voller hehrer Ideale, ohne bisherigen
Realitätsabgleichs mit der Prinzipienkeule um sich kloppend. Es gibt nur
Vollgas, immer drauf, Kompromisse sind for the weak. Da werden (siehe
oben) aus einem Erlass eines Kultusministers „russische Verhältnisse“
und man sieht Beginne einer „CDU-Machtergreifung“. Wer kritisiert, ist,
egal ob Parteifreund oder nicht, ein Gegner und wird mit voller
Breitseite beschossen und bekämpft. Der Gegenüber ist prinzipiell ein
Vollidiot, komplett unwissend und überhaupt, man selber (schön
zu sehen, wenn achtelwissende Hobby-Saleschs mit „Im Ipsen steht aber“
rumwedeln) aber natürlich unfehlbar.
Statt das man mal sinnentnehmend liest und versucht zu verstehen, was
der Gegenüber gemeint haben könnte wird von vier Auslegungsvarianten
grundsätzlich die maximal negative gewählt. Das der Gegenüber es gut
oder gar positiv meint, oder missverstanden wird, ausgeschlossen. Jeder
ist ein Feind. Man muss sich misstrauen, Vertrauen is nicht. Nachfragen,
Fakten checken oder ähnliche Sinnvolles? Gar die Aufregung mal sacken lassen, Dritte/Unbeteiligte fragen? Woher denn, man könnte ja auf
den Shitstorm verzichten müssen. Kritik oder Gegenwind generell ist demokratiefeindlich und parteischädigend, die eigenen Handlungen duften aber selbstverständlich lieblicher als Rosen.
Empörungsdemokratie
Piraten werden nicht zu einer Podiumsdiskussion eingeladen? Skandal, her
mit der Pressemitteilung. Stefan Raab lädt nur „große“ Parteien ein?
Skandal, der Mann muss mit Mails zugeschüttet werden. Man kann bei
studiVZ nicht „Pirat“ als politische Einstellung wählen, bei der
Kandidatenvorstellung in der Lokalzeitung ist das Foto nicht genauso
groß wie das des CDUlers, bei ner Demo werden von der Polizei
Personalien aufgenommen, bei ner Wahlprognose ist das Tortenstück nur
1,3% groß und blau statt Orange. Skandal, Skandal, Skandal.
Wagt es jemand Piraten zu kritisieren, gar gegensätzliche Positionen
einzunehmen oder Schlimmeres hetzt die Meute los, wetzt die Säbel und
twittert was das Zeug hält. Wozu hat man denn das Blog und die
Mailingliste abonniert, wenn nicht um Gift und Galle zu spritzen.
Manchmal hat man den Eindruck, das die Piratenpartei die Fortsetzung des
Gulli- oder Heiseforums mit anderen Mitteln ist. Verbündete? Allianzen?
Unterstützer? Braucht doch keiner, wir haben uns, we are legion.
Diese konsequente Selbstüberschätzung geht mir tierisch aufn Sack, ist
ein ganz deutliches Problem und hilft überhaupt nicht, ernst genommen zu
werden. Eher nehmen wir die Rolle des Zickleins ein, was immer grundlos
die elterliche Alarmglocke läutet und dann, als es wirklich brennt, von
der genervten Mutter allein gelassen wird. Die Piratenpartei ist eine
kleine Partei, mit 2% als Maximalergebnis und bei allen verständlichen
Wünschen nach der Weltherrschaft sollte man zumindest halbwegs auf dem
Teppich bleiben.
Ein Folgeaspekt dieser Selbstüberschätzungsempörung ist der regelmäßige
Ruf nach dem Kadi, nach „allen möglichen rechtlichen Schritten“ und
idealerweise gleich nach dem BVerfG, sowie der Beschwörung des
Untergangs von Demokratie und Abendland. Dabei liegt eine bessere Lösung
doch so nahe, erst Recht, weil die Schnittstelle zwischen Piraten und
Hackern nicht leer ist.
Man könnte, nein, man sollte statt regelmäßig das HB-Männchen zu machen
und in die Luft zu gehen die vermeintlich nachteiligen Dinge/Regelungen
usw. „kreativ“ auslegen und den (politischen oder vermeintlichen) Gegner
zu einer für einen selbst positiven Handlung zwingen, ihm quasi einfach
„genug Seil“ geben, damit der Gegenüber einen Fehler macht. Neben der
nachhaltigeren Wirkung würde das auch noch mehr Spaß machen…
Prinzipienfetischismus
Viele wichtige Dinge werden als reiner Selbstzweck abgehandelt. Ein
Webserver wagt es IP-Adressen zu speichern? Der Weltuntergang ist nah.
Jemand nutzt einen Google-Kalender oder findet gar Streetview toll? Ganz
klar, „Postprivacyspacko“ (ja, das kam von parteiaußerhalb). Google ist
böse, Hausfassaden fallen unter den Datenschutz und wer meine Mails
liest und sich merkt was drin stand verletzt mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Is klar.
Meinungsfreiheit, noch so ein hochgehaltenes Gut. Da kann der größte
Rotz behauptet werden, der schlimmste Nazimüll auf die ML gekippt, es
findet sich immer einer, der mit „Hey, Meinungsfreiheit!!!111elf“
ankommt. Hey Junge: Meinungs und Handlungsfreiheit bedeutet nicht, das
ich jedem ungefragt in den Vorgarten kacken darf. Erst Recht, wenn diese
Rechte der Staat garantieren muss und nicht ein einzelnes Individuum
oder ne Partei. Die muss nicht jeden Blödsinn dulden oder gar auf ihren
Medien veröffentlichen. Nein, wirklich nicht. Glaubs mir, k?
Kompetenzneutralität
Wir halten uns (siehe Empörungsdemokratie) für den Nabel der Welt, haben
von vielen Themen aber viel zu wenig Ahnung und plappern daher vieles,
auch Dummes, einfach nach. Obwohl wir Leute in der Partei haben, die
Ahnung haben und kompetent sind. Man schaue sich die Debatte um den
neuen Personalausweis an. Wir kritisieren und kritisieren, aber die
völlig falschen Ecken.
RFID, unsicher, Auslesen, Bewegungsprofile, Tod und Teufel. Einen Scheiß
macht RFID. Das das Ding perspektivisch als Interneteintrittsausweis
dienen kann, da hat keine PM drauf hingewiesen. Stattdessen bauen wir
(nette) „FSK18-Websites“ und „entdecken“ dabei Phishing und betonen das
peinlicherweise noch als Schwachstelle. Solche Klopse gibt’s ziemlich
oft und das ist schade, denn wenn uns mal jemand hinterfragt und dann
feststellt, das wir genau so unseriös wie Schäuble & Co.
Argumentieren, nur halt von der anderen Seite des Extremes her, dann, ja
keine Ahnung. Wird man uns wohl nicht mehr allzu lange ernstnehmen.
Doppelmoral
Wikileaks finden wir spitze. Transparenz wollen wir vom Staat. Aber
wenns darum geht unsere Mailinglisten zu öffnen, oder gar
zu archivieren, da kommt ganz schnell ein Schlauberger angerannt und
weist nach, das wir als Partei ja ein Verein und nicht der Staat sind
und jede Archivierung des Teufels ist, Datenschutz, informationelle
Selbstbestimmung wissenschon. Wenns darum geht, das man in nem halben
Jahr nicht nur die Argumente oder bereits geführte Diskussionen
nachlesen zu können (so wie im Usenet oder anderen MLs seit Jahrzehnten
üblich) sondern halt auch mal den einen oder andere Unsinn, da ist
Transparenz plötzlich ganz weit hinten auf der Agenda.
Mitmachpartei, man muss kein Mitglied sein um sich zu beteiligen. Tolle
Sache, insbesondere wenn man sich so im fahlen Restlicht eines
Ex-Bundestagsabgeordneten sonnen kann. Kommt aber ne Journalistin der
jungleWorld an oder jemand, der einem doch nicht ganz so in den Kram
passt, na aber hallo. Da wird mal aber ganz fix nachm Ausweis gefragt.
Leaken, ja prima. Wenns anderen passiert. Aber wehe es leitet jemand
eine Mail aus einer „geschlossenen“ Mailingliste nach außen. Dann feiert
der Piratenarsch aber Kirmes, unter ner standrechtlichen Entleibung
geht da gar nichts mehr. Brisante, vertrauliche Mails verschlüsseln
und nicht an potentiell unendlich viele Empfänger zu verschicken? Das
wäre ja „richtig“, das geht auf gar keinen Fall. Wie, da hat jemand sein
Archiv der Aktiven-ML online gestellt? Na, aber mal fix raus mit der
DMCA-Notice.
Abmahnungen? Teufelswerk. Am besten abschaffen. Also, jedenfalls wenn
Bushido uns abmahnt weil wir so bekloppt waren und im Netz der BGS den
Torrentclient nicht ausgeknipst haben. (BTW: Bushido? SRSLY?). Oder wenn
sich Euroweb ne blutige Nase holt. Aber laß mal einen ne unangenehme
Frage stellen. Oder, Himmel hilf, unhöflich werden. Zack, ist die EV
draußen, aber pronto. „Ist doch mein gutes Recht“. Aber wehe ein Strukturvertriebler klagt ein Youtubevideo ausm Netz.
Überhaupt, „das gute Recht“. Wir wollen diese Welt verändern, neue,
bessere Gesetze und Regelungen um- und durchsetzen. Aber wenn irgendwas
passiert, was wir nicht mögen, oder Scheiße finden, dann zitieren wir Palandt/Rixen/Ipsen bis
aufs letzte Komma um auch noch die kleinste Regung von politischer
Aktivität wegzubeißen. Wille zu Veränderung? Schon, aber doch bitte
nicht bei uns anfangen damit.
Altlasten
Wenig überraschend, Bodo Thiesen. Schleppen wir seit 2008 mit, ab und zu
kommt er aufs Oberdeck und poliert die Wanten, fängt dann aber wieder
an komisches Zeug zu reden. Seit 2009 läuft nun sein
Parteiausschlussverfahren. Halt, läuft es nicht. Und so lange es weiter
verzögert wird, solange weiter keiner irgendeine Entscheidung trifft,
solange wird uns dieser Ballast bremsen.
Man muss dazu sagen, dass ich zwar ruhig schlafen könnte, wenn die
Mitgliederdatenbank diesbezüglich entschlackt wäre, aber mei, wenns
rechtlich nicht geht oder die (inzwischen ausradierte, auch so ein
Doppelmoral-Ding) Grütze von früher nicht für nen Ausschluss reicht.
Aber es soll mal bitte irgendeine Entscheidung fallen, dann geht
irgendwer bitte in Berufung und solange man weiß das das in Arbeit
ist, kann ich auch halbwegs ruhig schlafen.
Hier ist auch klar Jörg Tauss zu erwähnen, der nach Karl Ranseier wohl
erfolgloseste Parteiaustreter aller Zeiten, der trotz seines
„nahegelegten“ Austritts nach der Verurteilung wegen Besitz von
Kinderpornobildern fröhlich weiter nach außen klar und deutlich als
Pirat auftritt. Jaja,
„Mitmachpartei“, man muss nicht Mitglied sein, my ass. Dieses „Ideal“
fliegt doch sofort über Bord , wenn es darum geht das eigene Süppchen zu
kochen. (siehe Doppelmoral)
Jetzt hat man auf Grund der damaligen feuchten Traums von „OMG WIR
BEKOMMEN EINEN BUNDESTAGSABGEORDNETEN!!!111elf“ diesen traurigen Clown
von Politikrentner an der Backe, der als ebenso traurigen Höhepunkt
wenige Minuten nach Veröffentlichung auf einen hier kürzlich
„Gastbeitrag“ mit einem Kommentarschwanzvergleich reagierte und statt
inhaltlichen Dingen sich darüber freute das 60min nach Bestehen noch
keine Kommentare unter dem Artikel standen.
