So ähnlich war es zu lesen. In Mecklenburg-Vorpommern ist ausgerechnet der einzige Pirat mit Mandat ein früheres NPD-Mitglied, in Freising hat man gar einen ehemaligen NPD-Kader in den Vorstand gewählt. An sich noch nichts Schlimmes, ich bin um jeden froh der erkennt, das mit Nazis kein Staat zu machen ist und außerdem ändern sich nur Idioten nie. Schlimm ist leider, das beide erst mehr oder weniger gezwungenermaßen mit den braunen Flecken auf ihrer Vita rausrückten. Und das ist schon eher ein Problem. Der Freisinger trat immerhin zurück, in MV bittet man um Zeit bis Donnerstag zur Sitzung des Kreisverbandes oder so.
In der Bundespresse gab es heute folgendes Statement des stellvertretenden Pressesprechers der Piratenpartei (Bund) auf den Vorstand hier doch bitte auch als Bundesverband zu reagieren (immerhin hats das bereits in mehrere überegionale Medien geschafft):
Nein. Ich schwör's dir: Wenn der BuVor sich in meinen Landesangelegenheiten einmischt gibt's Saures. Öffentlich. Ich habe mich als LaVor ganz genau, ganz gezielt und gewollt NICHT in die Angelegenheiten des KV und der Basis eingemischt. Ich habe mich als Beauftragten des BuVors ganz genau, ganz gezielt und gewollt NICHT in die Angelegenheiten des LV MV und deren Basis eingemischt. Bei uns gelten Subsidiaritätsprinzip und Basisdemokratie. Und wer daran rüttelt, noch mehr in einer Vorstandsposition, kriegt mich zu hören. Überdeutlich.
Eine solche Reaktion ist ganz großer Mist. Sie sorgt nämlich dafür, das weiterhin in der Zeitung steht "Piraten verweigern Stellungnahme", wenn ein Journalist nicht beim passenden Kreisverband, sondern eben beim Bundespressesprecher (oder halt seinem Stellvertreter) anruft und da keine Infos bekommt.
Die Medien, deren Leser und der Bürger da draußen bringen regelmäßig nicht die intellektuelle Transferleistung auf und trennen scharf zwischen Kreisverband, Landesverband, Bundesebene, Mandat, Vorstandssitzung, AG-Treffen, Parteitag und parteinahen Organisationen. Das kann man doof finden, das kann man ändern wollen hier und jetzt muss man es aber erstmal akzeptieren. Noch können wir nicht die Spielregeln bestimmen.
Ja, es ist richtig, das Subsidiaritätsprinzip gilt irgendwie, das Sozialpiratentreffen, zu dem Bodo Thiesen "delegiert" werden sollte war keine "Bundestagung", der Antrag ihn da hin zu schicken wurde ja auch abgelehnt, das Ausschlussverfahren gegen ihn ist eben doch noch beim Landesschiedsgericht und selbstverständlich hat nicht, wie in einem Interview mit tagesschau.de behauptet, der gesamte LV RLP den Berlinern in den Wahlkampf grätschen wollen. Alles korrekt.
Nur: Es. Interessiert. Da. Draußen. Keine. Sau. Es versteht keiner und es ist auch nach außen nicht wichtig an welchem basisdemokratischen weisungsunabhängigen Verfahrensschritt das Thiesenverfahren nun die nächsten 2 Monate klebt oder ob der stellvertretende Bundespressesprecher nun der "formal korrekte" Ansprechpartner ist. Fakt ist: Das Ausschlußverfahren blieb 1,5a liegen. Fakt ist: Der Freisinger Vorstand war NPD-Kader. Fakt ist: Der einzige MV-Mandatsträger NPD-Mitglied. Und jetzt geht es darum, das aufzuarbeiten.
Und das dreht sich alles um eine banale Frage: Haben Nazis, Rechte, Nationalisten und ähnliche Knallchargen bei Piraten eine politische Heimat oder haben sie das nicht. Nein, das haben sie *NICHT*. Und das müssen wir deutlich machen, das den Medien und insb. in den Köpfen der Rezipienten klar und deutlich wird, das Nazis bei uns eben keinen Platz haben. Das Tagesschau-Interview war trotz einiger inhaltlicher "Freiheiten" da sehr gut, denn "draußen" bleibt hängen: "Wir wollen hier keine Nazis". Und in der Tat: das wollen wir nicht.
Und nein, das bedeutet weder, das wir dadurch Seipt (Freising), Bahner (MV), Thiesen (RLP), Knurr (NDS) oder wie sie alle heißen persönlich für Nazis halten müssen. Das bedeutet auch nicht, das wir an einer "Hetzjagd" teilnehmen, ihnen eine "zweite Chance" verbauen, Gesinnungsprüfungen einziehen oder jeden Ex-NPDler per Default aus der Partei schmeißen wollen. Wer früher Mist gebaut hat: OK, Shit happens. Hell, ich Trottel hab mit 17 mal nen Vortrag in der Schule gehalten, warum die Oder-Neiße-Grenze völkerrechtswidrig ist.
Aber: Fuck that. Das ist über 15 Jahre her. Ich hab draus gelernt. Und draus lernen, dazu stehen, offen(!!!!) damit umgehen, nur so gehts. Verheimlichen, Vertuschen, Verharmlosen und später herumlavieren, nur zugeben, was eh bekannt ist, geht dagegen gar nicht. Wie auch immer: Nazis, Rechtsausleger, Nationalisten und so weiter haben bei Piraten keinen Platz und wir haben hier in der Aufarbeitung dieser Fälle die einmalige Gelegenheit, das klar und deutlich rauszustellen.
Also liebe Piraten in Vorständen, Funktionen oder an der Basis: Macht das bitte auch und zieht Euch nicht in formalistische Defensivpositionen oder falsch verstandene Solidarität zurück, die da draußen letztlich nur als "Piraten tun nichts gegen ihre braunen Bremsspuren" ankommt, gar nicht anders ankommen kann, ja so ankommen muss!
NACHTRAG: Der Bundesvorstand, der Landesvorstand Bayern (auf Betreiben des oben kritisierten stellv. Bundespressesprechers, in Personalunion Vorstandsmitglied in Bayern) und der Mecklenburger Vorstand haben eine (ganz gute, wie ich finde) Erklärung zur Thematik veröffentlicht: http://vorstand.piratenpartei.de/2011/10/12/erklarung-der-piratenpartei-zu-fruheren-mitgliedern-der-npd/