Links? Rechts? Pirat!

Klaus Peukert » 17 September 2009 » in Piraten, Rants » 0 Kommentare

Da hat nun der stellvertretende Vorsitzende der PIRATEN der Jungen Freiheit ein Interview gegeben. Halb Blogistan ist aus dem Häuschen. "Wie kann man nur", "Geht ja mal gar nicht", "Das wars für mich", "UNWÄHLBAR". All denen sag ich: Tschüss. Wählt was Ihr wollt, macht was ihr wollt, aber tut nicht als wärt Ihr Piraten. Danke. Keine Sau hätte gemeckert, wenn das Interview in der Jungen Welt oder im ND gelandet wäre.

Er hat nem "rechtskonservativem" Blatt ein Interview gegeben. Sogar ein ziemlich gutes. Er hat direkt in der "Nazi-Postille" gesagt, dass die Piraten für alles "rechts der CDU/CSU" nie und nimmer nicht zu haben sind. Ziemlich cool, in der Höhle des Löwen zu sagen, das man auf Löwen überhaupt nicht steht. Warum also fällt man über die Wahl des Mediums her und setzt sich mit dem Inhalt nicht auseinander?

Der Vorsitzende hat noch einen drauf gesetzt und der JF einen boulevardesken Fragebogen (der erinnert an diese Bücher, wo jeder Klassenkamerad Lieblingsessen, -film,- farbe etc. eintragen konnte) ausgefüllt und die haben den veröffentlicht. Den "Berufsentrüsteten" muss ja jetzt der Kopf platzen. So viel kann man ja gar nicht twittern :-) So nebenbei hat er mal ein klasse Statement zu dem Entrüstungssturm gegeben.

Glücklicherweise lassen sich nicht alle "Piraten" von dem Gegenwind zurückwerfen, sondern stehen für ihre eigentlichen Einstellungen, Ziele und Wünsche ein. Und die sind nunmal unabhüngig von dem überkommenen Links-Rechts-Schema. Piraten sind "vorn", nicht links oder rechts. Kapiert das. Akzeptiert das. Die Piraten sind keine neue linke oder neue liberale und erst recht keine(!) neue rechte Partei. Seht es ein. Sie sind neu, sie sind anders. Sie passen nicht in die verkrusteten Politikschemata der letzten ~50 Jahre. Sie sind Piraten.

Mich hat schon zu Abi-Zeiten, als ich eine Zeit lang für "rechte Ideologien" anfällig war, diese "Geht ja gar nicht"-Attitüde, diese Ausgrenzung und Stigmatisierung "Andersdenkender" genervt. Wer nicht für mich ist gegen mich usw. Diese Ausgrenzung hätte fast dazu geführt, dass ich dem Rechten Rand anheim gefallen wäre. Glücklicherweise bin ich nicht "rechts" geworden. Im Gegenteil. Wenn ich mich irgendwo im aktuellen Schema einordnen müsste, dann landete ich irgendwo bei Linke, Grüne, FDP (in der Reihenfolge).

Ich habe "linke" Positionen ("Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen", vielen Dank auch liebe Grüne/SPD), finde Nazis widerlich ("Gute Heimreise, Zeca", gehts noch Ihr Klapsköpfe?), kann andererseits das beißreflexhafte Verhalten vieler Linker ggü. allem was "rechts der Mitte" ist absolut nicht ab. Wenn wir das mit Meinungsfreiheit usw. ernst nehmen, dann müssen wir mit ner Jungen Freiheit leben. Genau wie mit ner Jungle World oder der BILD.

Dieses ganze Links-Rechts, Gut-Böse, Erlaubt-NoGo, Kannmanmachen-Gehtjagarnicht, Schwarz-Weiß ermüdet mich und ödet mich an. Ich hab keinen Bock mir vorschreiben zu lassen mit wem ich rede bzw. wer die Guten und wer die Bösen sind. Wenn ich "linke Politik" machen wollen würde wäre ich zu den LINKEN gegangen. Oder zu den Grünen, wenns bisserl "ökologisch-bürgerlich" sein darf. Oder FDP wenns "bürgerlich-liberal" sein soll. Da sind sie aber wieder, die Schubladen. 

Ich mag keine Schubladen. Ich will frei denken, frei entscheiden können. Ich will mir keine Meinung vorschreiben lassen. Ich will selber denken.

Deswegen bin ich Pirat.