Eigentlich schade, war Tauss doch ein fortschrittlicher Politiker, der
das Netz verstanden zu haben schien, als erster Bundestagsabgeordneter
mit Mailadresse und mit dem „virtuellen Ortsverein“ der SPD durchaus
eine Vorreiterrolle einnahm. Schade, das davon nun nur der abgehalfterte
Politonkel übrig geblieben ist, der sich noch von der Bewunderung
einiger Politikneulinge nähren kann, aber trotz seiner Erfahrung
langfristig wohl mehr Belastung als Bereicherung für die Piratenpartei
darstellen wird.
Rechtsblindheit
Klar, nicht links und nicht rechts, „vorne“. „Extremismus beider Seiten“
lehnen wir ab, bevorzugen „bürgerliches Engagement“ statt
„linksradikaler Antifa“. Wenn jemand sagt „Faschismus ist keine Meinung,
sondern ein Verbrechen“, ziehen wir uns zurück, weil „auch Nazis Rechte
haben“. Das ist bekloppt, dumm und günstigstenfalls nur fahrlässig.
Schon mal in nem ostdeutschen Dorf abends um 10 an ner Tankstelle
gewesen? Mal ein Fußballspiel in den unteren mittelsächsischen Klassen
besucht? Wo das „U-Bahnlied“ schon fast zum guten Ton gehört? Nein?
Klar, wenn die einzigen Nazis in der Gegend über 70 und in der CDU sind
und man sonst nix mit dem alltäglichen Rassismus zu tun hat, da lässt
sich prima von „Nazis haben auch Bürgerrechte“ faseln und Blockaden wie
in Leipzig und Dresden als „Straftaten“ abqualifizieren.
Durch die fehlende, deutliche, glaub- und dauerhafte Distanzierung von
rechten Spinnern bleiben Piraten für solche rechten Spinner attraktiv.
Nur zu verständlich, erhalten sie für ihren kruden Scheiß doch
regelmäßig und Unterstützung, und sei es das Voltaire-Nichtzitat, statt
ausgelacht zu werden. Nazis Scheiße zu finden hat doch mit „links“ oder
gar linksradikal eher wenig zu tun. Man kann gegen Faschismus sein, ohne
nachts um drei Marx zitieren zu können.
Die Piratenpartei sollte sich endlich mal konsequent, deutlich, dauer-
und glaubhaft gegen Nazis, PRO-Irgendwasspinner usw. aussprechen. So das
man es uns auch irgendwann abnimmt, was ganz oben in unserer Satzung
steht.
Positives?
Ach klar, gibt es auch jede Menge gute Seiten. Das Programm aus Chemnitz
is schon ziemlich gut, Digitales Leben, fortschrittliche
Sozialpräambel, nettes Umweltprogramm und progressive Familienpolitik.
Es gibt auch viele nette Piraten und wenn ich mit den LV Hamburg jetzt
so anschaue, dann wünsch ich mir das von allen anderen auch. Keine
Diskussionen warum man bei ner NPD-Demo dagegen stören sollte, die
„Datenritter vom Ni“ ausm Nachbarland haben keine Chance Stunk zu
stiften, man diskutiert und verabschiedet ein gutes Programm, holt die
Unterschriften für die Neuwahl in Rekordzeit und rockt auch sonst so
ziemlich. Es gibt auch in jedem mir bekannten LV ne Menge cooler Piraten. Aber reicht das?
Und nun?
Vielleicht übertreibe ich etwas und ich habe sicher auch positive und negative Dinge vergessen, aber nimm Dir doch bitte mal etwas Zeit für Dich und überleg ob ich Recht habe oder Unsinn erzähle. Ich werde mal ne Zeit lang außer Haus schlafen. Ich komm weiter Goldfische füttern und die Blumen gießen und meld mich ab und zu, aber vielleicht ist es besser, wenn wir etwas Abstand voneinander halten. Aber denk nicht, das Du mich los bist.

25/01/2011 um 23:01 Permalink
Dennoch finde ich, in machen Dingen übertreibst du etwas. Wir treten an, um etwas zu verändern - und dazu muss man sichtbar sein, auch mal unbequem sein. Wenn wir immer nur alles hinnehmen, was uns an Schikanen gestellt wird, bleiben wir dort, wo wir sind.
Dazu gehören übrigens auch die von dir kritisierten Veranstaltungen des piratigen Aschermittwochs und des Dreikönigtreffens. Gerade letzteres brachte uns einiges positives Echo ein - und das ist im Vorfeld einer Landtagswahl extrem wichtig.
Und es gibt auch viele Piraten, deren sogenanntes "Pöstchen" ihrer eigenen Angeberei dient. Die meisten der AG-Koordinatoren, Stammtischsprecher etc. engagieren sich mit großem Zeitaufwand für die Piraten und versuchen, etwas zu bewegen. Ob das nun Programmarbeit ist, ob sie Veranstaltungen organisieren oder einfach Unterschriften sammeln. Und was spricht denn dagegen, als Ansprechpartner für gewisse Bereiche erkennbar zu sein?
Betreffs "Altlasten": Mit Bodo Thiessen hast du vollkommen recht, rechte Gesinnungsgenossen haben bei uns nichts verloren. Den Fall Jörg Tauss sehe ich etwas anders. Er ist durchaus kein "Politikrentner" - und die meisten Mitglieder des LV BaWü schätzen seine direkte und konstruktive Art. Damit hat er uns nicht nur einmal aus einem Shitstorm geholt oder uns auf dem LPT wieder zum vernünftigen Arbeiten gebracht. Und Erfahrung hat der Mann. Erfahrung, die uns nur nutzen kann.
Antwort
25/01/2011 um 23:56 Permalink
Antwort
25/01/2011 um 23:37 Permalink
Ich kann meinem Vorredner da voll Recht geben, möchte aber noch was hinzufügen:
Viele der Punkte, die du ansprichst sind nicht die Piratenpartei, sondern einzelne (vllt auch -zu- viele) Mitglieder. Ich denke da muss man einen Unterschied machen. Wenns um was geht, wenns wichtig ist, dann scheints auf einmal zu klappen. Dann stoppt ganz schnell der shitstorm, die endlose Diskussion oder da werden Trolle und Rechte (vgl. Jotun auf der BaWü-Liste) kreativ abserviert.
Ich denke das Wichtigste ist, dass man sich solche Kritiken anhört, drüber nachdenkt, zur Kenntnis nimmt und versucht die Dinge anzupacken, die einem vorher noch nicht selber aufgefallen sind. Wie gesagt: Ich glaube die Selbsteinschätzung der meisten Piraten ist ziemlich ordentlich UND je hohler der Pirat, desto lauter...
mfg Xaleander
Antwort
26/01/2011 um 00:43 Permalink
vieles findet man jedoch auch in anderen Parteien bzw. ist ein grundsätzliches Problem von Kleinparteien
trotzdem ist es wichtig und richtig alle Piraten diese Kritik vor Augen zu halten, bevor es externe (z.b. der Wähler) es tun!
Antwort
26/01/2011 um 01:33 Permalink
Das ist Stoff für vier oder fünf Artikel - aber ich kann Deinen Rundumschlag verstehen.
Eigentlich beschreibst Du genau, warum ich wenig Bock habe, mich ernsthaft im Bund zu engagieren.
Zum Glück haben dann doch nicht immer die Lauten recht, sondern die, die einfach machen. Das liegt auch an Artikeln wie diesen. Danke!
Mein Tipp: Guck zum Entspannen nach Hamburg. Hier isses etwas anders (wenn wir nicht gerade irgendwelchen Rittern, die übers Syncforum einschlagen, die Rüstung ausbeulen müssen).
Wir haben zwar gerade ziemlichen (naja, ungeheuren) Druck, aber ich erlebe, daß da ziemlich viel konstruktives von den aktiven Mitgliedern kommt, und trotz kleinerer Rempelleien alle versuchen, an einem Strang zu ziehen.
Das bockt total.
Aleks
Antwort
26/01/2011 um 01:50 Permalink
Sollte ich überraschenderweise mal (zu) viel Freizeit haben, schreibe ich auch gerne eine detaillierte Atwort dazu:)
Antwort
26/01/2011 um 02:21 Permalink
;-)
habe deinen beitrag auf alle fälle im blog verlinkt.
Antwort
26/01/2011 um 03:31 Permalink
Und doch ... Du misst mit zweierlei Maß:
Wenn die AG Bildung Deiner Aufforderung folgt und dafür sorgt, dass „wer uns ins Bier pinkelt, aus der Kneipe fliegt“, dann ist das ein „Rausdrücken“ der armen, armen Homeschooler. (Wobei Du Recht hast, dass die Verwaltungsbeamten, die hinterher noch übrig blieben, gleich alle vergrault und auch nicht viel auf die Reihe gekriegt haben.)
Dein „Statt dass man mal sinnentnehmend liest und versucht zu verstehen, was der Gegenüber gemeint haben könnte, wird von vier Auslegungsvarianten grundsätzlich die maximal negative gewählt.“ möchte ich Dir in so mancher Bodo- und Nazi-Blockade-Diskussion gerne ins Gesicht halten. You know.
Und überhaupt. Ad hominem bis zum Gehtnichtmehr. Um tirsales eins Reinwürgen zu können, ignorierst Du mal eben die hochwertige inhaltliche Diskussion und behauptest, dass er „statt zu sagen ‚Sorry, das ist Unsinn‘ (was OK wäre wenn er Ahnung hat, siehe Kompetenzneutralität) wieder mit Formalia (s.o., ‚Legitimation‘) ankam.“
Völlig übertriebene „Untergang der Demokratie“-Shitstorms wegen Kleinigkeiten verurteilst Du völlig zu Recht, aber wenn MidaS & Co. mal wieder einen „Alles Nazis außer Mutti“-Shitstorm lostreten, mischt Du begeistert mit. ...
Und auch die Probleme, dass niemand weiß, was die „schweigende Mehrheit“ denkt, und die Zeitelite das Ergebnis bestimmt, wurden mit LF (bis jetzt – leider) nicht behoben, sondern eher verschlimmert.
Antwort
26/01/2011 um 08:16 Permalink
Und auch wenn ich Midas nicht immer in seiner, hmm, "direkten" Art zustimme, auch ohne ihn persönlich zu kennen (Überraschung!) glaube ich zu erkennen, das unter seiner flammenden Kruste mehr und wertvollerer Input steckt als von der halben Aktiven-ML zusammen und das er mehr "Pirat" als viele Andere ist. Aber ich habe, wie man sieht, ja auch eine andere Vorstellung von "Pirat sein". Mein "Warum bin ich eigentlich Pirat"-Artikel kommt auch noch. Interessanterweise wird der kürzer sein :)
Antwort
26/01/2011 um 11:17 Permalink
Und ich glaube, dass sich unsere Vorstellungen von „Pirat sein“ gar nicht zwangsläufig so sehr unterscheiden. Auf Deinen „Warum bin ich Pirat?“-Post bin ich gespannt.
Fürs Protokoll: Den wertvollen Input, den Du bei Midas siehst (und dem ich zustimmen würde, insbesondere da Deine Analyse, dass bei mir „die einzigen Nazis in der Gegend [Kleinstadt bei Hamburg, Berlin-Schöneberg, Trier] über 70 und in der CDU sind und ich sonst nix mit dem alltäglichen Rassismus zu tun habe“ stimmt), diesen wertvollen Input sehe ich auch bei dem von Dir kräftig mitgedissten „Datenritter vom Ni“ (wobei ich das auf der Hamburger ML nicht mitgekriegt habe).
Antwort
26/01/2011 um 11:46 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 08:37 Permalink
Es ist recht lange geworden was Tarzun hier schreibt, aber es wert sich die paar Minuten zu geben und die Punkte erst mal wirken zu lassen.
Antwort
26/01/2011 um 09:01 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 09:12 Permalink
http://wiki.piratenpartei.de/NRW:2011-02-01_-_NRW_Vorstand#Hausverbot_f.C3.BCr_Jotun_.2F_Christian_K.C3.BChner
Antwort
26/01/2011 um 09:47 Permalink
+1 ... wie fast immer ...
[globale delegation an]
Antwort
26/01/2011 um 09:53 Permalink
Ich z.B. war schon sehr aktiv als in NRW die Wahl anstand, was ich aber immer bei der Arbeit mit meinen Parteikollegen vermisst habe, war das Verständnis für meine Situation: Berufstätig und drei Kinder. Ich bin auch schon etwas älter, reifer, schlichtweg lebenserfahrener und einige Dinge die gerade von jüngeren geäußert wurden fand ich doch sehr befremdlich.
Man muss die Dinge doch zwangsweise praktisch angehen, um foranzukommen. Aber oft wird statt dessen lieber Diskutiert und manchmal versucht auch jeder es jedem recht zu machen und es kommt nichts dabei raus, oder im schlimmsten Fall verlässt ein Mitglied beleidigt den Stammtisch, weil die eigene Meinung nicht durchgesetzt werden konnte. Geistige Reife und so...
Und dann das LQFB Desaster. Fefe hat's schon richtig formuliert. Wahlmaschinen gehen gar nicht. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn ich fand den Ansatz von LQFB herausragend. Das daraus dann ein Wahlcomputer gemacht werden sollte wegen Datenschutz blabla, das war ein epischer Fehler. Und wieder von denen veranlasst, die am lautesten geschrien haben.
Also es läuft im Moment einfach nicht rund und ich habe meine Mitarbeit auch eingestellt. Ich verfolge das noch, glaube aber übrigens auch nicht, dass wir bei irgendeiner Wahl wieder 2% holen. Und es ist traurig.
Antwort
26/01/2011 um 10:18 Permalink
In der Kritik stehen wir alle, das hast du richtig erkannt, niemand kann sich zurückziehen und sagen, er wäre völlig unschuldig. Einerseits haben wir Strömungen, die aufgrund der Leichtigkeit des Nachbaus in „bewährte“ Strukturen zurückfallen möchten und andererseits haben wir Strömungen, die alles radikal von Grund auf ändern möchten. Niemand sagt, dass es leicht ist, aber es ist möglich eine Verständigung zu finden, wenn man sich vor Augen hält, aus welchen Gründen der jeweils andere seine Vorstellungen hat und diese durchsetzen will.
Mir sind die neuen Wege weitaus lieber, als ausgetretene Pfade zu beschreiten, dass diese Wege risikobehaftet sind, ist mir klar, aber wenn wir weiter uns so gut „anpassen“ verschwinden wir von der Bildfläche, ohne dass unsere Ziele umgesetzt sind.
Bei Formalien würde ich dann doch abwägen und plädiere dafür, Vorhaben ausreichend zu publizieren und somit eventuelle Missverständnisse schon vorneweg auszuschließen, wenn sich die AG Umwelt den Beschlüssen des LV Brandenburg oder LV Berlin angeschlossen hätte, hätten wir weniger Diskussionen und mehr Klarheit. Andererseits sollten formale Zwänge Engagement nicht ausbremsen und die Teilnahme an einer Demo ist kein formaler Programmbeschluss. Die viel beschworene Auswirkung dient als Begründung und wie diese aussieht, wenn man einen verstrittenen Haufen präsentiert, der sich gegenseitig mit XY droht, fällt aus der Betrachtungsweise raus. Wir machen öfters ein Problem aus einem Sachverhalt, der keines ist.
Posten - :D, vielleicht hat das so ein Quentchen mit der vielerorts – aber längst nicht überall – antreffenden Darstellungskunst mancher Postenträger zu tun. Ehrlich – es ist überaus unwichtig, auf internen Kommunikationsformen mehr als den bekannten Nicknamen, Pseudonym oder den Klarnamen anzugeben. Ich lache jedes Mal, wenn mir das unter die Augen kommt, ist eine Aussage von Pirat mit Posten X mehr wert als eine Aussage von Pirat ohne Beauftragung? Meines Erachtens nicht, zumindest nicht wenn wir uns intern unterhalten.
Die Schwierigkeit im Umgang mit unseren Tools und Kommunikationsformen ist, dass alle mitreden wollen, ohne – dabei nehme ich mich nicht aus – sich zu fragen, ob die eigene dargestellte Ansicht nun was anderes bewirkt. Wir übersehen meist das Positive, sondern sind konsequent sehr kritisch eingestellt, so dass die negativen Gesichtspunkte in den Fokus rücken. Vor aller Kritik wird vergessen, was man eigentlich ursprünglich erreichen wollte, das gilt für Liquid Feedback genauso wie fürs Forum. Andererseits wird hinter Kritik gleich ein konsequenter Angriff mit der Vernichtung der gegenteiligen Position gesehen, statt auf diese Kritik einzugehen. Wir haben alle Fehler gemacht und wir machen auch weiterhin Fehler, es wäre schön, wenn wir imstande wären daraus zu lernen.
Und nein du übertreibst nicht, die Schilderung der Probleme erfolgt aus deiner Sichtweise, ich kann ziemlich weit damit übereinstimmen, allerdings halte ich das alles noch nicht für unlösbare Probleme, die irgendwie den inneren Frieden ernstlich gefährden könnten, wenn wir sie nicht dazu hochstilisieren würden. Jeder sollte sich zurücknehmen und wenn ich manche Kommentare lese, sry nichts begriffen. Es gilt diese Lähmungen zu überwinden und das können wir nur gemeinsam, dafür ist kein weiterer Streit über Punkt X oder Y notwendig.
An jeden, der sein Engagement aus Ereignisssen X oder Y einstellt oder sich zurückziehen möchte, damit wird das Gegenteil davon erreicht, was euer Ziel ist und Aufgeben kommt nicht in die Tüte, wir haben - jeder einzelne - auch eine Verantwortung gegenüber den Bürgern dieses Landes, gerade gegenüber denen, die Vertrauen in uns setzen. Bevor ich noch was über sinnlose Erwartungen schreibe, höre ich lieber auf ;).
Moni
Antwort
26/01/2011 um 10:20 Permalink
er spricht mir aus der Seele und beschreibt die Gründe meines parteiaustritts!
lg
Antwort
26/01/2011 um 11:36 Permalink
Was mich angeht, ich danke dir für den Text, werde ihn mir Ausdrucken (ja, Audrucken!) und über den Arbeitstisch hängen. So halte ich mir immer vor Augen worauf wir in Zukunft achten müssen, damit wir uns nicht in unwichtigen Dingen verlieren und wo wir Position beziehen sollten.
Tarzun: Ich danke dir für diesen Watchblog Artikel! Solltest du je für den BuVo kandidieren, meine Stimme hättest du!
Antwort
26/01/2011 um 12:36 Permalink
Für mich Grund und Ansporn, weiterzumachen. Austritt kommt nicht in Frage!
Antwort
26/01/2011 um 10:40 Permalink
Was den Piraten meines Erachtens nicht zuletzt fehlt, ist schlicht Intellektualität. Dieses leicht arrogante, möglicherweise auch berechtigte "Wir verstehen die neue, digitale Welt in allen Nuancen und Facetten - Ihr nicht" vermag nicht die prinzipielle Notwendigkeit zu ersetzen, die Komplexität der Gegenwart (und die ist eben auch wesentlich nicht digital, sorry für diesen Tabugedanken) gedanklich zu durchdringen - derartige intellektuelle Leistungen braucht es meines Erachtens gerade zu Beginn einer Parteigründung. Und sie wird wohl in den Weiten des Piratenuniversums durchaus vorhanden sein, allein: Ihr fehlt es noch an klarer Stimme. Zumindest an einer Stimme, die auch in Kreise abseits der Hardcore digital natives durchdringt.
Antwort
26/01/2011 um 11:23 Permalink
Lebe immernoch von dem Glauben, dass die Idioten in der Minderheit sind. Was wirklich hilft ist die Mailinglisten abzubestellen.
Du willst nicht zufällig für den BuVo kandidieren? meine Stimme hast du!
Antwort
26/01/2011 um 11:36 Permalink
Verglichen mit den Grabenkämpfen, die die Grünen intern geführt haben - und das jahrelang - sind wir Piraten artige, höfliche Zeitgenossen, geradezu Waisenknaben. Joschka vs. Ditfurth ging doch über etliche Runden, bevor der KO für die Ditfurth kam, wimre...
Will sagen:
Deine Kritik ist konstruktiv und berechtigt, aber auch wenn es noch schlimmer wäre, bedeutet das nicht per se, dass am Ende nicht etwas Gutes steht. Ein notwendiger Prozess, vielleicht?
Antwort
26/01/2011 um 11:51 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 12:12 Permalink
Und die Partei zu nutzen, davon würde ich absehen, denn eher könnte man der Partei helfen bei der politischen Arbeit voranzukommen, was Tarzun ja gerade bemängelt.
Just my 2 Cents. Gruß, GrmpyOldMan.
Antwort
26/01/2011 um 12:27 Permalink
Nachdem A.König gottlob das Handtuch geworfen hat, sind nun also wieder die Jakobiner von der anderen Seite an der Reihe.
Ab wann eine Meinung keine Meinung mehr ist, sondern ein Verbrechen, entscheidet in diesem Land eizig und allein die Judikative. Und nicht die Straße oder die Stammtische. Schreibt euch das ein für alle mal hinter die Ohren, oder tretet von mir aus in die DKP oder die NPD ein. Und lasst die PP wieder für die Ziele kämpfen, für die sie ursprünglich mal angetreten war.
Antwort
26/01/2011 um 12:51 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 12:56 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 12:45 Permalink
Sprich: Danke für den Artikel. Großartig.
Antwort
26/01/2011 um 12:55 Permalink
Jedoch sehe ich von Dir eben nur eine Seite der Medallie beschrieben und sich Probleme nur einseitig zu betrachten hilft wenig.
So versuche ich jetzt mal, trotz mangelnder Schreibkunst, auch mal etwas der Gegenseite zu beleuchten.
Legopolitik (den Begriff muss ich mir merken):
Ja, wir müssen immer auf der Hut sein uns nicht zu sehr dem Trott der alten Parteien hinzugeben und uns immer mehr anpassen.
Aber die von dir genannten Aktionen (auch wenn ich keine davon mitbekommen habe) würde ich jetzt erstmal nicht per se Verurteilen.
Ob uns das nun gefällt oder nicht, natürlich ist ein mediales Echo wichtig für unsere Partei und auch für unsere Anliegen. Wie sonst sollen sie auch weitergetragen werden, außerhalb der PIRATEN versteht sich?
Das es immer mal wieder "Pressemitteilungen" geben mag welche vielleicht nicht hätten sein sollen und deren Wort- und Artikulationswahl von jedweder Partei hätte stehen können, okay, auch das ist nicht schön.
Aber will man jetzt jede PM zu 100% von allen prüfen lassen? Oder machen wir uns dann eben nicht genauso Handlungsunfähig wie Du es den "Anti-Atom-Gegnern" im Blogartikel selbst vorwirfst?
Wo wir dann auch bei der "Formalmaturbation" wären:
Ich denke das niemand was gegen Demonstrationen hat oder das diese irgendwie abgesegnet werden müssen von den Piratenverbänden.
Jedoch, und dabei sollten wir uns doch einig sein gibt es einen Unterschied zwischen einer (Gewalt- und Sachschadenfreier) Demonstration oder einer Blockade oder Störung.
Gerade als Partei darf man nicht zu Straftaten aufrufen oder sich dann nur auf das Recht der Informationsfreiheit berufen wenn es einen passt.
Und man kann auch hervorragend gegen unliebsame Demonstationen angehen indem man eine Gegendemonstration initiiert und auf die Fehler des Gegenüber hinweist, statt einer Blockade.
In dem Zusammenhang möchte ich im übrigen darauf hinweisen das eben nicht nur Rechtsradikale Demonstrationen eine Gegendemonstration guttut, sondern auch Linksradikalen Demonstationen, auch wenn dieses gerne vergessen wird.
Zum "Pöstchenatentum":
Soll jeder halten wir er will, ich muss das nicht haben, mich stört es aber auch nicht wenn jemand meint das unter seine Sig zu packen, warum auch? Ich nutz meine Zeit lieber um was sinnvolles zu machen, als mich wegen irrelevanten Sachen aufzuregen ;)
Zu der Permission Culture:
Erstmal möchte ich folgenden Satz noch rezitieren:
Dieser Wunsch Einiger nach einer „Informationskontrolle“ ist meiner Meinung nach nicht mit „Pirat sein“ vereinbar.
Ein wichtiger und guter Satz, welchen man in allen Belangen sich immer wieder vor Augen führen sollte, eben auch in den Bereichen wo einem das nicht so gefallen mag.
Zu PMs und Demonstrationen hab ich ja schon was oben geschrieben, so lass ich das hier mal.
Das bei den MLs gerne mal die nicht so lauten untergehen ist nicht schön noch Sachdienlich, jedoch darf man nicht vergessen das MLs nun wirklich nur einen kleinen Teil des Informationsaustausches der Piraten ausmacht und jeder seine Mittel finden kann (und sollte) sich so zu äußern das es auch ankommt.
Zu diesen Rauswürfen aus irgendwelchen MLs, ich denke auch da sollte der von Dir genannte und vorhin rezitierte Satz Anwendung finden. Man kennt nach einer Weile doch die Leute die stören und diese einfach selbst Filtern (zB im E-Mail-Client) , wo ist denn da das Problem? Zumindest hinterlässt diese Variante nicht diesen Faden Beigeschmack, welcher einem beim "Kicken" entsteht und vermeidet (vermeintliche?) "Zensur".
Das diese Antwort auch schon ebenso in den Part der "Konsequenzneutralität" ging sollte klar sein.
Dass das Liquid Feedback jedoch so behandelt wird, wie es von Dir beschrieben wird, das habe und werde ich wohl auch nie verstehen, es ist schade das sich das so entwickelt. Jedoch auch hier gilt wohl: "Klarmachen zum Ändern" ;)
Zu den Besitzstandswahrerei:
Ja, da kann man einiges Verbessern, woran es aber fehlt ist jemand der sich daran macht, leute die sich darüber beschweren gibt es ja zuhauf...
ZU den Sozialautisten:
Die gibt es wohl überall, sind jedoch auch bei uns nur eine Minderheit, auch wenn diese am Meisten auffallen. Dies sollte man bedenken und versuchen diese Mücke nicht als Elefant zu behandeln.
So ich habe mich jetzt einem Teil Deines Textes erstmal angenommen und würde mich freuen wenn Du die von mir genannten Sätze beachtest und reflektierst.
Zu den anderen Teilen Deines Blogartikels werde ich auch noch etwas schreiben (so gewünscht...), jedoch ein andern Mal, wenn ich mehr Zeit habe.
Grüße
Antwort
26/01/2011 um 13:24 Permalink
Welchen Antrag in Form eines Programmantrages oder Positionspapieren hast du gestellt? Welches Thema versuchst du mit deiner Person zu besetzen und bearbeitest es wirklich?
Ich mein auch du hast für ein Pöstchen Kandidiert und so, richtig? Du rantest dann gerne auch über Interna ab und dieser Blogpost zeigt doch schön, dass du dich nicht viel anders verhältst als die die du kritisierst.
Warum auch? In der Piratenpartei bekommt man ja den Größten Respekt wenn man einfach mal so ranted wie du hier. Munter flockig drauf auf alle Mitpiraten die was falsch machen. Allerdings ist das auch so herrlich einfach, ich mein jetzt das Recht haben, nicht wahr?
Der Besuch und Respekt der dir durch diesen Blogpost entgegen schlägt zeigt ziemlich deutlich, wie schlecht die Soziokultur in der Piratenpartei so ist. Jemand der sich mit einem Politischen Thema auseinandersetzt und es tief beleuchtet wird besten Falls ignoriert.
Bloggt man aber über die Interna, dann kommen sie alle:
Piratenpartei dreht sich eben um sich selbst, politik geschieht woanders, nicht wahr?
Antwort
26/01/2011 um 13:35 Permalink
* http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer_Diskussion:Tarzun/Einsatz/Sachsen-2.0
* http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2010.2/Antragskommission/Antr%C3%A4ge_2010.2/2010-10-18_-_Grundrecht_auf_Internet
* http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2010.2/Antragskommission/Antr%C3%A4ge_2010.2/2010-10-19_-_Teilnahme_von_Piraten_an_Demonstrationen
* http://wiki.piratenpartei.de/SN:%C3%84mter/IT-Pirat
* http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Tarzun ff.
* Dann noch die BuVo-Antragsgärtnerei und der LF-Mitgliedsverwaltungskram, der in process ist.
* Und in SN kommt als nächstes ein Reboot des Landes-LiquidFeedbacks
Naja, es ist nicht viel und weniger als bspw. Dein JMStV-Engagement, aber ein kleines Scherflein kommt da schon zusammen. Und für den Posten in SN hab ich kandidiert, damit ich mich um die IT kümmern kann, was ich jetzt auch ohne Posten (jaja, ich hab ne Beauftragung) mache.
Aber das ausgerechnet dieser Post diese Resonanz erfährt ist ein kleines "q.e.d.", da geb ich Dir Recht (wenn gleich ich zugeben muss, das diese 15min Netzruhm ganz bauchpinselnd sind :-) )
Antwort
26/01/2011 um 13:43 Permalink
Und es ist jetzt nicht nur hier und bei diesem Post so, ich kann dir das anhand von Besucher Statistiken mehrerer Webseiten zeigen.
Für dich ist es eher etwas zum nachdenken: Warum nutzt du deine Energie und Spitze feder nicht dazu, das Tagesgeschehen beim Datenschutz, VDS (das Thema scheint dir ja zu liegen) zu beleuchten und immer wieder zu bebloggen?
Nein, ehre und ruhm erhälst du dafür nicht, schon gar nicht unter den Piraten - aber vielleicht ein besseres Gefühl abends beim schlafen ;o)
Antwort
26/01/2011 um 13:36 Permalink
Aber vielleicht klappt es ja irgendwann und dann bin ich bestimmt auch Mitglied, denn am groben Programm geht nix dran vorbei.
Antwort
26/01/2011 um 13:42 Permalink
Ich bin weiß Gott kein Nazi oder will irgendeine alte Ideologie aus dem Keller buddeln aber ich bin Deutscher mit einem gesunden Nationalbewusstsein wie es jedes andere Volk auf diesem Planeten auch hat und ich hasse diese dämlich gutmenschliche Fratze der Schuldkult die über unserem Land schwebt und Ewigkeiten her ist.
Ich war anfangs in Euphorie mit den Piraten aber nach und nach stellte ich fest dass die ach so moderne Partei sich am Ende auch nur noch duckmäuserich gibt und lieber etablierte Dogmen nachplappert anstatt wie sie selbst definiert hat unbelastet und keinesfalls linksrechts-Schema orientiert arbeitet.
Pustekuchen. Schaut mal auf die FSA-Demos. Dort marschiert nur die linke Szene. Was haben die Piraten dort zu suchen? Was die Linke unter "Freiheit" versteht, wissen wir ja jüngstens. Freiheit für sich selbst, Andersdenkende gehören ausgerottet.
Aber wenn ein Weichei von ProKöln mal deutschfreundliche Positionen beziehen will dann wird gleich dick am Rand die orangene Fahne geschenkt und jede Bar gebashed an der ein Runenähnliches Zeichen schwebt?
Ich kenne ostdeutsche Tanken nicht, aber in Frankfurt ist es auch nicht besser, das gleiche Bild wahrscheinlich, aber andere Gestalten. Ich bin letztendlich aus Frankfurt (Main) geflüchtet weil ich mich am Ende nicht mehr frei bewegen konnte ohne dumm angemacht werden zu müssen. Es ging nur noch mit Auto und selbst da wurde man bis auf wenige cm im fahrenden Zustand begafft und belauert.
Sorry Piraten, gute Netzpolitik und Kernprogramm hin und her, aber als wählbare Partei sind sie für mich unter diesem Aspekt gestorben. Als beratende Stiftung für gewisse Themen sind sie nach wie vor meine liebste Quelle, weil sie einfach die lebende Generation IT ist, zu der ich auch gehöre. Aber mit Politik hat das nichts zu tun.
EOF
Antwort
26/01/2011 um 13:49 Permalink
Was mich am meisten abschreckt, neben der Wichtigtuerei trotz Wahlergebnisse im Promillebereich und dem Kinderporno-Tauss, der, weil er mal seinen Arsch im Bundestag platt sitzen durfte, als Gewinn gefeiert wird, ist die Offenheit gegenüber rechten Tendenzen und Strömungen.
Antwort
26/01/2011 um 14:51 Permalink
Und du fachst die alte Diskussion "linke Spinner sind viel tollerer als rechte Spinner" wieder an, weil linke Spinner halt total harmlos und unterstützenswert sind. Aber was sollen wir Piraten mit Spinnern? Seit 2006 flattert das Dogma "wir sind nicht die Linke mit Laptops!" durch unsere Reihen, seit 2006 wird es beständig ignoriert.
Schade eigentlich.
Antwort
26/01/2011 um 15:46 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 15:58 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 17:27 Permalink
Ben.Stöcker: Wie ist es dem Herren genehm, Selbstkritik in der Piratenpartei auszuüben ? Gar nicht ? Wer nicht 100% mit uns ist, ist gegen uns ?
Auch die Unterstellung, Piraten, die sich diesem Text verbunden fühlen, drehen sich im Kreis und machen ansonsten nichts konstruktives, ist unverschämt.
Viele Grüße,
/ aka Oliver
Antwort
26/01/2011 um 21:24 Permalink
Zu Legopolitik:
Das geht ja schon gut los.
Für eine nicht unbeträchtliche Menge Piraten scheint es nichts wichtigeres zu geben als auf gar keinen Fall irgendwas zu machen, was irgendwie so aussehen könnte als würden andere Parteien auch sowas machen. Da wird es offenbar schon zur Sünde, wenn man sich an einem freien Tag mal landesweit trifft und das Treffen nach dem entsprechenden Tag benennt. Aber sicher: Wir machen das, weil wir auch mal so cool sein wollen wie die FDP oder die CSU. Schon klar. Dass es einfach naheliegende Termine und Benennungen sind, scheint irgendwie nicht aufzufallen. Aber wir können in Zukunft ja bundesweit Kuschelkreise veranstalten, damit wir überall das Rad neu erfinden können und nicht die schäbigen CDUSPDFDPGRÜNE-Räder benutzen müssen.
Den Vorwurf mit dem "Jubelparteitag" halte ich sogar für eine gewaltige Unverschämtheit. Schon allein die Vorstellung soetwas überhaupt umsetzen zu können ist bei unserem Haufen doch recht absurd, aber die Unterstellung die Organisatoren der BPT-Bewerbung würden eine Show wie die großen Parteien abziehen wollen ist wirklich eine Frechheit.
Du solltest dir mal überlegen, ob es wirklich dein Anliegen war mit diesem Text gerade den engagiertesten Piraten, die sich wirklich reinknien, um etwas auf die Beine zu stellen, das nach ihrer Ansicht die Partei nach vorne bringt, ans Bein zu pissen. Eigentlich würde ich dir eine derart plumpe Destruktivität gar nicht attestieren wollen, aber mit diesem doch sehr weit hergeholten Vorwurf tust du genau das, egal ob Absicht oder nicht.
Und dann gleich noch etwas zum Thema "südliche Landesverbände" (steckt viel Fleisch drin in der Legopolitik...):
Diese "südlichen Landesverbände", von denen man schon seit längerem eine ganze Menge hört, sind genauso heterogene Gebilde wie die anderen auch. Es gibt da keine politische Trennlinie am Weißwurstäquator. Wenn man mal davon ausgeht, dass RLP, BW & BY gemeint sind (und das dürfte wohl meistens der Fall sein, wenn diese ominösen "südlichen Landesverbände" gezückt werden), dann sind diese LVs noch nichtmal untereinander sonderlich gleichartig.
Diese spalterische LV gegen LV Kacke sollten wir uns besser ganz schnell wieder abgewöhnen, bevor es ernsthaft unsere bundesweite Zusammenarbeit behindert. Angefangen hat das meiner Meinung nach schon und du bist nicht gerade hilfreich dabei das zu stoppen.
Aber wo ich schonmal dabei bin, kann ich auch gleich bei den Piraten in meinem näheren Umfeld (ja, das ist "südlich") weitermachen: Der LV Berlin ist genausowenig eine homogene Verschwörertruppe und wenn ihr Probleme mit Berlinern habt (und die hab ich auch... oh wie hab ich die auch...), dann zieht gefälligst nicht den ganzen LV da mit rein.
Ich möchte da vor allem an die jeweiligen Vorstände appellieren hier doch bitte eine Vorbildrolle einzunehmen.
Zu Formalmasturbationen:
Dem wirklich aufmerksamen Beobachter fällt vielleicht auf, dass es vor allem darum geht, dass einige keinen Bock haben sich und ihre Partei von jedem Dahergelaufenen instrumentalisieren zu lassen.
Es ist ja nichts neues, dass es viele Vorstellungen davon gibt, was die Piraten so alles vertreten sollen und dass viele Punkte davon ja natürlich sonnenklar sind und andere Sichtweisen ja natürlich eh undenkbar sind, wie man ja schon aus dem siebten Komma im dritten Absatz des Programms ganz deutlich herauslesen kann. Die Deutungen sind sozusagen alternativlos...
Wozu dann noch so Formalkram wie "Beschlüsse"? Womöglich noch auf Parteitagen. Und vielleicht sogar nach ein bischen Diskussion. Dann auch noch den Pöbel an der Entscheidungsfindung beteiligen? Das riecht ja furchtbar nach permission culture... Igittigitt!
Ich kannte da mal eine Partei, die wollte sich mit Leuten hinsetzen, die sich so richtig im Thema auskennen, um dann die möglichst "beste" Lösung zu finden und zu vertreten. Weil das ist viel besser als wenn man sich in Themen einmischt, von denen man keine Ahnung hat, und sich die Meinung vom erstbesten aufschwatzen lässt, der ne schöne Ansprache dazu halten kann. Was ist aus denen eigentlich geworden? Gibt's die noch?
Und was das organisierte Satt-Haben angeht:
Anzumerken, dass bei dem großen "Piratenpartei Deutschland"-Eintrag in der Unterstützerliste noch klein "AG Umwelt" druntersteht, _DAS_ ist Formalmasturbation. Denn selbstverständlich werden 99% der Betrachter davon ausgehen, dass wo "Piratenpartei Deutschland" draufsteht auch "Piratenpartei Deutschland" drin ist und nicht "x-beliebige Leute die zufälligerweise alle Piraten sind aber sich hier mal privat haben eintragen lassen".
Und der bereits angesprochene Bioinformatiker _hat_ durchaus auch über Sinn und Unsinn des gepflegten Satt-Habens diskutiert, aber das hätte vermutlich den Schreibfluss unterbrochen, eh?
Zu Pöstchenatentum:
Achherrje, hast du keine anderen Probleme?
Ist natürlich eine rhetorische Frage. Es stehen ja noch 12 andere hier...
Zu Permission culture:
Die Frage nach der Legitimation kommt immer wieder mal, aber meistens hat das sehr viel mit dem Thema Instrumentalisierung der Partei zu tun. Gerade inhaltliche Neu-Positionierungen der Partei können nicht einfach von jedem nach Luste und Laune in Eigenregie gemacht werden. Wenn da nicht der ordentlich nach den Spielregeln erfolgte Beschluss zuerst kommt, versinken wir völlig im Hauen und Stechen.
Ja, das ist machmal nervig und bremst aus, aber das ist Demokratie. Die Langsamkeit, die der formale Weg mit sich bringt bringt ist kein Bug, sondern ein Feature.
Ich will bestimmt nicht, dass man für jeden Finger den man rührt erstmal durch's Haus das Verrückte macht tingeln muss, aber manche Leute sind gewaltig übermotiviert was das besetzen neuer Themen angeht, nur um dann doppelt so beleidigt zu sein, wenn die anderen nicht jubelnd mitziehen. Ein wenig mehr Sensibilität für die Mitpiraten und ein Gespür dafür, ob man die bestehenden Beschlüsse wirklich dafür nutzen kann die Parteifahne auf dem persönlichen Lieblingsthema zu hissen, wären manchmal ganz angebracht. Die Welt wird nicht untergehen, wenn wir mal eine Demo verpassen, bzw. eher nicht offiziell dazu aufrufen. Hingehen darf ja eh jeder immer.
Und wenn du Probleme mit deiner Pressesprecherin hast, solltest du das vielleicht direkt mit ihr klären.
Überhaupt lassen sich einer ganze Reihe von Absätzen hier in deinem Text, wenn man ein bischen Überblick hat, recht einfach wenigen konkreten Personen zuordnen, mit denen du wohl einen persönlichen Beef hast, den du hier einfach mal zum Parteiproblem beförderst.
Beim Thema "jotun" möchtest du wohl dass einfach irgendwer nach Lust und Laune Leute rausschmeißt, wie es ihm gerade passt?! Und du glaubst ernsthaft das geht gut!?
Meine Güte... das Problem wurde erkannt und angegangen, auf eine ganz normale und solide Weise. Du kannst deinen Bashing-Hammer wieder einpacken.
Zu Konsequenzneutralität:
Oh, es geht aufwärts: Zum ersten Mal kann ich dir zumindest teilweise recht geben.
Es bringt zwar seine ganz eigene Ironie mit sich, wie du hier teilweise den Piratenmob in Stellung bringst und dich dann über die Zurückhaltung der Verantwortlichen beschwerst, aber manche Dinge sollte man tatsächlich nicht so weit tolerieren, wie wir es tun. (z.B. die Instumentalisierung der Partei durch einzelne *hust*)
Es hat sich leider hier und da ein bischen zu sehr eingebürgert die Dinge einfach laufen zu lassen, anstatt mal auf den Tisch zu hauen.
Es wundert mich zwar ein wenig, dass du jetzt plötzlich doch willst, dass die "legitimen" Betreiber des Forums sich der dortigen "Einfach mal machen"-Leute annimmt, aber ich sehe das auch so, dass Leute, die so eine Soße ablassen, zumindest von ihren Funktionen wegdegradiert werden sollten, wenn es schon nicht zum PAV reicht (der eh zu häufig beantragt wird).
Das schöne an dem ganzen Transparenz-Gefimmel, das wir hier machen, ist ja dass man die Chance hat einen richtigen Voll-Horst eben auch als Voll-Horst zu erkennen (no offense to actual people called Horst). Das nützt aber auch nur dann etwas, wenn man auch Konsequenzen daraus zieht.
Mit LQFB selbst fange ich jetzt besser nicht mehr an, sonst werd ich heute nicht mehr fertig.
Nur zur Einführung möchte ich noch was anmerken:
Dieser Bohei um LQFB wäre so oder so gekommen, da das Ding einfach elementare Grundlagen der Partei (bzw. welche die ich mal dafür gehalten habe) im Kern angreift. Es ist sehr bedaurlich, dass das nicht rechtzeitig erkannt und geklärt wurde. So wurde es leider zu einer unschönen Zerreißprobe für die Partei. Dass dabei ein LV mitten in den Vorbereitungen zu einer Landtagswahl an die Grenzen seiner Handlungsfähigkeit gebracht wurde, scheint irgendwie niemandem schlaflose Nächte zu bereiten. Scheiß drauf, ist ja eh nur der Bodo-LV. Mit dem kann man's ja machen. Für die letzten Mohikaner, die dort die Suppe auslöffeln dürfen und den Karren jetzt erstmal gerade so aus dem Dreck gezogen haben, habe ich bisher noch nicht viel an Anerkennung gesehen. Das sind halt böse Bohei-Macher...
Zu Besitzstandswahrerei:
Über diese Theorie wundere ich mich schon seit es das erste mal LQFB-"Gegnern" vorgeworfen wurde. Seit dem frage ich mich was das eigentlich für ein Besitzstand sein soll, den da manche angeblich zu wahren versuchen. Also ich bin ja jetzt nun nicht von Anfang an in der Partei dabei, aber irgendwer mit einer Meinungs- oder Deutungshoheit ist mir dabei noch nicht untergekommen. Das dürfte diesen ominösen Leuten mit dreistelliger Mitgliedsnummer auch per se etwas schwerfallen, seitdem sie locker 10:1 in der Minderheit sind.
Ich halte diesen Vorwurf daher für leicht paranoid und eine billige Ablenkung von den Argumenten, mit denen man sich nicht auseinandersetzen möchte.
Oh und LQFB, das ja auch soziale Beziehungen offenlegen soll, hat die Erhebung einzelner zu "Kings" als Kern-Feature. Ich kann dir ne Liste geben, wenn du willst. Aber ich wollte ja nicht mit LQFB anfangen...
Zu Sozialautisten:
Yay, Zustimmungsquote steigt langsam ein wenig.
Wobei ich mich jetzt irgendwie dunkel an eine recht zivilisierte Diskussion (auch) über übertriebene Rhetorik erinnern kann. Nur das mit der Gegnerschaft und den vollen Breitseiten ist mir da irgendwie entgangen. Überhaupt wundert es mich, dass ich das Gefühl hatte auf der Aktiven (!) ein gutes und fruchtbares Gespräch geführt zu haben, aus dem sich dann plötzlich diese Masse an Einseitigkeit und Polemik in dein Blog ergießt. Normalerweise kennt man das eher andersrum. Du wirst mir doch nicht etwa woanders über dieses Thema fremddiskutiert haben? ;)
Aber mal abgesehen davon, dass du hier wieder (wie oben schonmal) die halbe Geschichte ausblendest, damit dein Bashing keine Kratzer bekommt, kann ich hier mal weitestgehend zustimmen. Solche Leute gehen mir auch auf den Keks.
Zu Empörungsdemokratie:
Eieiei... herber Rückschlag.
Ich muss dir leider sagen: Du hast anscheinend keine Ahnung was hier in BaWü zur Zeit abgeht.
Wir leben hier in einem Bundesland, dessen Beamtenapparat schon doppelt so lange von der gleichen Partei durchfilzt wurde, wie die meisten Piraten hier überhaupt leben. Und sooo jung sind die auch wieder nicht alle.
Diese Partei sieht sich gerade zum ersten Mal an den Abgrund gedrängt, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, und hat keine große Scheu sämtliche dreckige Methoden anzuwenden, dass sie nicht fällt.
Es tut mir ja Leid, dass es dir nicht kreativ genug ist, wie wir versuchen uns mit unseren bescheidenen Mitteln dagegen zu wehren, aber du bist gerne eingeladen vorbeizukommen, um unseren Filzhaufen sozial zu hacken.
Zu Prinzipienfetischismus:
Aha, es gibt also Leute mit anderen Meinungen als deine. Das sollten wir natürlich schnellstens abstellen...
Aber wenigstens in Punkto Meinungsfreiheit kann ich dir voll zustimmen. Ihre Meinungsfreiheit können die ganzen Cranks und Trolle auch woanders ausleben.
Zu Kompetenzneutralität:
Oh ja, wir plappern viel Dummes einfach nach. Das stimmt leider. Auch wenn ich da wahrscheinlich eher andere Themen im Blick habe als du. Allerdings ist nunmal noch kein Meister vom Himmel gefallen und wir können nicht erwarten, dass sich mal eben der Club der Hochbegabten um uns herum bildet. Es wäre schone in guter Anfang, wenn jeder sich ein wenig an der eigenen Nase packen würde.
Außerdem vermisse generell eine gute Portion an kritischem Denken, vor allem bei Hype-Themen. Aber ich sag mal so: Es könnte schlimmer sein. ;)
Apropos schlimmer:
Derjenige, der sich in der Debatte um den Personalausweis hauptsächlich als kompetent erwiesen hat, ist *Trommelwirbel* auch der Macher der FSK18-Seite. Was für eine traumhafte Überleitung zum nächsten Abschnitt!
Zu Doppelmoral:
Und schon wieder beschwerst du dich, weil andere einfach eine andere Meinung haben als du. Das scheint dir ja schwer zu schaffen zu machen.
Du greifst dir hier willkürlich irgendwelche Ansichten anderer Leute raus, um sie zu einem Rant über Doppelmoral neu zusammenzusetzen. Die Urheber dieser Ansichten werden einfach zum rhetorischen "wir". Super Leistung. Großes Kino. Aber es reicht anscheinend, um den ein oder anderen Jubelsturm auszulösen. Wie war das nochmal mit kritischem Denken und Leuten alles nachplappern? Ach, egal...
Zu Altlasten:
Ja, die Bodo-Sache ist nervig. Da können wir uns jetzt noch eine Weile drüber aufregen. Ich bin dabei. Ich find's auch nervig und ziemlich unwürdig. Aber ich sehe irgendwie nicht, wie du zur Lösung des Problems beiträgst. Es ist ja jetzt nicht so, dass du hier eine große Neuigkeit aufdeckst. Aber vermutlich steht das hier nur der Vollständigkeit halber...
Und was an Tauss kritisierst du eigentlich? Dass er aufgenommen wurde? Dass er jetzt nicht auf Distanz geekelt wird? Oder dass er ein noch schlimmerer Polemiker ist als du?
Wie war das doch gleich mit den persönlichen Beefs des Herrn Tarzun?
Zu Rechtsblindheit:
Immerhin noch etwas versöhnliches zum Ende: Du hast recht.
Nur wenige Dinge gehen mir so auf den Keks, wie wenn Engagement gegen Rechtsextremismus als Linksextremismus abgestempelt und dann auch noch mit Rechtsextremismus gleichgesetzt wird.
Und ich bin zwar kein allzugroßer Freund von Demo-Blockaden, aber das Konzept der sächsischen Piraten, das sich ja auch hier auf dem Blog wiederfindet, halte ich für sehr gelungen.
Dabei will ich's dann auch mal belassen.
Antwort
26/01/2011 um 23:51 Permalink
"Jubelparteitag" ist (zugegebenermaßen nicht 100% ernsthaft) aus BaWü im Rahmen der jüngeren BPT-Ausschreibungen geprägt worden, vgl. http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Just-Ben/VorbreitungBPT#Baden-W.C3.BCrttemberg . Bzgl. der Legopolitik müssen wir selbstverständlich nicht alles uwanghaft anders als die "Großen" machen, die NRW-Crewdebatte hab ich gar nicht erwähnt, das reicht für zwei eigene Blogposts. Wo sinnvoll, kann man ruhig bewährte Strukturen, und sei es als reine lokale Verwaltungsdienstleister aufbauen, also die klassischen KVs. Dabei sollte man nicht den Fehler machen und 3-5-Mann-KVs bauen, wie überall schon mal geschehen, aber wenn es lokal genügend aktive Piraten gibt "brauchen" die sowas, das is völlig OK. Was mich nur "ärgert" sind eben solche Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen, zum "Teambuilding" sind die "PiratenCamps", Dinge wie die OpenMind o.ä. mE zielführender. Aber, YMMV.
Formalmasturbationen: Du sagst es selbst, "wollen sich nicht instrumentalisieren lassen". Hey, dann besorgt Euch ne Mehrheit oder macht was eigenes. Wenn man natürlich auf die Erlaubnis von oben wartet wird das nix. Es hieß ironisch in der Umwelt-Diskussion, "da mache ich mir wohl demnächst eine AG Christen in der Piratenpartei" auf. GENAU DAS! Dann macht man eben ne eigene Gruppe auf, wirbt für seine Inhalte und schaut das man die Mehrheit der Partei hinter sich bekommt und pinkelt nicht denen, die das vorleben mit (wirklich übertriebener) Formalität an den Karren. Und die AG Umwelt (ich hab mit denen nix am Hut) hat hier so ziemlich alles "richtig gemacht. Seis drum.
Pöstchentum: Ja, ich habe drei "extreme" Beispiele ausgewählt, aber fällt es nicht auf, wie oft, etwa in Wiki-Anträgen o.ä. Leute mit ihrem Titel versuchen "Eindruck zu schinden"? Mir stößt das unangenehm auf, denn kein Pirat ist besser, wichtiger oder mehr wert, nur weil er Beisitzer im KV Posemuckel-Süd ist.
Permission culture: Mir gefiele es besser, wenn wir eben ruhig über unser, auch nach außen sichtbares, Verhalten unsere Meinungen finden und *alle* bisherigen "Streitigkeiten" (AntiAtom, BGE, Gendings etc.) konnte durch Programm, alte Beschlüsse oder Positionen in den Ländern gut evaluiert werden, die "formalen" Gegenstimmen waren regelmäßig von den Leuten die das auch politisch ablehn(t)en. Und wenn ich höre "Ihr habt (als "offiziell ernannte" Redakteure, -tarzun) ohne Rücksprache mit dem Vorstand und der Pressebeauftragten was veröffentlicht", diese Kritik aber nur da kommt, wo man (die Pressetante) selber was zu kritteln hat, weil man den verkloppten Piraten nicht leiden kann, dann is bei mir Ende mit Verständnis. Hey, wir sind Piraten und auch wenn oft genug Formalia tatsächlich beachtet werden *müssen* (Wahlen, Parteienfinanzierung etc, hey, *ich* verklage nen LPT wegen Formalmist...) dann sollte man das auch tun. Aber man versuche bitte nicht politische Inhalte über Formalia durchzusetzen, das ist einfach nur billig.
Konsequenzneutralität: Da sind wir jan icht so weit auseinander, nur zu LF kann ich die Kritik es würde "elementare" Dinge verletzen immer noch nicht nachvollziehen, zumindest solage nict, wie pirat nicht *gezwungen* wird das Ding zu nutzen (nein, das wurde man auch durch "Vorbereitung auf den BPT" nicht). Solange das (wie Facebook, WoW oder eine öffentliche YouPorn-Playliste) *freiwillig* ist und als *Orientierung* für die letztlichen Entscheider (egal ob Vorstände, Parteitage oder einzelne Piraten) sehe ich da nur selbst gemachte Probleme, aber keine echten. Aber Du hast insofern Recht, das hierzu eigentlich alles gesagt und geschrieben wurde. Doppelt.
Besitzstand: LF ist letztlich nur der Keim, an dem sich das entzündet. Man sieht es auch an der BGE-Diskussion, an den "Kernis", es gibt IMHO einen großen Haufen an Leuten, auch insbesondere bei langjährigen Mitgliedern und auch Funktionären, die sich in den jungen Jahren, als die Partei klein war, schön "eingenistet" haben und/oder durch jede Menge Freizeit auf MLs jede Diskussion an sich reißen. Und mit den 12k neuen Leuten, frischem Wind et al, verlieren eben sie ihre Hoheit. Und das grämt sie. Und auch ohne LF merkt man, etwa an GP050, das das große Weinen halt dann doch nur das kleine Wimmern Einzelner war.
Empörungsdemokratie: Ja, in der Tat die Diskussion zu dem angedeuteten Thema, sogar auf der Aktiven, war recht gut. Es ist aber nur ein Aufhänger und die Kommentare im BW-Blog des "F." mein Aufhänger. Ist ja nicht das erste und einzige Mal, das jede Kritik oder (negative) Behördenentscheidung zur "Standardreaktion" führt, die da heißt "Da muss ne PM raus, das hängen wir ganz hoch" und man "fleißig voten soll". Das grundsätzliche Problem bleibt, viele unter uns können mit Kritik oder der Tatsache, das es tatsächlich Leute mit anderen politischen meinungen und Agendas gibt gar nicht umgehen. Dabei könnte man in vielen Punkten auch bei Etablierten durch einen fairen Umgang Punkte sammeln und hätte bspw. in Tübingen selber auf die Idee mit dem Veranstalterwechsel kommen und den Palmer anspitzen können, statt sich nun bei ihm bedanken zu müssen :-) Aber immerhin gibts da ein versöhnliches Ende. Aber trotzdem: Wir müssen lernen und korrekt einzuschätzen und darauf basierend agieren.
Prinzipien / Kompetenz: Das spielt eigentlich zusammen. Hausfassaden sind keine persönlichen Daten, das ist keine "andere Meinung", das ist Unsinn. Und hier auch nur ein Beispiel. Aber es gibt viele die ihre (widerlegten) Dogmen haben und davon nicht abrücken, oft passiert Beides, auf falschen Dingen wird herumgeritten und keinen Jota von abgewichen. Im Übrigen finde ich das Engagement von Jan und die Entdeckung der tatsächlichen Sicherheitslücke phänomenal und die entsprechenden Berichte waren mehr wert als jedes ML-Gekeife. Aber das mit dem "Phishing" ist eine "Schwachstelle" war einfach nur daneben. Ganz davon abgesehen haben das die "Kloppt nicht nur wie wild auf den ePA ein"-Piraten schon viel eher gesagt, das ein "sicherer Rechner" und "offene Augen" weitaus wichtiger (oder halt bei Nichtvorhandensein ein größeres Risiko) sind als der RFID-Chip.
Doppelmoral: Andere Meinungsn sind kein Problem. Ich bin ja oft genug auch auf der Seite derer, die eine eher unpopuläre Position vertreten. Und wer Abmahnungen cool findet, meinet wegen. "Sein gutes Recht". Aber dann bitte nicht in den Shitstorm einstimmen, wenn eine von Bushido kommt. Klassiker ist hier (Achtung: Vorbereitung einer Überleitung) Thiesen, der erst mit dem Argument "Datenschutz" versuchte LF zu verhindern und als das scheiterte zur aktiven Sabotage aufrief. Solche Dinge mein ich.
Altlasten: Tja, bei BT kann ich tatsächlich wenig machen, finde aber wichtig, das das eben nicht in Vergessenheit gerät, denn genau da scheint so mancher nicht traurig drüber zu sein. Deswegen sollte man da immer wieder den FInger in die schwärende WUnde legen bis es da mal zu ner letztinstanzlichen Entscheidung kommt. Und bei Tauss sehe ich seine Erfahrung schon als "positiv" und durchaus hilfreich, glaube aber das er als "leiserer Ex-Pirat" uns besser unterstützen würde.
Das Du bei der Rechtsblindheit mir zustimst ist schön, ich bin müde und mag net weiter tippen. Danke für Deinen Kommentar und auch dafür, das die Retweets diverser LT-Kandidaten und Pressesprecher ein kleines, weiteres "q.e.d." für meinen Text oben sind :-)
Antwort
28/01/2011 um 00:31 Permalink
Beim Thema Jubelparteitag sind wir dann wohl wieder beim Thema immer auf die negativste Interpretation zurückgreifen. ;)
Da steht ja auch schon, dass das eh nicht möglich ist und die Bewerbung, die dann abgegeben wurde, hat das offensichtlicherweise ja auch nicht versucht.
Was die Veranstaltungen angeht:
Wir hatten sogar eine Klausurtagung an einem verschneiten Ort in der tiefsten Wildnis. Nur damit deine Munition bzgl. Nachmacherei auch vollständig ist. ;)
Außerdem hatten wir neben dem Dreikönigstreffen auch ein SommerPiratenCamp, ein Nordbadentreffen (das IST sowas wie die OpenMind) und sogar ein Marathon-Oster-Mumble und DAS kann ganz bestimmt keine andere Partei von sich behaupten. ;)
Ich kann deinen Punkt also überhaupt nicht nachvollziehen. Ich sehe da noch nichtmal irgendwelche Wünsche offen.
Was das Formale angeht: Warum muss ICH mir eine Mehrheit besorgen, wenn ich nicht will, dass jemand anderes die Partei für sein Lieblingsthema instrumentalisiert? Wie wäre es wenn DERJENIGE sich erstmal diese Mehrheit besorgt?
Du schreibst "Dann macht man eben ne eigene Gruppe auf, wirbt für seine Inhalte und schaut das man die Mehrheit der Partei hinter sich bekommt und pinkelt nicht denen, die das vorleben mit (wirklich übertriebener) Formalität an den Karren.", allerdings pinkle ich denen an den Karren, die den Punkt mit "schaut das [sic :P] man die Mehrheit der Partei hinter sich bekommt" einfach mal unauffällig wegzulassen versuchen. Bei der AG Umwelt kommt dann noch der ebenfalls beliebte Trick hinzu sich Mehrheiten für Allgemeinplätze abzuholen und aus denen dann die wildesten Dinge abzuleiten. Das beschwört natürlich Widerstand herauf, den ich für legitim halte.
Das Eindruck-Schinden mit Pöstchen fällt mir ehrlichgesagt nicht wirklich auf. Ich kenne das eigentlich hauptsächlich von der BuVo-Antragsseite und da ist es ja sogar GO-relevant. Gut, bei anderen Wiki-Meinungsbildern wird das von einigen auch gemacht, aber das verbuche ich mal unter Macht der Gewohnheit. ;)
Und was meinst du mit Streitigkeiten konnten evaluiert werden? Beschlüsse auf Länderebene gelten nicht einfach mal so für den ganzen Bund. Wäre das so, könnte man das Gen-Thema z.B. getrost in die Tonne kicken, denn in BaWü sind die Anträge dazu hart am LPT abgeprallt, siehe http://wiki.piratenpartei.de/Landesverband_Baden-W%C3%BCrttemberg/Arbeitsgruppen/Landespolitik/Umwelt/Energieproduktion-gentechnische_Ver%C3%A4nderungen & http://wiki.piratenpartei.de/Landesverband_Baden-W%C3%BCrttemberg/Arbeitsgruppen/Landespolitik/Umwelt/Gentechnologie2
Wenn ein LV das beschließt und dann auch vertritt, gibt es kein Problem. Wenn Leute aus anderen LVs oder der Bundesebene das dann ohne Beschluss einfach auch vertreten wollen, dürfen sie sich über eventuelles Gemecker halt nicht aufregen.
Und klar kommt das Gemecker dann normalerweise von Leuten mit gegenteiliger Meinung. Das ist natürlich so, weil es eben keine Formalfickerei ist, sondern eine politische Auseinandersetzung. Das soll ja vorkommen in einer Partei. Und es kommt auch vor, dass jemand etwas unbeschlossenes macht, keiner beschwert sich und alles ist gut. Da hab ich auch kein Problem damit. Aber wenn beschwerden kommen, dann sind die nunmal legitim und wenn diese heftig sind, dann hat sich derjenige eben verzockt und sollte die Sache zuerst intern klären (sprich einen Beschluss auf der Ebene, die er gerne ins Feld führen möchte, herbeiführen) anstatt drauf zu scheißen, denn formal im Recht sind nunmal die Motzer und solche Formalien gibt es nicht ohne Grund, sondern damit wir nicht völlig im Chaos versinken und auseinanderbrechen.
LQFB ist freiwillig, das ist richtig. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass die berühmte "normative Kraft des Faktischen" schwungvoll verpufft ist, weil sich faktisch (unerwarteterweise) keine Sau dafür interessiert was in LQFB eine Mehrheit hat und was nicht, weder der BPT noch der BuVo oder sonstwer.
Dass das Ding in die völlige Irrelevanz hineinkrepiert, kann ja aber nun nicht der Sinn der Übung gewesen sein. Momentan bin ich da aber zugegebenermaßen ganz froh drüber, aber eben nur weil eine Teilnahme nicht mit den Datenschutzansichten vieler Mitglieder in Einklang gebracht werden kann und weil die Art und Weise, wie die Abstimmungsergebnisse dort zusammenkommen, ein Pfusch epischen Ausmaßes ist. Würde man diese Problem endlich lösen (oder überhaupt erstmal erkennen... *seufz*), könnte die Bedeutung des Tools auch wieder ansteigen.
Zum Besitzstand denke ich, dass es gar keinen großen Haufen an langjährigen Mitgliedern mehr gibt. Und wo kein Haufen da ist, da kann man auch keinem Haufen irgendein Verhalten attestieren. ;)
Was du bei der Empörung ein "versöhnliches Ende" nennst, nenne ich "besser hätte es kaum laufen können". Das Thema schauckelt sich gerade munter zu einem Politikum hoch und es dreht sich vor allem auch um uns. Was will man mehr? ;)
Und wir haben noch genügend Absagen auf dem Tisch liegen, wo es keine grünen OBs gibt. ;)
Weiter geht's mit Fakten, Fakten, Fakten. Wenn du dich hartnäckig weigerst zu verstehen, was dein Gegenüber überhaupt zu seiner Meinung bewegt, und diese einfach mal zum widerlegten Dogma erklärst, dann ist das wohl eher dein persönliches Problem als eines der Partei. Es ist für solche Auseinandersetzungen selten hilfreich, wenn einer sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt.
Antwort
26/01/2011 um 22:21 Permalink
Allerdings werden uns wohl all diese "destruktiven" Phänomenen bis zu einem gewissen Grad erhalten bleiben. Sei es weil sie üblicherweise in Parteien oder anderen sozialen Gruppen halt auftreten (Besitzstandswahren, Doppelmoral, Lautsprecher) oder typisch für uns sind (sozialer Autismus aufgrund Erfahrungsmangel/Lebensalter/Technik Orientierung). Insofern fände ich es konstruktiv, wenn Du, und alle anderen Piraten auch, da eine etwas robustere bzw. weniger sensible Haltung einnehmen kannst. Sprich: Laß Dich durch sowas bitte nicht übermäßig frustrieren, oder gar von konkreter politischer Arbeit abhalten.
Auf der anderen Seite hast Du, wie jeder andere Pirat auch, natürlich Möglichkeiten derartige "destruktiven" Verhaltensweisen bei anderen zu reduzieren und/oder ihre Folgen zu minimieren.
Zum einen durch das eigene vorbildliche Verhalten.
Zum anderen durch die bewährten Anti Troll Maßnahmen.
Zwei Links zur zeitweise auftretenden Kommunikations Unkultur auf einigen MLs:
http://blog.koehntopp.de/archives/2181-Inhaltliche-und-kulturelle-Steuerung-von-Foren.html
http://blog.koehntopp.de/archives/2675-Communitygift.html
Rudi
Antwort
26/01/2011 um 22:29 Permalink
Antwort
26/01/2011 um 23:24 Permalink
Mitte 1995 war ich zu einer hoffnungsfrohen zweitätgigen Versammlung, die mit der Gründung der Feministischen Partei Die Frauen abschloß. Der Alltag der Partei, die mit "wir machen es anders" antrat, ging genauso schnell und in der gleichen in der Tristesse unter, wie ich das oben lese. Partei ist und bleibt eben Partei.
Dazu kommt noch etwas anderes: Wenn ich mir die Mitgliederstruktur der Piraten anschaue, dann sehe ich nur eine neue Variate des alten Spiels vom Aufstand der Söhne gegen die Väter. Und wenn die Söhne dann mal selbst Väter sind... ad infinitum.
Antwort
26/01/2011 um 23:32 Permalink
das schöne an demokratischen prozessen ist, das das erlaubt ist und fehlschläge fortschritt bedeuten können. bitte, macht das beste draus.
vorerst ohne mich, denn
- ich brauche keine partei, die krampfhaft eine nichtpartei sein will und sich das auch noch glaubt
- ich bin gegen das dogma vom undogmatisch sein
- mir ist die ppd bis jetzt zu unpolitisch.
eine partei, die diskussionsbeiträge wie den obigen ernsthaft diskutieren und gemeinsam nutzen kann, hat eine gute chance, sich zu entwickeln. sie werden gebraucht, jeder einzelne von ihnen.
ach, und @2 (xaleander):
im gegenteil. die mitglieder sind es, die die partei zu dem machen, was sie ist. meinen sie mit "partei" eventuell ihre wunschvorstellung?
.~.
Antwort
27/01/2011 um 01:06 Permalink
Was ich meinte waren einzelne Stimmen, die irgendwas hinausposaunen (die "lauten").
Wenn dann aber alle mal vernünftig diskutieren kommt wundersamerweise doch meistens was brauchbares raus. Das gleicht sich aus. Und die vernünftigen Leute darf man auch nicht vergessen.
Also die Antwort in kurz:
Alle Mitglieder zusammen machen die Partei aus, ja, aber nicht einzelne Mitglieder.
mfg Xaleander
Antwort
26/01/2011 um 23:32 Permalink
Du hast genau das beschrieben, was mich zur Zeit so traurig macht und mich so lähmt (neben dem Studium). Besonders durch den beschrieben Fall des Rechercheprotokolls habe ich meine komplette Redaktion verloren und konnte nichts machen. :(
Es ist traurig, das Leute deswegen die Partei verlassen, inaktiv werden oder sie einen Burn-Out bekommen, weil sie sich verdammt nochmal den Arsch aufreißen. Alles für die Katz?
Häufig warten schon viele Moränen in ihren Löchern darauf bei dem kleinsten Fehler der wirklich richtigen Aktiven, aus dem Hinterhalt zu schießen und alles kaputt zu reden. Das frustriert. Ich war zum Glück kaum betroffen, aber wenn es gerade die erwischt, die ich schätze und gerne zusammenarbeite, dann trifft mich das genauso.
Ich verfalle wieder in meinen studentischen Lernwinterschlaf. Bis bald.
Antwort
27/01/2011 um 14:45 Permalink
- kritiklose LQFB-Jublerei
- Bundesland-Spalterei
- destruktive statt konstruktive Kritik
wäre einiges zu sagen.
Ich sag aber nix dazu und tu das einzig richtige. Mir wie alle anderen BW-Piraten hier den Arsch abarbeiten, anstatt mich von theoretisierenden Hundertzwanzigprozentigen auch noch in Meta-Diskussionen verheizen zu lassen.
Danke das wir drüber gesprochen haben.
Eine, die sich den Wahlkampf gerne leicht macht. Wir haben hier ja noch so viel Kapazitäten und Energie übrig nach mehreren Monaten Dauersammelei.
Antwort
27/01/2011 um 15:32 Permalink
Antwort
27/01/2011 um 15:37 Permalink
Antwort
27/01/2011 um 17:02 Permalink
Von daher konterkariert Dein Vorschlag ja diese Bitte.
Antwort
27/01/2011 um 22:39 Permalink
Ich versuche auf die einzelnen Punkte einzugehen. Dennoch muß ich eines vorwegschicken. Ich glaube, vor allen anderen Problemen hat die Piratenpartei zwei ganz gravierende:
1. Mangelhafte Kommunikations- und Diskussionskultur. Zum einen wurde es vor allem durch die Bundesvorstände versäumt, klare Spielregeln aufzustellen, welche Medien als Parteimedien und auf welche Art und Weise diese genutzt werden sollen. Hinzukommt, daß Diskussionen nicht versachlicht werden und mit allen rhetorischen Tricks vermeintliche innerparteiliche "Gegner" direkt oder indirekt angegangen werden. Durch den anfangs fehlenden Fokus auf Real-Life-Kommunikation, das klärende Gespräch unter vier Augen oder bei 'nem Glas Bier nach einer hitzigen Diskussion führte zu einem Klima auf den Hauptmailinglisten (Aktive und Co), was sonst nur auf Trollwiesen wie Heise-Foren und Co zu finden ist. Besonders befremdlich finde ich, daß gerade der Bundesvorstand es nicht schafft Konflikte zwischen seinen Mitgliedern zu entschärfen und seine Vorbildfunktion ernstzunehmen. Auch die schiere Unzahl von verschiedenen Kommunikationskanälen und der fehlenden Übersicht, welche wofür am besten geeignet sind und wo für jeden einzelnen die Informationsbring- und Holschuld besteht, führt dazu, daß der Informationsfluss ins Stocken ugerät und viele Arbeit doppelt und dreifach gemacht und ohne Absprache untereinander erfolgt. Wir verbraten dadurch ein Haufen Ressourcen, die uns eh an allen Ecken und Kanten fehlen. Wenn dann zu dem daraus resultierenden Frust noch Selbstüberschätzung (sowohl hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten aber auch des Leistungsvermögens und der zeitlichen Machbarkeit) kommt, wird der Frust über das nicht erreichte nur allzuverständlich.
2. Ein ganz großes Problem ist auch die fehlende Kontinuität und Selbstverantwortung. Wenn ich jemanden in einen Vorstand oder in ein Schiedsgericht wähle, dann möchte ich, daß derjenige sich vor der Kandidatur im Klaren darüber ist, welche Verantwortung er damit übernimmt. Es kann nicht sein, wenn Leute 14 Tage nach ihrer Wahl hinschmeissen, weil sie sich nicht richtig mit der Kandidatur und den einhergehenden und zukünftigen Aufgaben vertraut gemacht haben. Umgekehrt kannes aber auch nicht sein, daß, und das hast Du richtig dargestellt, zu Parteitagen einzelne Scharfschützen antreten, ihre Schüssse abfeuern und wieder in der Versenkung verschwinden. Auch hier brauchen wir Piraten, die sich selbst einbringen, die auch bei Rückschlägen oder Meinungsdifferenzen nicht nach dem ersten Lüftchen hinschmeissen, sondern auch mal in der Lage sind zu reflektieren, warum denn das Lüftchen sie umzupusten drohte und wie sie Dinge verändern können. Denn auch hier muß ich mich wundern, wenn Leute, die in der Politik mitmischen wollen, wo ein sehr rauer Wind wehen kann, beim kleinsten Rückschlag wieder ganz schnell an Land in ihre Rückzugshöhle verschwinden wollen. Kontinuität und verantwortungsbewußtes Handeln sind die Fundamente von Glaubwürdigkeit. Wenn wir also für den Wähler glaubwürdig sein wollen...
Unter dem Punkt Formalmasturbationen möchte ich nur ergänzen, daß Formalien für uns wirklich das letzte Mittel sein sollte. Und mich hat es im letzten Jahr meiner Tätigkeit am BSG schon gewurmt, wie oft einzelne Piraten versucht haben mit Paragraphen Korinthen zu ..., diese Energie hätte eigentlich viel mehr in politische Arbeit gesteckt werden müssen. Leider sind manche Formalien erforderlich und manchmal sind sie eben auch ein bequemes Werkzeug unliebsames und Unliebsame abzubügeln. Du hast recht, wenn Du darauf den Fokus legst, gerade weil es schwer fällt, es liegt uns wahrscheinlich allen doch im Blut.
Pöstchenatentum dagegen habe ich noch nicht in der Form erlebt. In der Regel ist die Mitarbeit bei den Piraten mit viel Zeit- und Nervenaufwand verbunden. Ich ziehe mich aber an den Leuten, die sich darüber wichtig nehmen wollen nicht hoch. Wenn jemand eben "Offizieller Stimmkarteneinsammeloberst des Kreisverbands Pusemuckel der Piratenpartei Deutschland" auf seiner Visitienkarte stehen hat, von mir aus. Ich finde die Piraten viel wichtiger, die verläßlich sind, sich konstruktiv beteiligen und auch mal mithelfen Karren aus dem Schlamm zu ziehen. Die bekommen dann auch mal ein Bienchen und dürfen das auch gerne in ihre Visitenkarte eintragen :)
Dann der Punkt Permission Culture. Ich denke wir müssen hier zwei Dinge, zwei verschiedene Sichtweisen auseinanderhalten. Zum einen möchte ich, daß Piraten sich selbst organisieren und nicht wegen jeder Schraube angekleckert kommen. Zum anderen vertritt ein Vorstand die Piraten nach außen. Wenn es also dort zu Konflikten kommt, so muß der Vorstand in dem Punkt das letzte Wort haben können dürfen. Er wurde legitimiert, die Piraten zu vertreten und er muß auch eventuellen verzapten Mist der sich selbst organisierten Piraten vertreten oder ablehnen dürfen. Er hält den Kopf auch für diese Piraten hin. Was auch eine Rolle spielt, ist, daß wir Piraten, wie oben genannt, dazu neigen uns und unsere Fähigkeiten nicht richtig einzuschätzen. Ein Mittel wäre ein begleitender Vorstand oder eine alternative Regel, wie Three Pirates. Recht hast Du, daß wir das "Ich muß erstmal dort fragen und nen Antrag stellen" ändern müssen in "Zeig mal was Du kannst. Wir helfen Dir das zu verbessern". Wohlgemerkt, "verbessern" im Sinne positiver Kritik. Das gehört auch zu unseren Schwierigkeiten, daß wir gerne kritisieren, es aber nicht hinbekommen Verbesserungsvorschläge mitzuliefern und die Kritik positiv und damit motivierend zu gestalten.
Zu Konsequenzen muß ich nichts mehr sagen, das klang ja oben schon unter dem Stichwort Verantwortung und Kommunikation durch.
Vielleicht nochwas zum Thema Altlasten und Rechtsblindheit. Den Fall BT sehe ich eigentlich gar nicht so sehr als problematisch bezzgl. des eigentlichen Inhalts an. Hier, und das ist das wirklich problematische, hat der Bundesvorstand schlicht geschlampt. Zum einen hat er sich mit dem Antrag auf ein PAV nach meinem Verständnis sehr weit aus dem Fenster gelehnt, da es nach meinem Kenntnisstand nicht zu rechtfertigen wäre (die beanstandeten Äußerungen von Bodo lagen vor dem Eintritt in die Piratenpartei). Zum andern hat der Bundesvorstand das Verfahren verschlampt. Welche Gründe dafür eine Rolle spielen ist Spekulation, ich würde auf das naheliegenste tippen und sagen, er fühlte sich getrieben und wollte das Thema aussitzen.
Die von Dir beschriebene Rechtsblindheit kann ich so nicht feststellen. Wir haben in den letzten Monaten ein kleines Grüppchen Piraten gehabt, die versucht haben, obwohl unsere Positionen sowohl in der Satzung, als auch durch unsere Programmpunkte ganz klar eine Unterstützung rechtsgerichteter, nationalsozialistischer Ansichten ad absurdum führen, die Piraten Richtung AntiFa und linke Positionen zu treiben. Der LV Sachsen hat ganz klar herausgestellt, daß wir es jedem Piraten selbst überlassen mit oder ohne Piratenshirt zu oder eben nicht zu Demonstrationen gegen Anhänger nationalsozialistischer und fremdenfeindlicher Ideologien zu gehen. Wir haben erst nach Monaten jemanden gefunden, der als Ansprechpartner des Vorstands Kontakte zu Bündnissen gegen rechte Gewalt pflegt und versucht piratige Positionen dort einzubringen. Gerade in der Diskussion um den 13.2. hat der Landesvorstand klare Stellung bezogen und das Engagement der Piraten gegen Rechts unterstützt. Dennoch, und das ärgert mich wirklich, war bei dem letzten Treffen der AG Rechtsextremismus nur Vertreter aus dem Landesvorstand anwesend. Beide Fälle zeigen, daß das von Dir gezeigte Problem eines nicht ist, ein Problem.
Zum Schluß möchte ich Dir für Deinen Beitrag danken, da er die Diskussion der Piraten über sich selbst so stark angeregt hat. Und vielleicht schaffen wir es damit, tatsächlich unsere Startschwierigkeiten zu überwinden und wieder auf eines zu besinnen: Wir sind angetreten gemeinsam(!) die Gesellschaft zu verändern: Für Wissen, für Bürgerrechte, für transparenten Staat, für eine bessere Welt. Danke.
Antwort
09/02/2011 um 15:05 Permalink
Antwort
02/10/2011 um 16:34 Permalink
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